Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"
Flipcard zum Stöbern im Blog-->Hier

Wegen anderer Projekte kann das Blog zur Zeit leider nur unregelmäßig "bespielt" werden!

Mittwoch, 26. Januar 2022

Die wunderbare Berlinale winkt "Hallo" ...

... wir winken müde zurück, aber dennoch!



Aus dem Bettchen - rein in die Berlinale?


Das waren noch Zeiten, damals mit dem, ach, wie hieß der noch, dem Dieter Kosslick. Da stürzten wir uns  schon im Vorfeld auf jedes Interview, strichen im Kalender die Tage an, inhalierten das "Motto zum Jahrgang" und freuten uns, freuten uns, freuten uns - wie Kinder oder so ähnlich. 

Nein, wir geben dem neuen Berlinale-Team Chatrian-Rissenbeek wahrlich nicht die Schuld, dass wir diesmal Null Lust auf gerade mal NICHTS der Berlinale haben. Wir schieben das auf 2jährige Abstinenz (in gefühlten Ewigkeiten) von kulturell beflissenen Massen, auf die Müdigkeit im Großen (hach, diese pandemischen Zeiten!) und auf uns, unser Alter, die Situation im Besonderen und die im Allgemeinen. 

Dazu ein einschläferndes Grau am Himmel über Berlin, eine mittlerweile antrainierte Unlust auf BVG und keine rechte Ahnung mehr, wie sich ein Zauber in dunklen Kinosälen ausbreiten könnte, wenn wir gar nicht vorort sind.
Es fehlt, kurzum, die Sehnsucht nach diesem  ganzen, ach so wunderschön erinnertem Theater namens Berlinale. Da ist inzwischen was eingetrocknet und verkrustet, das ist einfach lange her! 

Also keine Lust auf Kino-Festival. Aber so tun. Als ob. Das müsste doch noch möglich sein.
Ganz großspurig groß tun, als sei da was in uns, das uns sogleich, im Monat um die Ecke, zum Anstehen um Tickets bringen könnte. 

"Häh? Anstehen um Tickets? Herrjeh, ick steh mit Mundschutz halb fremdbeatmet an der Schlange vor der Penny-Kasse, sonst noch was, Alte?" 
(O-Ton, Pati, das Katerchen, Hospitant der Paganini´s-Redaktion)

Und wie geht es nun weiter für die Paganinis in Sachen BERLINALE 2022?

Erst mal ganz achtsam und ganz bedenklich und bedacht gucken, was Die überhaupt zu bieten haben.
Die Berlinale-Leute. Und dann können wir immer noch entscheiden. Oder uns wird die Entscheidung abgenommen und es gibt keine Karten mehr. Oder, oder, oder. 
Da fällt einem  immer was Feines ein. Oder auch etwas ganz Anderes!

Aber mal unter uns: Zumindest die Filme von Krebitz und Dresen würden wir doch eventuell gerne sehen. Vielleicht auch Ozon, Taviani oder Seidl ...

Gönnen wir uns einfach noch ein little Maß an Entschleunigung und - notfalls (trotz allem) "keine rechte Lust"!

P.S. Anstehen für die Tickets übrigens nur online, also virtuell, möglich. Doch auch dies benötigt natürlich planerische Weitsicht, Geduld und Optimismus!



ALLES RUND UM DIE BERLINALE ---> HIER 

Sonntag, 23. Januar 2022

Der wunderbare Buchanfang: XXXV. Teil

 

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"
(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Diesmal ein Buch, das dicht und atmosphärisch, eine besondere Kindheit und deren Folgen beschreibt. 


Alex Schulman, "Die Überlebenden"

Ein Polizeiauto pflügt langsam durch das blaue Grün, die Traktorspur zum Hof  hinunter. Da steht das Sommerhaus, einsam auf einer Landzunge, in der nie ganz schwarzen Juninacht. Es ist ein einfaches Holzhaus mit seltsamen Proportionen, etwas höher, als es sein sollte. Die Farbe an den weißen Giebeln ist abgeblättert, das rote Holz an der Südseite sonnengebleicht. Die Dachpfannen sind zusammengewachsen, ein Dach wie die Haut eines Urtiers.


Bon Boncuk und Petite Pati präsentieren "Die Überlebenden"


"Polizeiauto" - "blaue Grün" - "einsam" - "nie ganz schwarze Juninacht" - "Haut eines Urtiers". Irritierende Bilder entstehen in den ersten fünf Zeilen des Buchs "Die Überlebenden". Bilder, die den Vorstellungen eines "Sommerhaus" entgegen gesetzt zu sein scheinen. Dennoch fehlt auch im gesamten 1. Kapitel des Romans von Alex Schulman ein konkreter Hinweis darauf, weshalb ein Polizist in diese nahezu idyllisch anmutende Landschaft mit See gerufen wurde. 
Alles bleibt Andeutung und in einem merkwürdigen Nebeneinander stehend, seltsam miteinander verwoben und ins Ungefähre verweisend: "Etwas ist mit dem Licht, den blauenden Bergen über dem See und dem Blaulicht des Polizeiautos".

Was das ist, das da geschah und was so eigentümlich, fast verführerisch und dennoch toxisch schillert, kann nur aus dem Reich der Kindheit hinüber reichen. Denn nur in diesem haben die Dinge jenen lebendigen Zauber, der Gut und Böse, Vertrautes und Schrecken als Untrennbares (miteinander Streitendes?) aufscheinen lässt. 

Alex Schulman ist ein dichtes, extrem atmosphärisches Buch gelungen, dessen formale Kreisbewegung 
den Gesetzen der Erinnerung und den Gesetzen von Ursache und Wirkung entspricht. "Das Gewicht all dessen, was in diesem Moment passiert (...), ist nur der letzte Ring auf dem Wasser, der äußerste, der am weitesten vom Einschlagspunkt entfernt ist". 

So schließt sich der Kreis des Erzählten, in dem es den Beginn gegen Ende wiederholt. Der "Einschlagspunkt" ist spürbar geworden. Am Horizont ein neues Licht. Was kommt nach dem "Überleben"?
Vielleicht - ein "Leben"!


Mehr zum Buch ---> HIER