Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: www.paganinisberlin.de

Wegen anderer Projekte kann das Blog zur Zeit leider nur unregelmäßig "bespielt" werden!

Donnerstag, 12. September 2019

Die unbedingte Film-Empfehlung:

First Reformed von Paul Schrader!


First Reformed ereilte uns zufällig, unempfohlen und unbekannterweise beim "kramen" in der Mediathek. Und First Reformed blieb hängen wie eine traumatisierende Erfahrung mit nachträglichem Glückseligkeitsgefühl.
Kurz: Es war wohl Zeit für uns und diesen Film, denn er sprang uns aus dem Nichts an, kroch unter unsere Haut und erfüllte die Seele mit der Erkenntnis und dem Staunen darüber, dass wir bis dato ohne das Wissen um diesen Film geglaubt hatten, ein (kunst)sinniges Leben zu führen.
Dieser Film ist eine formal-inhaltlich-ästhetische Wucht, die jeden umhaut, der nicht bei 3 aus dem "Kino-Saal" rennt. Oder aber er hat First Reformed nicht verstanden (und nicht geliebt).


Ethan Hawke ist Ernst Toller. Ein Pastor in einer kleinen Kirche der First Reformed Church in einem kleinen Nest im Staat New York. Hier will er zur Ruhe kommen. Hier plant er einen Neuanfang. Oder besser, hier plant er, sich zu sammeln. Und noch besser, hier plant er, sich in Ruhe zu Tode trinken zu können. Ein Neuanfang, der eine Buße sein soll. Ernst Toller ist ein von innen und außen Gequälter. Er kann jedem vergeben, doch nicht sich selbst. Und (vermutlich) nicht Gott. Seinen Sohn hat er in den Irak ziehen lassen. Er ist tot. Die Mutter und damalige Ehefrau hat ihn verlassen. Tollers Werte und sein Vertrauen sind erschüttert.
Seine neue Kirche nennt er "Souvenir-Shop". Sie hat einen gewissen historischen Wert. Ein karges, asketisches Leben ohne nennenswerte Bedeutung erscheint ihm für sich selbst als Wohltat. Um die Gemeinde-Mitglieder kümmert er sich gut. Er hilft mit hoffnungsgebenden Gesprächen. Eine Hoffnung, die ihn selbst zunehmend verlässt. Er schreibt Tagebuch, um die verschiedenen Enden seiner seelischen Regungen zusammen zu halten. Und er trinkt. Allein. Ein Klopfen an der Tür, ein Appell von einer verzweifelten Frau "Mary", reißt ihn aus der Eintönigkeit und hinein in ein verschlingendes Thema: Apokalypse durch Umwelt-Zerstörung.

Die Konsequenz der Inszenierung durch Paul Schrader, die den Ernst und den ritualisierten Überlebens-Versuch einer Psyche zunächst mit statischer Kamera und trister Farbgebung begleitet, akustisch untermalt von einem sich steigernden  "Brummen" wie fernes Donnergrollen, baut eine Dichte auf, lässt einen Sog entstehen, der ahnen lässt, was sich in diesem Mann zusammenbraut. Und dann - auf einmal - visuelle Brüche, die das Auge des Zuschauers wie durch Blitze zucken machen.

Grandios, einzigartig und unverwechselbar im Kino. Viel wäre zu schreiben. Über Tollers Kampf mit dem Teufel zum Beispiel. Oder einen Sprengstoffgürtel. Und auch über einen Engel. Und einen atemberaubenden Kuss. Am Schluss. ANSEHEN!



Mehr zum Film in Wikipedia HIER--->

Mittwoch, 4. September 2019

Das Schöne an Twitter ist:

...Es gibt dort "Herbergsmütter"!


Wibke Ladwig, Ute Vogel und  Anke von Heyl sind in der Lage völlig entspannt, uneitel und unaufgeregt nahezu überall da ihren kreativen Besen zu schwingen, wo sich eklatante und irreversible Spinnweben breit machen könnten.

Sogar wir haben nun einen neuen Zweitnamen:

DIE SCHNURRFLUENCER
 
 
Ein ganz großes Geschenk von Wibke Ladwig an den KATER!
 
