Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: www.paganinisberlin.de

Wegen anderer Projekte kann das Blog zur Zeit leider nur unregelmäßig "bespielt" werden!

Donnerstag, 7. Februar 2019

Alljährlich grüßt der Herr der Bären...

...und gibt sein Motto aus: "Das Private ist politisch!"



Film liegt in der Berliner Luft. Kino. Und das Politische. Beides vereint im grauen Himmel über Berlin. Viele Fragen und Erwartungen rieseln hinunter. Das Kritische sowieso. Es ist die Zeit gekommen, die Zeit der Berlinale. Denn Zeit kommt. Und Zeit (ver)geht. Und dazwischen ist ein Film. In diesem Fall sogar 400 an der Zahl. Darüber schwebt ein Slogan: "Das Private ist politisch"!
 
Gefunden hat ihn Dieter Kosslick, der seit 18 Jahren - alljährlich mit der Vorstellung des Berlinale-Programms - einen (passend zu seinem legendären Schal) roten Faden benennt, der sich thematisch durch die Vielzahl der ausgesuchten Filme zieht. Ein Halt in Zeiten der Unübersichtlichkeit, ein Rahmen für alle Sektionen, Ästhetiken und Stile.

In der aktuellen Jury-Pressekonferenz stürzen sich die Journalisten dankbar auf dieses Stöckchen und löchern zunächst die Jury-Mitglieder und bald darauf auch RegisseurInnen und SchauspielerInnen mit der Frage nach dem Bezug vom Film zum Politischen und umgekehrt. Die Findung des "Berlinale-Mottos" ist unbestreitbar eine der großen (vielen!) Findungen des Berlinale-Chefs.

Juliette Binoche, die diesjährige Jury-Präsidentin, bleibt in der Antwort verhalten und beschwört weniger die aktuelle Weltlage, als das Allgemeine: "Es muss menschlich sein. Und wenn es menschlich ist, dann ist es auch politisch". 

So ist es natürlich eine bewusste Setzung, dass der Eröffnungsfilm des Wettbewerbs von Lone Scherfig einer Botschaft mit therapeutischer Wirkung gleicht. Eine Frau auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann, mitten in der klirrenden Kälte der Großstadt New York, 2 Kinder an den Händen und mittellos, trifft in der Fremde auf Mitgefühl und menschliche Anteilnahme.
So könnte es gehen in der Welt und mit der Welt! Und so kann es gehen im Kino, wenn politische Themen auf intime Weise angesprochen werden!

Denn Kino ist eine Sprache. Das sagt nicht nur Elfriede Jelinek, das sagt auch Juliette Binoche.
Und "Film ist eine transzendente Erfahrung". Das sagt Jury-Mitglied Trudie Styler. Und eine magische, kollektive Erfahrung obendrein. Ach, Kino ist so Vieles!
"Film ist Bewegung, ein Zeitvergehen, das auf genauester Planung beruht. Nur die brutalsten Maßnahmen können die Bilder zwingen, sich in eine bestimmte Aufeinanderfolge zu begeben und dort zu bleiben, in der Bewegung, aber man hat sich vorher genau ausgerechnet, wie das zu geschehen hat. Film suggeriert, daß alles, was ist, berechenbar sei. Aber jedes Leben, auch das eigene, vergeht, während man sich noch diesen oder jenen Film auf der Leinwand anschaut. Das eine Vergehen, das im Film, kann man berechnen, das des eigenen Lebens nicht..." (Elfriede Jelinek) 
"Kino ist auch nichts anderes als ein überhöhter Moment des Widerstands gegen die Vergänglichkeit. Das klingt einfach, ist aber tröstlich." (Juliette Binoche)
Womit wir wieder bei der Zeit wären, die ja ebenfalls stets eine politische ist. Eben eine jeweilig politische. Das Kino kann die Zeit einfangen. Das Theater muss sich mit der Zeit herum schlagen.
Und mit dem Politischen. "Theater und politische Bildung – geht das überhaupt zusammen?" fragt
sich Christian Rakow und mit ihm die Theater und ihr Publikum. Der Film und die Berlinale scheinen leichtfüßiger damit umzugehen.

