Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: www.paganinisberlin.de

Wegen anderer Projekte kann das Blog zur Zeit leider nur unregelmäßig "bespielt" werden!

Dienstag, 25. Dezember 2018

Und der Haifisch, der hat...

...Zähnäh und die trägt er im Gesssicht und Mackeath, der hat ein Messa, doch das Messa sieht man nicht...


(Die Chefredakteurin berichtet über die legendäre Inszenierung von Robert Wilson am Berliner Ensemble)




 Und die Toten erwachen zu Leben. Und es ward Licht. Aber nur im Schatten-Ton.
Ich kenne sie alle auswendig. Jeden Song. Seit ich denken kann. So will mir scheinen. Kanonensong. Jenny-Song. Mackie Messer-Song. Erst kommt das Fressen-Song. Und dann kommt die Moral-Song. Und die Quintessenz, die kannte ich auch schon, seit ich Bert Brecht und Lotte Lenya und Kultur und das Ganze denken kann. Also ewig. Also gefühlt seit Immer.

Am Anfang war die DREIGROSCHENOPER!

Und dann kam lange nichts. Im Sinne von GESAMTKUNSTWERK!

Und nun Ich erstmalig bei der Robert-Wilson-Inszenierung im Berliner Ensemble, das einmal Ort der Uraufführung gewesen ist.

Wie oft habe ich diese Songs bereits gehört?
In wie vielen Versionen betörten sie mch?
Welche Verfilmungen sah ich?

Keine oder Alle?

So gegenwärtig der Stoff, so allgegenwärtig die Songs, so altbekannt das Entertainment - so ewig schon da und so zeitlos alles überdauernd. Keine Ahnung, ich schwöre, ob ich nun zur 10ten oder1ten Theater-Aufführung der Dreigroschenoper hier im Berliner Ensemble sitze. Oder ob ich mir das nur wünsche. Ich habe kein Gefühl dafür.

Es ist, so lehrt mich diese Inszenierung, auch vollkommen wurst, wann immer ich welche Variation und Interpretation der Dreigroschenoper gehört und gesehen haben könnte, denn Wilson inszeniert die Essenz des Ganzen im Gewand der Wiederkommer und Untoten, über alle Zeiten hinweg. Hinein in eine Sublimation des "Besser kann keiner Nie Mehr und konnte Noch Nie"!

Froh und glücklich nun. 
Nichts kann besser werden.
In 2019.

Aber genau so riesenstark.
Das langt!







Samstag, 22. Dezember 2018

Das wunderbare "Welcome Back"...

...zum kommenden Jahr!



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2018

Ein JEDER fragt JEDEN:

Hast Du gesehen, wie es verging, wie es verloschen ist  und hinüberwuchs in ein Anderes, das NEUE gar genannt? Und mittendrin das DU, das ICH, das DING und alles Andere auch. Ganz ungefragt sind wir mitgezogen und haben uns nichts dabei gedacht. Nicht, ob´s schlimmer wird, nicht, ob´s seichter wird, nicht ob´s klarer oder schöner wird. Nur gefreut  haben wir uns, weil´s halt so  ist, dass man sich freut, wenn´s irgendwann zu Ende ist. Mit dem Alten. Denn das Neue soll sein, wie so ein weißes Papier! Nicht wahr?
 

WELCOME 2019!
 
Ein wunderschönes, ganz individuell gestaltetes, Ihnen als unbedingt RICHTIG erscheinendes
Weihnachtsfest sowie ein ebensolches Hinüberwachsen in das neue Jahr
wünschen die ("Heuer" esoterisch angehauchten) PAGANINI´S!
 
 


Dienstag, 11. Dezember 2018

Die wunderbare Mythologie! XII. Teil:

CHEIRON, der aufrechte Gott auf 4 Hufen



Cheiron lehrt den jungen Achilleus das Spiel auf der Kithara: HERCULANEUM


Ja, die wunderbare Mythologie!

In loser Folge will Paganini´s ein Streiflicht darauf werfen, so wie die
Mythologie von jeher das Dunkel unserer (Menschen-)Welt durchleuchtet hat.
Sie fand die Chiffren für das Prinzip, das uns bewegt:
Das Schicksal des Menschen, ein Mensch zu sein!

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Vollkommenheit, Dein Name sei Cheiron nicht!

Die wandelnde Ambivalenz auf 4 Hufen ist Vieles nicht: Nicht Pferd, nicht Mensch, nicht Kentaur, nicht schön.  Und stark und vital ist er auch nicht. Er humpelt.

Was er allerdings besitzt, ist nicht ohne: Weisheit, Bildung, heilerische Fähigkeiten, Hingabefähigkeit und nicht zuletzt UNSTERBLICHKEIT.

Schon seine Zeugung zeugt von Mängeln. Denn von mangelnder Moral und Sittlichkeit getrieben, nähert sich Papa Kronos (an Ehefrau Hera vorbei) in der Gestalt eines Pferdes der lieblichen Nymphe Philyra. Dieser wiederum mangelt es eindrücklich am Ideal der Mütterlichkeit. "Pfui Deibel" denkt sie, nachdem der kleine Cheiron, soeben geboren, auf seinen staksig behuften Beinchen vor ihr steht und mit den Händchen fuchtelt. "Pfui Deibel, das Balg will ich nicht"! Und weg ist sie, die Frau Mama.

Der Kleine scharrt mit den Hufen. Sonnengott Apollon und Mondgöttin Artemis persönlich steigen vom Himmel hinab und adoptieren das eigenartige Kind. "Vergeistigte Triebnatur" wittert das frisch gebackene Elternpaar. Die beste Erziehung wird ihm zuteil, auf dass er der berühmteste Lehrer des gelehrten Athens werden solle. So kommt es. Er unterrichtet den holden Achilleus. Er erfindet ganz en passant die Kunst der Chirurgie. Und er heilt jeden Kranken, der nicht bei 3 auf den Bäumen ist.

