Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"
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Mittwoch, 23. März 2022

Der wunderbare Buchanfang: XXXVII.Teil!

 

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"
(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Diesmal ein Buch, waghalsig und verblüffend, wie die Katze im Sprung. 

Brigitte Kronauer, "Die Tricks der Diva"


Im Gebirg`


Hornochse! Das böse, sehr böse Wort. Immerhin ist Schluß mit der Stolperei. Er hat die tückischen Baumwurzeln hinter sich. Zwischen den Felsbrocken, auf dem steilen, aber sonst ganz braven Weg darf er sich fühlen wie ein Tier, das für seine lauernden Muskeln endlich Auslauf bekommt, der kleine Lackaffe.


2 Diven unter sich: 
Bon Boncuk, der Kater, präsentiert B. Kronauer


Allein der Titel "Die Tricks der Diva" würde uns, der Paganini´s-Redaktion, genügen, um vor Begeisterung das Schnurren im Chor zu beginnen. Und dies kleine Buch, voll mit sehr kurzen Kurzgeschichten, hat wahrlich noch vieles zu bieten, das diese Titel-Entzückung ins Unendliche potenziert. Dazu nämlich ein zweites, kleines Buch, voll mit ebenso kurzen Kurzgeschichten, genannt "Die Kleider der Frauen". 

Darinnen, in diesen beiden Sammlungen kurzer, präziser, unvergesslicher und unglaublich glaubwürdiger Geschichten, finden sich weitere Überschriften, die zum Hinknien schön, schon als Titel wie Miniaturen zu lesen sind: Zum Beispiel "Stille mit finsterer Figur" oder "Wirre Witwen, wissende Witwer" sowie auch "Fräulein Welziehn im Reich der Fische".

Die konkrete, schillernde, Fantasien anregende und gleichsam sich klaren Vorstellungen entziehende Wirkung, findet sich ebenso in der literarischen Ausmalung der dazu gehörigen Short-Story wieder. Nichts scheint gesichert, der Leser oder die Leserin fühlen sich in der ständigen Gefahr, aufs Glatteis geführt zu werden, das eigentlich (bei genauer Betrachtung) überhaupt nicht (und nie) vorhanden war. Ätschbätsch! Freut sich die Kronauer in ihrem Schreiben. Ätschbätsch! Ich bin doch gar nicht so böse (wie IHR denkt!).

Schaurig-schön zeigt sich ein unterschwelliges, nicht zu erklärendes Grummeln in den gesammelten Geschichten der "Tricks der Diva", das wie ein heranziehendes Gewitter eine Spannung in der  Atmosphäre, im Ton der jeweiligen Erzählung entstehen lässt, aus dem sich weder Leser noch Protagonisten befreien können. Auch dieses deutet sich nur an und entlädt sich nicht wirklich. 
So sind sie, die feinen (abgefeimten) "Tricks". Artifiziell wie die Natur (das Leben). Nicht greifbar hinein ziehend in dieses Irgendwas und im Irgendwo ausspuckend, als sei nichts passiert.

Ein Blick in den Spiegel genügt dann manchmal. "Mir würde gefallen, wenn man die Sammlung als sehr lückenhafte Biographie in autobiographischer Form über eine gewisse unzuverlässige Rita lesen würde." "Die Kleider der Frauen" sind mehr als nur Beiwerk. Sie zeugen von Charakter.
Nicht nur von "Ritas" aufsaugenden und wieder ausspuckenden Blicken, sondern auch vom "Charakter" des Angedeuteten, des Erinnerten einer Begebenheit. Alles changiert wie ein seidener Stoff, die Finger gleiten darüber, benommenes Schwelgen setzt ein - schon ist es wieder vorüber - und fast ist nichts gewesen.

Brigitte Kronauer beherrscht die Tricks der Literatur par excellence und weiß um sich. Als Meisterin einer Sprache, die sich was traut und dennoch so lässig bleibt, wie der Kater beim Anblick einer - sich in Sicherheit wähnenden - Maus.

Unbedingte Lese-Empfehlung!


Mehr zum Buch --> HIER

Montag, 14. März 2022

Gibt es ein "nach der Pandemie" ...

 ... und warum nun Krieg?


Redaktionschef Bon Boncuk, der Kater, zur aktuellen Situation


Bon Boncuk, der Kater, in der PK zum Thema



Wären wir, was wir natürlich nicht sind, an die Schicksalsmächte glaubende Persönlichkeiten, die diesen dann zusätzlich einen korrigierenden Einfluss auf Gesellschaften plus deren Individuen zugestehen würden, dann möchten wir zunächst einmal das große Lamentieren anstimmen wollen:

"Ja, haben wir denn noch nicht genug gelitten. Ja, haben wir denn noch nicht genug gelernt"?
Und der Chor würde mit dem Finger auf uns zeigen und singen: "Seht da, Europas Stolz und Herrlichkeit. Oh weh und all dies Sterben"!