Irgendwie um Zeit und um das Politische und um das Kino  geht es auch bei Rene Pollesch und seinem jüngsten Streich im Deutschen Theater Berlin. Da erinnert er mit "Black Maria" an das erste kommerzielle Filmstudio der Welt (mehr dazu in Kürze).  
"Beim Film lässt sich beobachten, dass die meisten, die über ihn nachdenken entweder an die Bewegung glauben und das Bild übergehen, oder am Bild festhalten und die Bewegung übergehen. Sie berücksichtigen dann nicht den Film, der zum Beispiel, wie etwa beim Kinematographen 50 Prozent dessen, was beim Schauen vor den Augen liegt, im Unsichtbaren belässt. Und darum müsste es vielleicht gehen..." (Tja, Rene Pollesch)
Hier also hat er das Laufen gelernt, der Film: "Die Filme aus dem Black-Maria-Studio zählen zu den ältesten Aufnahmen der Filmgeschichte. Die meist unter einer Minute langen Filme wurden zunächst in Kinetoskopen vermarktet, ab 1896 wurden die Filme auch auf Leinwand projiziert." (Wikipedia)

Herausgekommen ist ein Erzeugnis wie Dieses. Ein Zeugnis für die These, "dass der Film wohl Vergänglichkeit gleichermaßen verhindert als auch dokumentiert." (Boncuk, der Kater!)
 

  
Die Frauen-Quote hat es zu Zeiten der "Black Maria" eindeutig nicht gegeben.  Der Fortschritt seitdem ist unübersehbar. Da ist die Wettbewerbs-Jury, die von einer wunderbaren Frau angeführt wird. Und von den 17 Filmen des Wettbewerbs, entstanden 7 Filme unter weiblicher Regie. Immerhin. The Future is Female!
 
Und noch einmal die Vergänglichkeit der Zeit. Der Abschied von Dieter Kosslick rückt nahe. Ein Ständchen von Anke Engelke und Max Raabe lassen fast eine Träne sichten, in den Augen des Direktors. Die Kamera hat sie aufgefangen. Auf ewig archivierbar. Dazu Standing Ovations!
 
Alexander Scheer sitzt im Gala-Publikum und sieht aus wie David Bowie.
Wiederauferstehung geht eben auch. Manchmal. Wo auch immer.
 
 
 
 Alles rund um die Berlinale wie immer unter www.berlinale.de


Freitag, 18. Januar 2019

In Stanniolpapier...

…will ich gewickelt sein...


(Die Redakteurin hat sich nun endlich "In Stanniolpapier" im Deutschen Theater Berlin
angesehen. Und sie ist hingerissen.)





Ganz ehrlich? In dem Fall: Sei´s drum!
Gemeint ist der Ur-Text. Also der Grund des Theater-Skandals 2018. Entschuldigung Herr Deigner. Aber die Kunst muss tun, was die Kunst tun muss. Und die Kunst von Herrn Hartmann und auch die Kunst von Frau Pöppel musste GENAU so. Und die Kunst von den Herren Harder und Büttner musste ebenfalls so. Und das ganze "In Stanniolpapier" konnte gar nicht anders, als NUR so. Denn mehr Total-Theater ist nicht denkbar!

Das ist mein Resumee. Nach eineinhalb Stunden eines fordernden, intensiven, dichten Theaterabends.
Ein Theaterabend, vor dem ich mich gescheut -fast geängstigt- habe. Und ein Theaterabend, der sehr viel Aufsehen erregt hat, nachdem er unglückseligerweise im Rahmen der Autorentheatertage 2018 seine Premiere erlebte. Und der diesen eng gesteckten Rahmen sehr eigenwillig aufzusprengen wusste. Ein theatraler Grenzgang eben, ein überbordender Trip, der das umformen und rausschmeißen musste, was eigentlich den Anstoß zu seiner Geburt gegeben hatte: Den Text von Björn SC Deigner!

Dass dies so kommen könnte, ist allerdings vorhersehbar gewesen. Sebastian Hartmann äußert sich in einem auf Youtube zugänglichen Interview zu "Gespenster" bereits 2017 unmissverständlich zu seiner Herangehensweise an Textvorlagen.