Im Ernst wären wir nicht mehr in Twitter, wenn es nicht dieses absolut anarchistische und dennoch erfolgreiche, natürlich gebliebene, kluge, kultivierte und experimentierfreudige "Kulturkollektiv" gäbe, das tatsächlich in den sozialen Medien für eine Art "Sozial-Hygiene" steht, die unbeschreiblich sauber und UNVIRTUELL rüberkommt, Menschen miteinander verbindet und "Menschbleiben" unpenetrant zum Thema werden lässt.
Ihre Macht ist dabei mittlerweile ein willkommenes Korrektiv gegen Macht-Missbrauch und Unwesen im Internet.
 
Die "Herbergsmuetter" sind ein Projekt, das täglich bewundernswerter wird, je genauer man die Besonderheiten der Umgebung v. Social Media kennt....
 
SO sehen SCHNURRFLUENCER aus.
Der Kater "Bon Boncuk" in "Dior".





 
 
HIER EIN EINBLIICK:

 
 Unbedingt empfehlenswert!


Freitag, 16. August 2019

"Border" und die Larve vom Baum der Erkenntnis...

Nun gibt es den Film "Border" von Ali Abbasi nicht nur im Kino, sondern auch in den Mediatheken



Nach der Flut hymnischer Kritiken ist Anschauen für die Meisten der Cineasten ein Must Do. Auch die Anderen werden irgendwann auf den Trailer stoßen und sich anschließen, bevor sie aus Neugier geplatzt sind. Und einige Wenige nur, werden die filmische Umsetzung und Ausmalung einer Short-Story von John A. Lindqvist nach wenigen Minuten ausknipsen.

Das Menschen-Auge, sofern unflexibel und in Sachen Andersartigkeit nicht trainiert, kann Anstoß an einem ästhetischen Mangel der beiden Protagonisten nehmen, die selbst in dem Glauben "hässliche Menschen mit Chromosom-Fehler" zu sein,  aufgezogen wurden. Gerade dies allerdings ist ein großer Vorzug des Films, denn "schön" erscheinen diese Wesen (Trolle) nur, wenn sie sich in ihrer Welt (dem See, dem Wald, dem Wind) bewegen, balgen und - ja - frei und glücklich sein dürfen. Ansonsten erblickt der Zuschauer (aus seiner gewohnten Perspektive) das, was gemeinhin "verwahrlost aussehender Mitmensch" genannt wird. Ein "Fantasy-Drama", das sehr realistisch daher kommt und gerade deshalb extrem glaubwürdig nach Schuld, Sühne sowie Moral unserer Geschichte als Mensch fragen darf.

Fragen, die sich im Lauf des Plots sehr eindringlich auch "Tina" stellen wird, in ihrer wachsenden Selbst-Erkenntnis als Wesen einer nicht-menschlichen Spezies. Zu ihrem "Erwachen" - aus lügenhaft gesponnenen Identitäten heraus - braucht es den Anderen, den Polaren, der ihr dennoch gleicht und der sie berührt.

Die eigentliche Verführung beginnt mit Larven. Frisch gesammelt vom Baum, streckt seine klobige Hand das sich krümmende Tierlein in den Mund der Frau. "Du weißt, dass Du es willst", sagt der undeutlich artikulierende Mann mit den bräunlich verfärbten Zähnen und schwups, verschwindet die Leckerei im Gaumen der Auserwählten.

Ein Mann und eine Frau naschen vom Baum der Erkenntnis. In diesem Fall stehen der Baum und das Paar bereits außerhalb eines Paradieses.
Und die Erkenntnis besteht im Erkennen des Anderen als des Spiegels des Eigenen.
Die Larven sind als Bonbon für diese Zwei geschaffen worden!
Mit dieser erkannten Wahrheit ist der "Apfel" auch schon vom Baum gefallen und das Erkennen von Gut und von Böse in der Welt...