Wir haben nun seit über 2 Jahren anstelle der Nase eine steife, kratzende, atmungserschwerende Maske im Gesicht, wir haben uns in Solidarität mit den Schwachen und Schwächsten geübt, wir haben uns - wie das Vieh im Stall des Bauern - Unbedenklichkeitszertifikate nach Impfungen ausstellen lassen (fast wie das niedliche Kalb mit Knopf samt gelber Flagge im Ohr), haben gegen alle gezürnt, die unser neu erwachtes Gemeinschaftsgefühl nicht zu schätzen wussten, haben um der Sache willen zu Hause gejobbt, dazu wie die Weltmeister gekocht, viel auf die Politiker geschimpft (zu viel oder zu wenig an Maßnahmen), haben in der Einsamkeit an den Fingernägeln geknabbert, Neurosen entwickelt, auf Twitter Selbsthilfegruppen gefunden und nun, kurz vor Schluss, dieser Knall: Wir haben Krieg in Europa! 

Götter was wollt ihr noch? Haben wir nicht genug geklatscht, die Herzen geöffnet (für Systemrelevante ehemals Unterprivilegierte), haben wir nicht eine geraume Weile gegen Amazon rebelliert, uns die Füße in den Schlangen vor den Buchhandlungen wund gestanden, den Apfel aus der Region gegessen?

Haben wir nicht "auf, auf" gedacht, um nun geschwind das Klima zu retten, den Klimakanzler mitsamt Klimakoalition haben wir gewählt (ein bisserl Mobbing gegen die heutige Außenministerin hatte rein moralische Gründe, versteht sich!) und jetzt dieses Desaster.
Wir wollten mal wieder richtig, richtig, richtig heftig die mittlerweile durchgeboosterte Sau rauslassen und nun: KRIEG! 
Atomare Bedrohung gar, Putin ersetzt das Virus und gibt ihm eine greifbare Visage. Und was für eine:
"Da, seht hin, gegen diesen da, da hilft keine Impfung". Da hilft nur noch die Anerkennung der "Zeitenwende". 

Und mit der Anerkennung der "Zeitenwende" kommen erneut Opfer und milliardenschwere Ausgaben auf uns zu. Oh, oh - da wollte manch Peace-gepiercter Mensch fast "auf in den Kampf" (für das Richtige natürlich) trommeln und nun wird er böse in der Begeisterungs-Fahrt gestoppt - denn woher nehmen das Geld für den Sprit? Und wovon zahlen, bitte, die Reform von Hartz 4 und wo, bitte schön, ist eigentlich das gute, das essentielle, das bio-organisch-dynamische-omega-arme und omega-reiche Sonnenblumenöl hin verschwunden? Wie nun leben?

Refugees sind (wir sind doch die Guten) erst einmal völlig o.k. (sofern sie aus der Ukraine stammen)! Wir werden sie klatschend am Bahnhof empfangen. Apropos "Klatschen", für die Pflegekräfte müssen wir das vorerst nicht mehr tun, wenn denen das Honorar für ihren Job ("unterprivilegiert bleibt eben unterprivilegiert" entre nous) zu eng ist und sie -verwöhnt durch Aufmerksamkeit und Rampenlicht - gar hinschmeißen möchten, nun ja, dann sollen sie nicht aufgehalten werden, die Ukrainer machen das gerne für kleines Geld und Sicherheit (mit Liebe, machen die das!).

Das Mastvieh, das übrigens kein Tier ist, sondern ein Mosaikstein in der aufwendig nach Quadratzentimeter und Ökonomie berechneten Fleisch-Produktion, sollte nun allerdings wie gehabt beibehalten und gehalten werden. Ein Zuviel an Veränderung bringt nur Verdruss!

Bereits Friedrich der Große sagte die weisen Worte: "Schweine" (oder so ähnlich), "wollt ihr ewig leben?" Und wo nur Grunzen als Antwort ist, da wird kein Widerstand zu erwarten sein. 

So können wir dieser Tage also erneut das Hoffen (und Schachern) wagen, den Status Quo rum schieben und ihn -irgendwie- zu halten suchen, dazu die Erdkugel (um unserer ehrwürdigen Art willen!) noch vor dem totalen und allzu raschen Zusammenbruch ihres Klimas schützen (KLIMA, ja, das ist doch ein sehr weiter und eher theoretischer Begriff) und uns larmoyant die Frage der Fragen stellen: 
"Götter, was wollt ihr noch von uns, dieser braven, gebeutelten (west)europäischen Menschheit?"

Good Luck!