In diesen wolle er, so sagt der Regisseur sinngemäß, eine eigene Geschichte finden, die ihn persönlich interessiere. Er fände diese in Sujets, Verdichtungen,  Momenten eines Textes. Mit diesen Bruchstücken könne er viel mehr anfangen, als sich "auf den Zeitstrahl der Narration" zu setzen, hinter dem sich dann auch das Publikum zu bequem verstecken könne.

Der Text als Steinbruch also. Bei dem das unterste zuoberst gekehrt wird. Sebastian Hartmann genügen kleine, sinngebende Sprachfetzen (neben einem etwas längeren Intro) als dehnbare Fassung für einen Psychotrip, einen "Zustand" wie Linda Pöppel es nennt, der das Thema vielgestaltig zu einem fast schon gewaltsamen Übergriff auf den Zuschauer werden lässt.

In einem Meer aus Farben und wummernden Bässen versinken, tanzen, kämpfen und ringen die 3 meist nackten Körper. Die durch Tränen und Schreie und Geilheit verzerrten Gesichter abgefilmt auf Großleinwand. Es gibt kein Entrinnen Hier. Nicht für die Schauspieler, die zu ihren Figuren werden. Nicht für die Zuschauer, denen diese Überwältigungs-Ästhetik die Distanzierung verweigert. Hier bleibt nur: Abwehr oder Hingabe. "Jetzt bitte Schluss", das denke ich 2 Mal in diesem Höllen-Ritt. Jedes Mal zieht mich ein überraschender Kniff dieser Ästhetik erneut in den Bann.

Nein, es gibt kein Entrinnen!

Für diese Quintessenz, diese Lesart des Theater-Textes hat sich Sebastian Hartmann gegen dessen ursprüngliche Intention entschieden. Er glaubt der Prostituierten bei Deigner, genannt Maria, nicht die behauptete Selbstbestimmung.
"In Deigners Text kehrt Maria nicht ihr Innerstes nach außen, sondern es verhält sich gewissermaßen umgekehrt: Sie betrachtet sich selbst, aus großer Distanz. Mit seiner Inszenierung sucht Sebastian Hartmann nach genau diesem Verdrängten: nach dem, was hinter einer Oberfläche bebt, was unter einer Schädeldecke verborgen ist." (DT-Berlin)
Und so setzt er ein, der psychedelische Reigen, bei dem immer auch die psychologischen Facetten zwischen Täter  und Opfer offenbar werden. Gerade hier nochmals ein dreifach Hoch den Schauspielern!

Am Anfang ist der Schmerz. Am Ende ist der Schmerz. Dazwischen ist der Schmerz.
Der Schmerz kommt in und durch Begleitung. Die Symbiose und die Abhängigkeit und die Verzweiflung ist immer im Gepäck. Die (un-)heilige Dreiheit aus Pöppel, Harder, Büttner gerät (und führt)  immer tiefer in den Kreisel.

Am ENDE - endlich - Applaus!


P.S. Sehr gespannt darf man sein, wenn mit der ersten, echten Uraufführung des Deigner-Stücks eine ganz andere Version des vielschichtigen Themas auf die Bühne kommt.

Mehr zu dieser Aufführung im DT-Berlin HIER--->

Dienstag, 25. Dezember 2018

Und der Haifisch, der hat...

...Zähnäh und die trägt er im Gesssicht und Mackeath, der hat ein Messa, doch das Messa sieht man nicht...


(Die Chefredakteurin berichtet über die legendäre Inszenierung von Robert Wilson am Berliner Ensemble)




 Und die Toten erwachen zu Leben. Und es ward Licht. Aber nur im Schatten-Ton.
Ich kenne sie alle auswendig. Jeden Song. Seit ich denken kann. So will mir scheinen. Kanonensong. Jenny-Song. Mackie Messer-Song. Erst kommt das Fressen-Song. Und dann kommt die Moral-Song. Und die Quintessenz, die kannte ich auch schon, seit ich Bert Brecht und Lotte Lenya und Kultur und das Ganze denken kann. Also ewig. Also gefühlt seit Immer.

Am Anfang war die DREIGROSCHENOPER!

Und dann kam lange nichts. Im Sinne von GESAMTKUNSTWERK!

Und nun Ich erstmalig bei der Robert-Wilson-Inszenierung im Berliner Ensemble, das einmal Ort der Uraufführung gewesen ist.