Ein Film, der sich stringent einer Zuschreibung zu bestimmten Genres, sowohl inhaltlich als auch ästhetisch, völlig verweigert. Selbst die Moral-Keule wird rasch wieder eingepackt bzw. ausgetauscht.
Allein schon wegen seiner Originalität ist "Border" sehenswert. Gestört hat uns allenfalls die anfängliche Verwunderung, dass unsere Erwartungen, getriggert durch die Vielzahl gelesener Rezensionen, allesamt durchkreuzt wurden.

Also: möglichst unvoreingenommen zurücklehnen und wirken lassen!



Mehr zum Film im guten, alten WIKIPEDIA--->

Sonntag, 28. Juli 2019

Der Garten als Metapher, als Utopie und Dystopie:

"Garten der irdischen Freuden" im Martin-Gropius-Bau!


Pipilotti Rist, Homo sapiens sapiens, 2005. Audio-Video-Installation (Videostill)

© Pipilotti Rist, Courtesy: Pipilotti Rist, Hauser & Wirth und Luhring Augustine

Eine wirklich ungewöhnliche, inspirierende und manchmal verstörende Ausstellung zu unserem neuen Lieblingsthema "GARTEN". 

"In der Ausstellung "Garten der irdischen Freuden" interpretieren über 20 internationale Künstler*innen das Motiv des Gartens als eine Metapher für den Zustand der Welt, um die komplexen Zusammenhänge unserer chaotischen und zunehmend prekären Gegenwart zu erforschen." (Martin Gropius Bau)

Wir steuern einen der ältesten und bekanntesten Texte in puncto "Garten" hinzu:

Der Garten Eden

Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte.

5 Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute;

6 aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land.

7 Da machte Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.


8 Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.

9 Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.


10 Und es geht aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilt sich von da in vier Hauptarme.

11 Der erste heißt Pischon, der fließt um das ganze Land Hawila und dort findet man Gold;

12 und das Gold des Landes ist kostbar. Auch findet man da Bedolachharz und den Edelstein Schoham.

13 Der zweite Strom heißt Gihon, der fließt um das ganze Land Kusch.

14 Der dritte Strom heißt Tigris, der fließt östlich von Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat.


15 Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

16 Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten,

17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.


18 Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.

19 Und Gott der Herr machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen.

20 Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den Menschen wurde keine Hilfe gefunden, die ihm entsprach.


21 Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch.

22 Und Gott der Herr baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.

23 Da sprach der Mensch: Die ist nun Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist.

24 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch.

25 Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht. (
Das erste Buch Mose (Genesis) (1.Mose 2,4-3,24))



Manchmal macht die Bibel einfach Freude wie ein Dejavu, wie etwas Altbekanntes, das verloren schien, wie ein Hauch von Nostalgie oder einfach wie ein Urgrund, aus dem bis Heute die Metaphern wachsen...

Dienstag, 23. Juli 2019

Der wunderbare Buchanfang: XV. Teil

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"

(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Diesmal ein Buch, lebendig wie ein Leben und doch poetisch wie ein Gedicht:

Leonard Cohen, Das Lieblingsspiel

I

Breavman kennt ein Mädchen namens Shell, das sich Ohrlöcher stechen ließ, weil es lange, filigrane Ohrringe tragen wollte. Die Einstiche entzündeten sich, eiterten und hinterließen winzige Narben, die er entdeckte, als er ihr einmal das Haar nach hinten strich.
Eine Kugel zerfetzte seinem Vater den Arm, als er sich im Schützengraben aufrichtete. Ein Mann, der an Herz-Kranz-Thrombose leidet, findet Trost in einer alten Kriegsverletzung.


Bon Boncuk, der Kater, präsentiert "DAS LIEBLINGSSPIEL"


"Das Lieblingsspiel" ist der erste Roman (von Zweien) von Leonard Cohen, der sich zu dem Zeitpunkt der Erscheinung des Buchs (1963) noch ganz und gar als Schriftsteller identifizierte. Vom Musiker Leonard Cohen war damals weit und breit nichts zu sehen und nichts zu hören. Auch er selbst kannte ihn damals als Endzwanziger noch nicht!

Das Buch beginnt mit der Schilderung von Wunden und Narben und Versehrtheiten, auch von Falten, die der Gang des Wegs namens Leben so mit sich bringen kann, einmal selbst zugefügt und manchmal einfach so eingefangen, wie ein Schicksal oder einen Zufall.