Sein Leben könnte gesegnet sein. Doch erneut wird er das Opfer des Mangels eines Anderen. Herakles verschießt den vergifteten Pfeil. Nicht den Feind trifft er an empfindlicher Stelle. Nein, in Cheirons Knie hinein landet der Höllen-Splitter. Nun humpelt dieser auf verkrüppeltem Pferdegestell, kann seine eigene Pein nicht lindern. "Verdammt soll sie sein, diese grausame Unsterblichkeit"!
So wird Cheiron zu einer Wohltat der Zeitgenossen. Für ihn selbst bleibt nur Schmerz ohne Ausweg.

Wären da nicht der Götter perfide Grausamkeiten. Was böse gedacht, kann auch ein Gutes werden!
Zeus treibt sein sadistisches Spielchen mit dem (allzu arrogant auftretenden) Prometheus. Die Geschichte ist allseits bekannt.
Cheiron weiß nun, was zu tun ist. "Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss" sagt er sich. "Und ich muss sterblich werden, will ich mein jämmerliche Los beenden"!
Und so folgen 2 auf 1 Streich!

Cheiron opfert sein Leben für den, an Vollkommenheit kaum zu übertreffenden, Prometheus.
Und Zeus lässt sich nicht lumpen. Er befördert Cheiron aus der Unterwelt in den Olymp. Und den Prometheus begnadigt er auch.
Und so hat auf einmal diese vollkommen unvollkommene Geschichte ein

HAPPY END!
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...und was lernen wir aus dieser uralten Geschichte?
Nichts, aber auch wirklich Nichts hat sich verändert!
Seit Ur, das der Anfang war !


Mittwoch, 21. November 2018

Die wunderbare Expansion...

...der wundersamen Paganini´s-Redaktion


"Boncuk, der Kater, Herausgeber der Paganini´s-Redaktion, hat nun Verstärkung bekommen, ohne sie gewünscht zu haben.
Angeheuert hat Pati, das Katerchen, das ebenfalls einen türkischstämmigen Migranten-Hintergrund besitzt. "Pati" heißt "Katzenpfote" und die "mischt bekanntlich überall mit"."

So berichtete die BZ (Bunte Zeitung) in einer Extra-Ausgabe über die Fusion der beiden  Paganini´s-Kultur-Köpfe.

Die Paganini´s-Redaktion distanziert sich ausdrücklich von dieser banalisierenden Version.
Es handelt sich um eine  infame Verleumdung, dass Pati sich den Zutritt in die Redaktions-Räume gewaltsam erzwungen oder gar seinen "Floh-Befall" im weichen Fellchen zweckentfremdet genutzt hätte, um einen "Rausschmiss" zu verhindern.

Fakt ist, beide Kater sind veterinär behandelt worden, die Flöhe tot.

Fakt ist auch, dass beide Kater Nachfahren des edlen und einzigartigen Katers "Paganini" sind, dem Gründer unserer Seiten. (Auch wenn es sich um Stammbäume der Spezies der Berliner Hinterhof-Katzen handelt, die durchaus kompliziert nachzuweisen sind)!

"Blut ist dicker als Tunke!"
Und
"Blut ist dicker als Tinte!"

Das war eine der Redensarten von Stammvater Paganini, dem Kater.

Petit Pati und Bon Boncuk schaukeln das Schiff der Redaktion in Zukunft gemeinsam
und Seite an Seite, durch gute und schlechte Zeiten. Immer dabei, natürlich wie gehabt die Redakteurin.

Wir sind eine moderne, offene, vorwärts gewandte Redaktion und schämen uns in keinster Weise der (eventuell auf uns zu kommenden) Schwulitäten.

Erheben Sie Ihr Glas und stoßen Sie mit uns auf den eifrigsten Praktikanten an, den eine Redaktion haben kann:

Zum Wohl!
"Petit Pati" und "Bon Boncuk" @Paganini´s



 
 
Paganini, der Kater, aus dem Nirwana:
 
Der Niedergang der Redaktion ist längst beschlossene Sache.
Endlich hat das Elend zwei Namen erhalten.
Hugh, ich habe miaut!
 


Donnerstag, 1. November 2018

Vom Makro im Mikrokosmos:

"In den Gängen" von Clemens Meyer und Thomas Stuber


In den Gängen: Sie sehen von oben aus, wie die Gänge eines klar konzipierten Labyrinths. Nur Eingeweihte kennen sich hier aus. Von oben ist die Ordnung sichtbar. Jeder Gang führt zu einem anderen Gang. So entstehen die Gänge.

Gänge sind das, weil nur Gänge durch meterhohe Mauern zu Gängen werden.
Wege kann man kreuz und quer betreten, doch in einem Gang herrscht der Zwang einer Richtung und der Zwang einer Begrenzung. Ohne Grenze kein Gang und ohne Mauer keine Grenze. Und ohne Mauer und ohne Grenze keine Ordnung.

Nur das Querfeldein, das manch einer Freiheit nennt. Das den Wegen entspricht. Die frei zu gehen wählbar sind. Nicht so der Gang. Aus den Gängen, eingepfercht (strukturiert) zwischen hohen Mauern, werden mehrere Gänge, die wiederum durch beschriftete Schilder ihren Wert bekommen. Ein Labyrinth wie ein Monopoly-Spiel:
Hier ist die „Tiefkühlware“. Da ist der „Drogerieartikel“. Da sind die „Getränke“. Und dort sind die „Süßwaren“.
Von oben ist die Ordnung klar einsehbar.

In den Gängen geht alles seinen gewohnten Gang. Wenn man zu den Eingeweihten der Gänge gehört. Wenn man seine Befugnis kennt. Wenn man seinen blauen Kittel trägt und wenn der blaue Kittel markiert ist. Wenn da ein Name steht und wenn neben dem Namen die Funktion des Namensträgers steht. Dann hat Alles seinen Platz. Dann kehrt Ruhe ein.
Nun kann die Kamera den Vogelblick beenden, von oben herunterzurren und in den Gängen einen vorgezeichneten Weg nehmen. Dann darf sie zuschauen, dem exotischen Schauspiel beiwohnen, das darin besteht, dass die Gabelstapler Walzer tanzen:

1,2,3 und 1,2,3, uuund noch ein-mal 1, 2, 3! Der Tanz, der die vorgegebene Ordnung zur Freude erhebt, hier kommt Spielfreude auf, mitsamt dem Risiko, sich gegenseitig unter misslichen Umständen auf die Füße zu treten. 1,2,3,4 hoppala, 1,2,3, und 1,2,3, und hoppala und 1,2,3,4,5, pardauz.