Wie oft habe ich diese Songs bereits gehört?
In wie vielen Versionen betörten sie mch?
Welche Verfilmungen sah ich?

Keine oder Alle?

So gegenwärtig der Stoff, so allgegenwärtig die Songs, so altbekannt das Entertainment - so ewig schon da und so zeitlos alles überdauernd. Keine Ahnung, ich schwöre, ob ich nun zur 10ten oder1ten Theater-Aufführung der Dreigroschenoper hier im Berliner Ensemble sitze. Oder ob ich mir das nur wünsche. Ich habe kein Gefühl dafür.

Es ist, so lehrt mich diese Inszenierung, auch vollkommen wurst, wann immer ich welche Variation und Interpretation der Dreigroschenoper gehört und gesehen haben könnte, denn Wilson inszeniert die Essenz des Ganzen im Gewand der Wiederkommer und Untoten, über alle Zeiten hinweg. Hinein in eine Sublimation des "Besser kann keiner Nie Mehr und konnte Noch Nie"!

Froh und glücklich nun. 
Nichts kann besser werden.
In 2019.

Aber genau so riesenstark.
Das langt!







Samstag, 22. Dezember 2018

Das wunderbare "Welcome Back"...

...zum kommenden Jahr!



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2018

Ein JEDER fragt JEDEN:

Hast Du gesehen, wie es verging, wie es verloschen ist  und hinüberwuchs in ein Anderes, das NEUE gar genannt? Und mittendrin das DU, das ICH, das DING und alles Andere auch. Ganz ungefragt sind wir mitgezogen und haben uns nichts dabei gedacht. Nicht, ob´s schlimmer wird, nicht, ob´s seichter wird, nicht ob´s klarer oder schöner wird. Nur gefreut  haben wir uns, weil´s halt so  ist, dass man sich freut, wenn´s irgendwann zu Ende ist. Mit dem Alten. Denn das Neue soll sein, wie so ein weißes Papier! Nicht wahr?
 

WELCOME 2019!
 
Ein wunderschönes, ganz individuell gestaltetes, Ihnen als unbedingt RICHTIG erscheinendes
Weihnachtsfest sowie ein ebensolches Hinüberwachsen in das neue Jahr
wünschen die ("Heuer" esoterisch angehauchten) PAGANINI´S!
 
 


Dienstag, 11. Dezember 2018

Die wunderbare Mythologie! XII. Teil:

CHEIRON, der aufrechte Gott auf 4 Hufen



Cheiron lehrt den jungen Achilleus das Spiel auf der Kithara: HERCULANEUM


Ja, die wunderbare Mythologie!

In loser Folge will Paganini´s ein Streiflicht darauf werfen, so wie die
Mythologie von jeher das Dunkel unserer (Menschen-)Welt durchleuchtet hat.
Sie fand die Chiffren für das Prinzip, das uns bewegt:
Das Schicksal des Menschen, ein Mensch zu sein!

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Vollkommenheit, Dein Name sei Cheiron nicht!

Die wandelnde Ambivalenz auf 4 Hufen ist Vieles nicht: Nicht Pferd, nicht Mensch, nicht Kentaur, nicht schön.  Und stark und vital ist er auch nicht. Er humpelt.

Was er allerdings besitzt, ist nicht ohne: Weisheit, Bildung, heilerische Fähigkeiten, Hingabefähigkeit und nicht zuletzt UNSTERBLICHKEIT.

Schon seine Zeugung zeugt von Mängeln. Denn von mangelnder Moral und Sittlichkeit getrieben, nähert sich Papa Kronos (an Ehefrau Hera vorbei) in der Gestalt eines Pferdes der lieblichen Nymphe Philyra. Dieser wiederum mangelt es eindrücklich am Ideal der Mütterlichkeit. "Pfui Deibel" denkt sie, nachdem der kleine Cheiron, soeben geboren, auf seinen staksig behuften Beinchen vor ihr steht und mit den Händchen fuchtelt. "Pfui Deibel, das Balg will ich nicht"! Und weg ist sie, die Frau Mama.