Das Buch endet mit der Erinnerung des Protagonisten "Breavman" an das Lieblingsspiel der Freunde aus Kindheitstagen. Im Winter, wenn es stark geschneit hatte, hielten sie sich an den Händen, wirbelten herum wie ein Kreisel und ließen dann plötzlich los. Jeder fiel ins Weiß hinein, in einer ulkigen Stellung abgespreizter Glieder und stand rasch erneut auf den Füßen, um sich an den Abdrücken im Schnee zu erfreuen. 

Das Leben hinterlässt Spuren. Man nehme sie mit Leichtigkeit!

Ein Buch, prall gefüllt mit Geschichten, sprachlich von einer Frische, einem Spieltrieb und einem sprühenden Witz, der sich immer wieder an der dichterischen Metaphorik bricht.

Wer dies Buch noch nicht kennt: Unbedingt Lesen!






Mehr zum Buch HIER___>


Dienstag, 4. Juni 2019

Die Suche nach dem allerersten Kinderbuch...

...führt über Neukölln-Rixdorf hinein ins verloren geglaubte Paradies!



Orbis pictus, Comenius, @CC


Die besten Streiche spielt uns noch immer das Schicksal. Und das folgt häufig geheimen Fäden. Erneut  (und nach Jahrzehnten eines Versuchs, das Erwachsenen-Leben zu bestehen) mit der Nase auf "Max und Moritz" gestoßen worden und darum niesend auch den "Struwwelpeter" aus der verstaubten Schublade ziehend, stand in großen LETTERN eine bis dato nicht interessierende Frage hinter unserer (der Paganini´s-Redaktion) Stirn:
Was, wenn gar nicht "Max und Moritz" und der "Struwwelpeter" die erste Generation der Comics für Kinder gewesen sind? Wer hat es dann verfasst und wie ist es gewesen, das allererste, populäre und illustrierte Kinderbuch der Welt?
Doch Fragen, die ungefragt hinter Stirnen  aufblinken, ziehen im Geiste wie Wolken weiter und hinterlassen nichts. Dieses Nichts zeigt sich als Leere, die bis dato so nicht offenbar gewesen ist.
Mit anderen Worten: wir hatten keine Lust zur Recherche, doch das Schicksal ließ uns nicht in Ruhe ignorieren.

Sonderbar sind der Nornen Winkelzüge. Sengende Sonne Anfang Juni in Neukölln. Müde der Rixdorfer Pflastersteine unter brennenden Füßen machen wir Rast, lehnen uns leger an einen hölzernen Zaun, den wir seit Jahren als unbezwingbar kennen. Und auf einmal springt auf das Tor, das stets verschlossen schien und hinter dem der "Comenius-Garten" auf einem Täfelchen angekündigt liegt. Uns genügte bisher ein Blick ins unspektakulär scheinende Grün hinein. Ein Garten ist kein Park und daher nicht öffentlich, so unser Vorurteil. Was wäre uns da fast entgangen!

Nicht nur die Findung des allerersten, illustrierten Kinderbuchs, nein, auch die Bäume und Sträucher und Gräser der Erkenntnis, die mitten in das verloren geglaubte Paradies hinein winken. Eine Wonne, eine Natur, eine einzige Harmonie, mitten im Brennpunkt-Bezirk Neukölln. Our Heart is open now for this strange Area.


Comenius-Garten, Natur-Paradies mitten in Neukölln, @Paganinis

Wiese! Wie lange ist es her, dass unsere Augen sich tatsächlich an einer Wiese sattsehen konnten. Nicht an einem Rasen und nicht an Gras und nicht an einem Monokultur-Feld und nicht an einer Grün-Anlage. Sondern an einer Wiese, deren Vielzahl an Halmen, Blumen und Kräutern im Wind rascheln, dazu die Bienen und Käfer ihr Summen und Surren zum Besten geben. Natur pur und doch nach strengen Regeln geplant und gepflegt.