Den Gabelstaplerführerschein muss der Tänzer, der ein Eingeweihter der Gänge ist, ebenfalls an seinem Revers - wie einen Orden - befestigt haben.

Chaos ist nicht Freiheit. Chaos führt zur bodenlosen Verunsicherung. Aus Chaos wird keine neue Ordnung. Aus Chaos wird Haltlosigkeit. Und Haltlosigkeit ist ein Synonym für „Keine Heimat haben“.

Das Zuhause, das sind die Gänge!
Zumindest für Christian, Marion und Bruno. Und ungefähr so, wie beschrieben, schildert das Clemens Meyer und so zeigt das Thomas Stuber. Und so kann der Lesende und der Zuschauende auf einmal an sich selbst erfahren, was es bedeutet, in den Gängen seine Heimat zu haben.
Und sonst nirgendwo!

Film und Buch führen gleichermaßen mitten hinein: In die Gänge. Und wie sie das tun, ist atemberaubend, neuartig, kompromisslos und dennoch unspektakulär. Und so können im Film dann die Schauspieler zeigen, wie sie das Schweigen mit Seele füllen und die neonbeleuchteten, kalten Gänge mit Sehnsucht.

Das Seufzen des Gabelstaplers. Wie die Welle, aus dem das Mehr aus Meer besteht.
Ganz am Ende ist das zu hören. Da weiß man um das gnadenlose Schicksal der Protagonisten, kennt das Unentrinnbare in ihrem Tun.

Da erinnert sich der Leser/der Zuschauer an das Schnappen der zum Tode verurteilten Karpfen im Becken des Ganges "Frischer Fisch".

Und hofft.





WIKIPEDIA: IN DEN GÄNGEN---->

P.S. In diesem Post steht eindeutig das DREHBUCH von Meyer/Stuber im Vordergrund. Die Kurzgeschichte, die Allem voran geht, steht letztlich an letzter Stelle der Begeisterung. Aber immerhin, sie ist der Anstoß gewesen. Zu dem Weiteren. Diesem filmischen Wunder.

Mittwoch, 26. September 2018

Der wunderbare Buchanfang, XXIII. Teil


"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"

(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Heute ein Buch, wie es poetischer, literarischer und zeitloser nicht sein kann:
Thomas Mann, Joseph und seine Brüder


"Im Lebensabriß werden von Thomas Mann Gründe genannt, weshalb er sich insgesamt sechzehn Jahre - von 1928 bis 1943 - mit der Joseph-legende der Genesis beschäftigte. Ursprünglich geplant als kurze Erzählung, ließ der Autor sich derart intensiv auf die Vorlage ein, dass ein "humoristischer Menschheitsroman" entstanden ist. Bestehend aus vier Büchern, zusammengefaßt unter dem Titel Joseph und seine Brüder, wurden der Vorlage Thesen beigegeben, die zu deren Verlebendigung, Verwirklichung und Humanisierung führen. Hinzu kommen ein phantasiebewegtes Einfühlen und Hineindenken in das mythische Bewußtsein der altbiblischen und antiken Menschen. Es geht fort vom Bürgerlich-Individuellen, hin zum Mythisch-Typischen". ("Ich bin´s - Die Formel des Mythus", BA-Arbeit 2001, A. van den Bergh) 

Dies Buch ist ein einziges, großes Fest!


Samstag, 15. September 2018

Die wunderbare "Parallelwelt"...

...des Kay Voges


Nicht gesehen im Berliner Ensemble von der Chefredakteurin....

 
 
In jedem Leben zeigt sich zumindest 1 Mal ein Mysterium. Und gerade mit diesem Blick darauf, hebt sich kurz der Schleier. Oder hebt sich zuerst ein Schleier und dann erscheint uns das Mysterium?
 
Ich erinnere mich, dass ich als Kind, in einer wachen Nacht, in der ich mich fremd und einsam und unverstanden fühlte, plötzlich den Umriss einer Frau zu sehen glaubte, die sich liebend über mich beugte. Irgendwann, wusste ich in diesem Augenblick, bin ich ganz. Ganz bei mir, ganz frei, ganz warm. Und Jahrzehnte später, es ist noch gar nicht so lange her, da war so ein Tag, an dem mir Alles richtig schien. Alles leicht und gut, weil genau so, wie es sein soll. Und ich erinnerte mich an diese längst vergessene Nacht meiner Kindheit und glaubte zu wissen, dass ich das damals selbst gewesen wäre, diese Frau, diese Erwachsene, die sich über das Kind gebeugt hatte. Besuch aus einer anderen Dimension als der von uns Gedachten, Besuch aus der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Besuch von mir bei mir.
 
Und nun bin ich ungewollt nicht zu Besuch in der Theater gewordenen Parallelwelt von Kay Voges und Aexander Kerlin gewesen, da schlicht zu spät. Die schnöden Gesetze der Materie halten mich diesmal fest. Das Taxi oder besser die Taxen, scheiterten am Thema Pünktlichkeit und sie scheiterten am Thema Verkehr in Zeiten des Berlin-Marathon und ich war, genau genommen, nicht dabei.
 
Dennoch behaupte ich, in einer Parallelwelt natürlich existent gewesen zu sein, und in der Nicht-Anwesenheit auf das Event bezogen gelebt zu haben, wie es sich vielleicht nicht einmal die Macher der "Parallelwelt" umständlicher gedacht haben können. 
 
Nicht anwesend und doch dabei, das kann sehr wütend machen.
So wütend, wie das Leben selbst und das macht ja bekanntlich nicht immer Spaß!
 
 
  
@Birgit Hupfeld
 

Ich habe mich wütend gefühlt, weil ich geboren wurde, und ich habe mich wütend gefühlt, dass ich nicht richtig krabbeln konnte (mit 2 Monaten) und ich bin wütend, noch immer, weil ich nie geheiratet habe und keine Kinder bekommen wollte und dennoch selbst irgendwann nur noch krabbeln werde und obendrein auch sterbe.