Und hier, an dieser Stelle, werden wir neugierig und finden so das allererste, illustrierte Kinderbuch der Welt! Denn auf die nahe liegende Frage, was ein Naturschutz-Gebiet mitten im Großstadt-Berlin verloren hat, gibt nur ein asketisches Hinweis-Schild am Gartenzaun eine vage Antwort, die nun doch nach weiterer Recherche schreit. Das Schicksal macht nicht geneigt, das Schicksal zwingt. Es führt uns zu Comenius. Denn in seinem Geiste ist dieses Idyll geboren worden. Und in seinem Sinn sitzen hier nun eine bunte Kinderschar um einen langbärtigen Philosophen herum unter den Kirschen und reden über Sonne, Mond und Sterne, deren Spiegelbild im Teich erscheint. Was für eine Pracht aus Nostalgie!

Lange her ist es, dass Johann Amos Comenius seine neuzeitlich anmutende Pädagogik erfand, die vom Kind her gedacht, auf Zwang verzichtete, um das Humane im Menschen durch freudvolle Wissensvermittlung zu wecken. Als Tüpfelchen auf dem "i" seiner Reform, schrieb er das 1. Kinderbuch der Welt, das sich mit dem Gesamt eben dieser Welt in Muttersprache und Latein auseinandersetzt und mit gedruckten Holzschnitten illustriert ist. Lateinfibel, Lehrbuch für deutsche Sprache und Enzyklopädie. Doch staunen Sie selbst!(Link zum Buch unten!)

Wir wollen uns jetzt die Sonne auf den Pelz brennen lassen und im Comenius-Garten die Füße hochlegen. Kindheit ist immer. Auch Heute. Für uns.




HIER GIBT ES DAS ERSTE ILLUSTRIERTE KINDERBUCH DER WELT ZU BESTAUNEN
HIER ETWAS ÜBER DEN GARTEN UND SEINE PHILOSOPHIE

Montag, 6. Mai 2019

Der wunderbare Buchanfang: XXV. Teil

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"

(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Diesmal ein Buch, das für die Meisten von uns ganz am Anfang der Kette aller Bücher stand, die wir bisher gelesen haben: 

"Max und Moritz" von Wilhelm Busch

Max und Moritz machten beide, Als sie lebten, keinem Freude:
Bildlich siehst du jetzt die Possen,
Die in Wirklichkeit verdrossen,
Mit behaglichem Gekicher,
Weil du selbst vor ihnen sicher.
Aber das bedenke stets:
Wie man”s treibt, mein Kind, so geht”s.


Originalzeichnung von Wilhelm Busch

Wir hatten ganz vergessen, welch hämische Freude in den Reimen dieses "Kinderbuchs" versteckt ist.
Grausamkeit an Grausamkeit reiht sich da von Streich zu Streich und dennoch vergeht einem nicht das Grinsen in den kindlich aufgeblasenen Backen. 

Haben wir - damals - als Kinder etwas daraus gelernt? Nein!
Haben wir uns - damals - als Kinder davor gefürchtet? Nicht die Spur!

Oder haben wir nur den tiefgehenden Eindruck, kleine Zeugen eines letztlich furchtbaren Geschehens zu sein, verdrängt? 
Zumindest nicht, dass wir es heute noch wüssten. 

Aber aufgewachsen mit Grimm, Hauff und Andersen, Hexen, die Kinder backen wollen und selbst im Backofen ihr (böses) Ende finden, schien die Unterteilung der Bücherwelt in Gut und Böse ein Fatum zu sein. Ein Fatum der Welt der Fantasie, wohlgemerkt.
Gefürchtet haben wir uns in der Erinnerung einmal bei "Struwwelpeter" und bei den "roten Schuhen".
Und ganz sicher, ein wenig, vor der verwirrenden, da un-(be)-greifbaren Realität!




Wer nun wieder einmal Lust auf "Max und Moritz" hat, voila --->

Und hier das weise Wikipedia zu diesem Buch und seiner Rezeption ---->

Erst ab 14 Jahren darf man ab 22.05. zu "Max und Moritz" ins Berliner Ensemble.
Wir sind sehr gespannt, was der verspielte Regisseur Antu Romero Nunes daraus macht--->