All diese Stationen eines durchschnittlichen Menschenlebens sind in mir lebendig, als ich den Taxifahrer bitte, mich wieder nach Hause zurück zu fahren, obwohl das Berliner Ensemble in schwarz-gelb mit "Die Parallelwelt" nahezu hämisch zu mir winkt. Die Zeit des Einlass in die Vorstellung allerdings ist verronnen und meine physische Abwesenheit vom Schicksal beschlossen.

"Doch was ist wirklich? Alles was sich messen lässt? Welche anderen Wirklichkeitsräume gibt es und welchen Einfluss haben sie auf unser Leben? Was ist mit Traum und Fantasie? Welche Rolle spielen Gedanken und Vorstellungen? Erschaffen wir die Welt in unserer Vorstellung oder können wir uns nur vorstellen, was der Fall ist? Was aber ist der Fall? "(BE zum Stück)

Ich werde es nun nicht erfahren. Mir schwirrt der Kopf, von all den vorbereitend gelesenen, nahezu existentiell erscheinenden Überlegungen. Nichts wie zurück. Zurück ins überschaubare Rixdorf.

Diese dummen "Parallelwelten" konnte ich nicht sehen (obwohl ich eine PREMIEREN-KARTE ergattert hatte) und nun feiern alle diese Premiere und ich weiß, da ist mir wirklich was entgangen oder vielleicht hätte mir das alles nur weh getan oder mich nur begeistert oder mich fertig gemacht.

Aber ich kann das nicht mehr frei entscheiden und nicht beurteilen.
Denn ich war Hier, aber nicht DORT!
Und das ist Shit.

Und wahrlich nicht beneidenswert!
 
 

Ich war zur Premiere/Uraufführung leider nicht ----->HIER

"Vom Tod bis zur Geburt":
https://www.kulturwest.de/schwerpunkt/detailseite/artikel/kay-voges-theater-und-digitalisierung/
 

Sonntag, 26. August 2018

Aus der wunderbaren Kladde...

…der Paganini´s-Redaktion!



Hörst Du, in den Ästen, das Knarzen der Geister?
Beinhart und blau, in ihrem Schmatzen kieferlos,
kein Zahn kann mahlen, hörst Du?
Kein Zahn in diesem Reißen und in diesem Rascheln,
keine Lippen fürwahr, nur das Purpur der Fäulnis,
im verdorrten Holz.
Siehst Du ihr Gleiten, ihr unruhiges Flattern, blau sind sie,
blau gesoffen vom Saft der Jahrhunderte, der in den Adern fließt,
in den Furchen, unter der Rinde. Hörst Du, wie sie gierig sind,
wie sie schlürfen, hörst Du ihr Saugen, am ewigen Tropfen.
Eng stehen die Bäume. Sie wollen sich stützen. Sie wollen
verjagen, das nächtliche Treiben. Und können nichts richten:
Nur stehen und warten und –
Irgendwann fallen!
(Menschenlichter im Tollhaus, Notiz zur "Weltesche")

Boncuk, der Kater, in der Redaktionskonferenz:

Was würde wohl Paganini, der Kater, dazu sagen. Hätte der das durchgewinkt?
Ach, meine Täubchen, ihr habt ja recht, das ist nicht die Frage, denn dazu gibt´s nur das große Schweigen.
Und wenn uns nichts Besseres einfällt, dann verlängern wir eben unser Päuschen!

Und Boncuk, der Kater, rollt sich umständlich ineinander und fällt sogleich in einen tiefen, schönen Schlaf...

Montag, 16. Juli 2018

Big Somma-Bause der Paganini´s

 
Die Big Mudigkeit brrreidet ihre Schwingen über
den Kopfen der Paganini´s-Reduktion aus!
Bause und Pause sind nödig.
 
 
 
 
Somma-Bäuschen bis Ende August!
Winkawinka!

Sonntag, 8. Juli 2018

Alljährlich lockt der Bachmann-Preis...

…und 14 Tapfere kommen!





 So natürlich auch „Heuer“, wie man zu sagen pflegt und wir waren dabei. Denn wir haben TV geglotzt, als Stream via Internet. Boncuk, der Kater, ist im Vorfeld getrieben von der Devise: 
“Ich bewerbe mich nur dann, wenn ich sicher sein kann, dass ich den Preis bekomme!“ 
Und da die Redaktionsmitglieder, also ME, bedenklich mit dem Kopf mal nach rechts und dann wieder nach links wippten, entschied er weise, dass er seine besten Texte zunächst noch schreiben wolle, bevor er sie vor Publikum und Kritiker-Instanzen einem „allzu erwartbaren Misston“ überlasse.
Zufrieden also begannen für uns die Tage der deutschen Literatur mit einem Glas Schampus in Hand und Pfote und einem Staunen darüber, wie vorhersehbar zumindest so eine Bachmannpreis-Eröffnung zelebriert wird:

 Weiß und heiß ist der Raum des „Theaters“ (der Manege), die stilvolle Askese wird durch zwei Säulen mit der Aufschrift „LITERATUR“ sinnig ästhetisiert. Cool Jazz als auflockerndes Element der notwendigen Rituale, wie sie in der Vorstellung und im Einzug der Jury-Mitglieder bestehen und später im Lose ziehen der, bis auf Eine, eher lässig gekleidet zu nennenden Dichterschar. Die große Dame, die hier durch modischen Schnickschnack aus der Rolle fiel, sorgte auch bei der Lesung Ihres (von Walser und Houellebecq) inspirierten Textes für Aufsehen.


Die Jury wählt alljährlich klug aber diskret durchdachte Mode-Kombinationen aus "leger" und "amtlich" für die Außenwirkung. Allein Gomringer, als Künstler-Kritikerin, darf durch T-Shirt-Aufdrucke a la „Hallo Mama“ ihrer Exotik Ausdruck verleihen. Heißer noch als die Scheinwerfer der Fernseh-Teams, glüht diesmal das Herzblut des Festredners Zaimoglu, verewigt in den (mit selbigem) nieder geschriebenen Worten zur Literatur: „Wir schreiben, wir lesen, wir kämpfen. Wir stehen bei den Verlassenen!“ 
Ob diese Predigt in Leidenschaft den 14 tapferen Gladiatoren eine ruhigere Nacht vor dem Lese-Marathon schenken konnte, bleibt ein Geheimnis.
Und dennoch treten sie tatsächlich alle an, Keine und Keiner scheut, vor dem selbst gewählten Parcours. Wir wollen egoistisch bleiben. Wir wollen genießen und Freude Freude sein lassen, auch wenn sie einmal der Schadenfreude nahe kommen sollte. Ein langes Gesicht, das Grund hat, ein langes Gesicht zu sein, angesichts vielleicht eines tadelnden oder gar verständnislosen Kritiker-Statements, kann auch manchmal Freude bereiten. Muss aber nicht. Jedenfalls nicht zwingend.

Dass ein öffentlich „zur Schau“ gestelltes Wett-Lesen mit anschließendem „Tribunal“ als unmenschlich zu erachten sein mag, da  es sensible Seelen quälen könnte, wird von uns als Gedanke schnöde hinweg gewischt.
Der Mensch ist sowieso ein Guter nicht. Erstens! Und hier winken Preise und Publicity. Zweitens! Und Drittens ist das „Vorlesen“ eine uralte Tradition der Menschheit. Und Viertens: Wann gibt es das  im Fernsehen, so penetrant durchgezogen, 3 Tage TEXT, den es auf sich wirken zu lassen gilt. Und obendrein ein Text-Diskurs, der erlaubt, den Literaturkritikern bei der Arbeit zuzusehen. Und vielleicht kann man auch etwas lernen. Beispielsweise, weil in diesen 3 Tagen ein kleiner, aber vielleicht auch repräsentativer Überblick über gegenwärtiges Schreiben geboten wird. 

Vermittelt durch die Schreibenden in ihrer jeweiligen Lesung. Und weil zu hören ist, dass die Literaturkritik das Präzise und das Radikale will. Und diese Begriffe dann trotzdem sehr unterschiedlich ausgelegt werden, obwohl das doch so klare Begriffe zu sein schienen.
Für uns. Bis zu diesen Tagen in Klagenfurt.


Am letzten Tag der tddl haben auch wir unsere klaren Favoriten heraus gehört und nun wird noch als Zugabe die freudvolle Regung des „Mitfieberns“ möglich. Bov Bjerg und Joshua Groß. Die wollen der Kater und die Redaktion ganz oben auf dem Siegertreppchen sehen. Wir halten den Sieg für aussichtsreich, doch die Jury schlägt noch in den letzten Abstimmungs-Minuten Haken über Haken. 

Groß fliegt aus allen Pokalen raus und Anna Stern bekommt „überraschend“ den 3Sat-Preis. Wiesooo?
Joshua Groß wurde doch in den anderen Wahlgängen viel häufiger genannt und die Jury war doch so gar nicht zimperlich in ihrer Diskussion und sorgte bei Stern für besagtes langes Gesicht. 
Da schlägt´s aber 13, da verstehe Einer die Logik. 
Um Namen zu kurz und um Namen zu lang zuvor auch die Short-List. So will es uns scheinen.

Wallung des Zuschauer-Bluts bis zur letzten Minute. So soll das doch sein. Im gelungenen Fernsehen.
Wir sind also reich beschenkt worden, von diesem (stets im Vorfeld aufs Neue als fragwürdig eingestuften) kulturellen und öffentlichen Event und sagen „Danke“!

Aber nun ist es auch erst einmal wieder gut.




Freitag, 8. Juni 2018

Der wunderbare Buchanfang: XXII. Teil


"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"

(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet
sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Heute ein Buch, wie gemacht für den Sommer, in dessen gleißendem Licht man den Druck der unruhigen Nächte im Nacken spürt:



Javier Marias, "Während die Frauen schlafen"



Für Daniella Pittarello-
mit ihren vielen praktischen Kenntnissen



Drei Wochen lang sah ich sie jeden Tag, und jetzt weiß ich nicht, was aus ihnen geworden ist. Wahrscheinlich werde ich sie nicht mehr wiedersehen, zumindest sie nicht, denke ich, ganz selbstverständlich nimmt man an, daß Unterhaltungen und sogar vertrauliche Mitteilungen während der Sommerzeit keinerlei Bedeutung haben müssen. Niemand hat etwas gegen diese Annahme, nicht einmal ich selbst, jetzt, da ich an sie denke, oder sie gar ein wenig vermisse.
Vage vermisse, wie alles, was verschwindet.



Foto@Paganinis





Nun also der zweite Sommer der Paganini´s-Redaktion mit diesem Büchlein vor der Nase, in der Hand, in der Tasche und auf der Wiese. Über uns der blauste Himmel, den diese Stadt manchmal zu bieten hat, im vergangenen Jahr wäre uns (bei Dauerregen und ohne Arche Noah in Sichtweite) niemals der Sinn nach Marias gestanden. 

Dies Flirren aus Licht braucht diese Lektüre, denn nur in der gleißenden Sonne bildet sich ein Sinn heraus, der Halluzinationen hervorruft, diese illusionären Verkennungen, die mal irrwitzig beglücken und dann wieder das hämische Gelächter einer nicht zu fassenden Macht ertönen machen. 

"Neun geisterhafte Geschichten mit schlafenden Frauen" sorgen für ein "rätselhaft skurriles Lesevergnügen" (Klappentext dtv), das den Meister der brillanten Sätze mit XXL-Überlänge, erneut zu einem unserer erklärten Favoriten der gegenwärtigen Weltliteratur macht. 







Sonntag, 22. April 2018

Die wunderbare "Endstation...

...(namens) Sehnsucht"!


Michael Thalheimer und das Stück von Tennessee Williams im Berliner Ensemble
(Die Chefredakteurin berichtet von der Premiere)


@Matthias Horn
Erwartungen hasst er, der Michael Thalheimer. Er hasst sie ungefähr so sehr wie Requisiten, von denen es dann folgerichtig in seinen Inszenierungen fast keine oder sehr viele gibt. Und weil ich vor der Vorstellung, der Premiere von "Endstation Sehnsucht", diesem Psycho-Spiel von Tennessee Williams, natürlich dann doch noch einmal den Film-Klassiker mit dem Raubtier Brando und der verletzbaren, leicht angestaubten Elfe Vivian Leigh gesehen habe, fällt es mir nun, auf dem Weg zum Berliner Ensemble, ziemlich schwer, mir vorzustellen, wie ich durch willentlichen "Wegwurf" meiner nicht steuerbaren Erwartungen, dem eigenwilligen Wunsch des Regisseurs entgegen kommen könnte, in Richtung "weit weg vom Film" zu denken, so wie er sich das, in Vorgesprächen seiner Umsetzung des Stoffs, gewünscht hat.

Ein Stoff übrigens, der wieder einmal vom Intendanten des Hauses vorgeschlagen worden ist.
Drama, Baby, Drama. Aber zeitgenössisch. Oder so.

Thalheimer und dieser, geradezu psychoanalytische, an Freud geschulte Text, Thalheimer und Kazans Filmvorlage, Thalheimer und massenweise auf ihn einstürmende Erwartungshaltungen, wie zum Beispiel auch diese, dass, wenn er schon weit weg vom Film-Klassiker inszenieren will, er dann doch sich selbst (also den Regisseur M. T.) zitieren müsse, indem, am Ende und am Anfang und zwischendurch, Ströme aus Blut die Bretter der Bühne in Scharlach färben. Denn Blut, diesen besonderen Saft, den mag er, der Thalheimer.
Und Trommeln!

Erwartungen, Erwartungen, wie soll ich Euch entkommen!

In die schaukelnden Sitze der S-Bahn geschmiegt, versinke ich in fast delirierenden Vor-Stellungen, getriggert durch das, was man als Thalheimer-Vorurteil in den tiefsten Tiefen seines Theatergänger-Unterbewusstseins abgespeichert hat:
Ein grandioses Nichts aus Grau, das wird die Bühne sein und hie und da die Farbe ROT.

Im Mittelpunkt, sehr konzentriert (hinter Gittern vielleicht) zwei Box-Kämpfende oder zwei Ringende, die sich umschleichen, umtänzeln und auf den K.O.-Schlag warten. Kowalski und Blanche!
Jeder für sich und jeder für den Anderen.
Zwei wie Archetypen, zwei von unterschiedlicher Coleur, das "Animalische" versus "Dekadenz" beispielsweise oder das "Dionysische" (bereits lädiert) gegen das "Apollinische" (sehr lädiert).
Endstation Sehnsucht entpsychologisiert und entschlackt. Herunter gebrochen auf Archaik.
Hach!

@Matthias Horn
Gelb-Schwarz grüßen die wehenden Fahnen. Good bye, my personal  "streetcar named desire". Ich bin da.
Und auf geht´s, zur Realitätskontrolle, nun in den roten Samt des Sesselchens meiner Tribüne gefläzt. Erwachend aus meinen Träumen, hinein in Jene, aus Thalheimers Vision:

Olaf Altmann, dessen "schlichte und ergreifenden" Bühnenbilder dem System Thalheimer einen originären Stempel aufgedrückt haben, findet für "Endstation Sehnsucht" eine, in die bronzene Metallwand eingelassene "schiefe Bahn", einen beklemmenden Raum der Enge, der von Ferne auch an den Querschnitt eines sinkenden Schiffs erinnert, dessen Rumpf noch einmal in den Himmel ragt, bevor vollständig im Dunkel versinkend.
Dieses Bühnenbild ist bestimmend für die Atmosphäre und Spielweise der Inszenierung. Es raubt mir sofort den Atem, erhöht die Spannung und verdichtet die Handlung im wahren Sinne des Wortes. Nein, Naturalismus ist das natürlich nicht, denn den mag der Regisseur auf der Bühne nicht leiden, dafür aber sinnige Chiffre aus den Labyrinthen der Psychologie, also doch wieder irgendwie verwandt mit Formen der Antike, diesem Ur-Pool des kollektiven Unbewussten.

Sprache und Personenführung erscheinen mir (im Vergleich zu Kazan) entmelodramatisiert, dafür roher, rauer, klarer. Jawohl, der Film ist Film, ab hier hat er in meinem Kopf nichts mehr verloren und die großartigen Theater-Schauspielenden, allen voran Cordelia Wege als Blanche - mit zappelndem Fingerspiel und dennoch auch mit Willenskraft - und Andreas Döhler als Stanley - in seiner Verletzbarkeit noch gefährlicher lauernd der Gewaltausbruch - überrennen mein Gedächtnis und knipsen sie aus, die zuvor neu gespeicherten Film-Bilder, die zum Vergleich herhalten sollten. 
Runtergerissen ist das Stück durch Thalheimer auf die Gewalt des nackten Überleben-Wollens widerstreitender Kräfte, am Ende unterliegt die vollständig zerstörte Blanche, dieser Fremdkörper in Stanleys Welt, von diesem niedergerissen und sadistisch zerspielt. Die Realität des Animalischen (Das Recht des Stärkeren) verbittet sich Schönheit, erst recht jene, die der virtuellen Welt der Fantasie entspringt. Lebenslügen indes blühen, hier wie da, was das Zeugs hält und werden notfalls mit der Faust zum scheinbaren Recht geschlagen.
Ein intensiver Abend!
Nichts für zarte Gemüter. Aber etwas für die (momentan ziemlich aufgewühlte) Berliner Theaterwelt!
Nämlich Theater, für das man hier ist, gerne, trotz Allem, in diesem Moloch Berlin!
Der deutsche Titel "Endstation" ist von statischer Endgültigkeit, sanfter mutet da das englische Original an, Bewegung durch die "Motivation des Verlangens" implizierend.
Mit dem Taxi nach Hause! Endstation!
Keine Sehnsucht mehr. Ich bin satt. Für den Moment!




 
Ich war zur Premiere----> HIER

Und ein schönes Gespräch mit Michael Thalheimer:
"Kunst entsteht aus Schmerz"!
http://www.deutschlandfunkkultur.de/regisseur-michael-thalheimer-theater-das-wehtut.970.de.html?dram:article_id=415176
und hier: "Was heutzutage fehlt, ist Moral"!
https://www.morgenpost.de/incoming/article214058527/Was-heutzutage-fehlt-ist-Moral.html


Boncuk, der Kater, mit grünglasigem Blick in der Redaktionskonferenz:

Einmal den Stanley Kowalski geben, ein einziges Mal.
Ach, meine Täubchen!
Ihr würdet den Brando sowas von aus dem Gedächtnis schmeißen, sowas von rausbrennen würdet ihr den, der hat doch abgekupfert, nur eine lausige Kopie gegeben, mit seinem Schleichen und seinem Fauchen. Er wollte sein, ICH aber BIN!
Gääähhh! Grrr!

Donnerstag, 12. April 2018

Aus der wunderbaren Kladde...

...der Paganini´s!




Boncuk, der Kater by Paganini´s



Und wenn 

Und wenn auch die Nussschale untergeht.
Ich bleibe an Bord, bin mein eigener Kapitän.


Und wenn sie Zimt und Zucker ins Auge streuen.
Ich sehe klar und lass mich nicht beirren. 


Und wenn die Sonne im Westen auf und im Osten unter geht.
Mein Kompass steht bereit und weiß Bescheid. 

Und kennt den Weg, den es nicht gibt,
den abgesoffen und blind, ich dennoch geh.

 
Und wenn?
Dann auch!
(aus unserer Kladde, hier Boncuc´s erste, verschämte Kritzelei, April 2018)



Sonntag, 8. April 2018

Die wunderbare Antritts-Rede...

...des neuen Herausgebers der "Paganini´s", Boncuk, dem Kater!




Boncuk, der Kater. Schnappschuss in der Redaktions-Pause



Sehr geehrte Damen und Herren,


Als ich in dieses Amt berufen wurde, lag mir nichts ferner als dieses Amt.

Ich, der Neuling der Redaktion, auf einmal in den Fußstapfen des größten Literatur-Katers der Nachkriegszeit.

Nein, das hatte ich nicht auf dem Schirm und nicht "in Mind"!

Nein, und nochmal Nein. Ich, Boncuk, der junge Kater,  bin zu Paganini, dem (in jeder Hinsicht) Großen, gegangen und habe an seine Tür geklopft, weil ich lernen wollte, lernen und lernen.

Von Paganini, dieser grauesten aller grauen Eminenzen zu lernen, galt als das Größte in unseren Reihen:
In den Reihen der schwarzen, berliner Katzen mit Migrationshintergrund!

ER, Paganini,  gab mir eine Chance. Er hielt mich für würdig.
Und nun, wo er uns Alle für immer allein gelassen hat, nun, wo sein Herz nicht mehr für uns schlagen darf, da wird mir erst schmerzlich bewusst, was er uns war, was er uns gab, was er uns ALLEN noch lange bedeuten soll:

Paganini, der Kater, ist ein Vorreiter gewesen, ein Wegbereiter in Sachen Integration, in Sachen Erneuerung und in Sachen Egalität!

Die Chefredaktion der Paganini´s in weibliche Hand zu übergeben, war ein letzter, intensiver Willensakt dieses Geistes.
Er hat daran knabbern müssen. Doch daran ist er nicht gestorben.

"Das ist mein Vermächtnis", hat er zuletzt gesagt, "diesen allgemeinen Niedergang bestmöglich zu organisieren!"

Die Erneuerung weiter einzuleiten, indem er mich, den Deutsch-Türken einer jungen Generation, zu seinem Nachfolger bestellt hat, ist eine große, frische, nonchalante Tat.

Lassen Sie uns, werte Damen und Herren,  in aller Offenheit miteinander sprechen.
Paganini, der Kater, war immer ein Freund offener Worte.
In dieser Tradition will ich die Redaktion in ein noch offeneres Offen hinein führen.

Ich bin der Ansicht: Alles ist gut. Paganini, der Kater, ist tot, das ist der Lauf des Lebens.
Ich bin nun da. Und ich nehme es an. Dies schillernde Los, der Nachfolger von Paganini, dem Kater, zu sein!

Und sind wir auch nicht mehr die Alten, so sind wir, die Paganini´s, doch Seite an Seite solidarisch und guten Mutes!

Ein besonderer Dank gilt mir der hilfreichen Unterstützung durch die Chef-Redakteurin, die selbstverständlich weiterhin (auf Augenhöhe mit mir) die Geschicke der Redaktion leiten wird.

Auf gute Zeiten

Ihr

Boncuk, der Kater!



Dienstag, 3. April 2018

Es lebe die Erneuerung...

Paganini, der Kater, nimmt Abschied und ernennt Boncuk, den Kater, zu seinem würdigen Nachfolger!


 
Boncuk, der Kater


In einer einzigartigen Stichwahl siegt der bilingual aufgewachsene, gebürtige Türke, mit  deutschem
Pass, in der herbei gerufenen Redaktionskonferenz, über den, mittlerweile überalterten bzw. verstorbenen "Paganini", den Kater.

"Ist er tot oder lebt er ewig" titelten manche Feuillletons bezüglich "Paganini", dem bisherigen Chef der Paganinis- Redaktion.

Teilte der Ex-Chefredakteur noch vor Kurzem mit: "Ein Teil von mir ist tot, ein Anderer im Ruhestand", stellte er in den vergangenen Wochen weiter unmissverständlich klar:

"Da ist bald ein Anderer, zutiefst Involvierter, von mir nicht nur Akzeptierter, und der heißt "Boncuk", und ist ein Türke und schon lange in Berlin und atemberaubend schön!
Und ich weiß, Er ist der Beste. Nach Mir!"

Paganini, der hoch verehrte Kater und ehemalige Chefredakteur der Paganini´s, ist mittlerweile verstorben und würdevoll beerdigt. Wie von Kater Paganini gewünscht, weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Der Rest ist Schweigen!

"Boncuk", der Kater, nimmt nun sein Amt an und hält "einfach mal eine Weile inne" und
will sich "erst später zu den Vorfällen in der Redaktion und deren medialen Konzeption" äußern...

Wir bitten um Verständnis!

Eines allerdings ist jetzt schon klar: Unser Berliner Kultur-Blog wird ganz im Geiste des wunderbaren Namensgebers "Paganini", dem Kater,  weiter geführt werden!


 
 
P.S. Boncuk spricht sich Bonschuk und heißt auf deutsch "Perle".
Wie  sagte doch einst Paganini, der Kater: "Nomen est Omen"!

Donnerstag, 22. März 2018

Ein Hoch auf den Buchstaben:


 
 
 
 

Tanz 


Tanzt ein Buchstabe auf weißem Papier, tanzt auf der Nase herum,
tanzt den Tanz des Gerechten und den Tanz der Gerächten
und den Tanz der zu Rächenden.
Winselt nie um Gnade und tanzt weiter

auf dem Tisch
 

Tanzt der Buchstabe in einem wild gewordenem Wort,
tanzt das Wort einfach tot und fordert:
Tanz aus Melancholie und durch Mord.
Im Irgendwo durch Irgendwen.

Aber bitte mit Text
 

Tanzen die Worte im Buch, tanzen das Auge entzwei,
tanzen den Tanz aus Sätzen und den Tanz von Texten
und den Tanz eines Buchstabens, der nicht sitzt
oder fehlt oder überflüssig geworden

zu Grunde geht!







 

Donnerstag, 22. Februar 2018

Der wunderbare Helmut Berger hinter Gittern...

...und ab in die Freiheit, mit "Liberte" von Albert Serra...?





Helmut Berger Foto: Rene Fietzek


Was für ein schöner Blog-Post hätte das werden können. Helmut Berger in unserer Stadt! 
Die Paganini´s mittenmang. Mittendrin im Premieren-Gewusel von „Liberte“!
Und Helmut Berger zuvor bei „Wasser und Kaffee“.
Und nicht mit „Käsekuchen“ zum Interview überredet.
Und deshalb eigentlich kaum Eines bis ganz wenige Interviews gebend.
Aber Helmut Berger eben.


Und Käsekuchen und Interviews, unter uns, natürlich eh für die Katz.
Wie jedes Interview mit diesem Mann. Der sich nicht „mausen“ lässt.
Und manches Mal (fast) „verkaufen“ musste.
Wie schön haben wir uns das gedacht, Helmut Berger endlich, endlich wieder in einem passenden Rahmen (-einem Leben-einem Boden-einer Landschaft-) zu betrachten, wie sie ihm irgendwann (nicht nur) durch Visconti Heimat wurde.
Ein Ausnahme-Mann, fast zu schön, um als „Ausnahme-Schauspieler“ Würdigung zu finden.
Ein Dorian Gray, ohne Frage, kein Oscar Wilde.
Aber Einer, der bei aller Ent-Würdigung durch Andere, nach dem „Untergang“ seines Umfelds, die Würde hielt, indem er die Mätzchen bediente, mit Alkohol auch, ja, ohne das Ganze ernst zu nehmen!
Einer, der sich nicht beschwerte, obwohl das Drama nicht (nur) im Innen lag, sondern in der unfassbaren Seichtigkeit (und Schadenfreude vielleicht) der nachwachsenden Umwelt.
.
Mit Visconti wollte auch Er gehen, mit dieser Welt des „Stil-as-Stil-can“, der Dekadenz eines vergangenen Europas, das Visconti in berauschenden Bildern verewigte und seiner „Tod in Venedig“- Morbidität, nach der ein Anderer (allein gelassen) verloren sein muss.
Helmut Berger als gestürzter Prinz, in einer Medien-Welt der demokratischen Quoten-Herrlichkeit!
In dieses „Danach“ passte er nicht.

Das künstlerisch ebenbürtige  "neue deutsche Kino" des Rainer Werner Fassbinders war zu „roh“, zu sehr an einer Ästhetik des „Hässlichen“ interessiert, um neue Zuflucht werden zu können.
Und dann irgendwann „ab ins Dschungel-Camp“. Helmut Berger ohne Welt!
Keine Lebensgrundlage weit und breit. Kein Requiem, keine Fortsetzung, keine Erneuerung!

Nichts, außer: Kohle durch irgendeine mögliche Quote!
Das erzählt wenig über Helmut Berger. Aber viel über unser Heute.
Worauf wir, die Paganini´s, hinaus wollen? 
Unser schöner Blog-Post wurde versaut. Einfach so, im Vorbeigehen durch die gute, alte Februar-Grippe. 
Und uns ist das eigentlich ganz und völlig egal. 
Hauptsache nur, dass dieser Mann in „Liberte“ das zeigen darf, ohne Verrat, wofür er steht. 
Die Paganini´s werden bis jetzt nicht recht warm mit Dercon und nicht mit der neuen Volksbühne. Wir sehnen uns nach der -in nix- politisch-korrekten, verrauchten, straps-beladenen und trunkenen „Echtheit“ des Castorf-Theaters. 
Wenn Helmut Berger durch diesen Abend von Albert Serra - ganz wurst, ob als Name-Dropping missbraucht oder in aller Ehrfurcht geplant - eine neue, würdige „Aktions-Grundlage“ erhält, dann liegt vielleicht zumindest darin ein tiefer liegender Sinn für den schmerzhaften Intendanten-Wechsel des Hauses.

In diesem Sinn: Viel Glück für diese Produktion der Volksbühne Berlin!

 






 
Paganini, der Kater, in der (verschnupften) Redaktionskonferenz:

Theater ist manchmal der letzte "Partisan" und ein andermal der "National-Park", der dem letzten, bekannten Exemplar einer ausgestorbenen Spezies z.B. der Säbelzahn-Tiger, ein Obdach gibt!
 

Wegen diverser Projekte, Pause der Redaktion bis Ende April!
Good Luck und auf Wiedersehen!

 
P.S. Uns ereilten Hilfe-Rufe, was es mit der Käsekuchen-Metaphorik auf sich habe. Nichts!
Wir beziehen uns auf das einzige Interview von H. B. im Umfeld dieser Inszenierung in der ---> Zeit

P.P.S. Angesichts des (nie zuvor in Berliner Feuilletons gelesenen) Kritiker-Gewitters nach der Premiere von "Liberte", danken wir allen verfügbaren Göttern für diese eine, Premieren-verhindernde Grippe! Das nennt man wohl "Glück im Unglück"!

Wieder was gelernt, liebes Leben...