Der Kleine scharrt mit den Hufen. Sonnengott Apollon und Mondgöttin Artemis persönlich steigen vom Himmel hinab und adoptieren das eigenartige Kind. "Vergeistigte Triebnatur" wittert das frisch gebackene Elternpaar. Die beste Erziehung wird ihm zuteil, auf dass er der berühmteste Lehrer des gelehrten Athens werden solle. So kommt es. Er unterrichtet den holden Achilleus. Er erfindet ganz en passant die Kunst der Chirurgie. Und er heilt jeden Kranken, der nicht bei 3 auf den Bäumen ist.

Sein Leben könnte gesegnet sein. Doch erneut wird er das Opfer des Mangels eines Anderen. Herakles verschießt den vergifteten Pfeil. Nicht den Feind trifft er an empfindlicher Stelle. Nein, in Cheirons Knie hinein landet der Höllen-Splitter. Nun humpelt dieser auf verkrüppeltem Pferdegestell, kann seine eigene Pein nicht lindern. "Verdammt soll sie sein, diese grausame Unsterblichkeit"!
So wird Cheiron zu einer Wohltat der Zeitgenossen. Für ihn selbst bleibt nur Schmerz ohne Ausweg.

Wären da nicht der Götter perfide Grausamkeiten. Was böse gedacht, kann auch ein Gutes werden!
Zeus treibt sein sadistisches Spielchen mit dem (allzu arrogant auftretenden) Prometheus. Die Geschichte ist allseits bekannt.
Cheiron weiß nun, was zu tun ist. "Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss" sagt er sich. "Und ich muss sterblich werden, will ich mein jämmerliche Los beenden"!
Und so folgen 2 auf 1 Streich!

Cheiron opfert sein Leben für den, an Vollkommenheit kaum zu übertreffenden, Prometheus.
Und Zeus lässt sich nicht lumpen. Er befördert Cheiron aus der Unterwelt in den Olymp. Und den Prometheus begnadigt er auch.
Und so hat auf einmal diese vollkommen unvollkommene Geschichte ein

HAPPY END!
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...und was lernen wir aus dieser uralten Geschichte?
Nichts, aber auch wirklich Nichts hat sich verändert!
Seit Ur, das der Anfang war !


Mittwoch, 21. November 2018

Die wunderbare Expansion...

...der wundersamen Paganini´s-Redaktion


"Boncuk, der Kater, Herausgeber der Paganini´s-Redaktion, hat nun Verstärkung bekommen, ohne sie gewünscht zu haben.
Angeheuert hat Pati, das Katerchen, das ebenfalls einen türkischstämmigen Migranten-Hintergrund besitzt. "Pati" heißt "Katzenpfote" und die "mischt bekanntlich überall mit"."

So berichtete die BZ (Bunte Zeitung) in einer Extra-Ausgabe über die Fusion der beiden  Paganini´s-Kultur-Köpfe.

Die Paganini´s-Redaktion distanziert sich ausdrücklich von dieser banalisierenden Version.
Es handelt sich um eine  infame Verleumdung, dass Pati sich den Zutritt in die Redaktions-Räume gewaltsam erzwungen oder gar seinen "Floh-Befall" im weichen Fellchen zweckentfremdet genutzt hätte, um einen "Rausschmiss" zu verhindern.

Fakt ist, beide Kater sind veterinär behandelt worden, die Flöhe tot.

Fakt ist auch, dass beide Kater Nachfahren des edlen und einzigartigen Katers "Paganini" sind, dem Gründer unserer Seiten. (Auch wenn es sich um Stammbäume der Spezies der Berliner Hinterhof-Katzen handelt, die durchaus kompliziert nachzuweisen sind)!

"Blut ist dicker als Tunke!"
Und
"Blut ist dicker als Tinte!"

Das war eine der Redensarten von Stammvater Paganini, dem Kater.

Petit Pati und Bon Boncuk schaukeln das Schiff der Redaktion in Zukunft gemeinsam
und Seite an Seite, durch gute und schlechte Zeiten. Immer dabei, natürlich wie gehabt die Redakteurin.

Wir sind eine moderne, offene, vorwärts gewandte Redaktion und schämen uns in keinster Weise der (eventuell auf uns zu kommenden) Schwulitäten.

Erheben Sie Ihr Glas und stoßen Sie mit uns auf den eifrigsten Praktikanten an, den eine Redaktion haben kann:

Zum Wohl!
"Petit Pati" und "Bon Boncuk" @Paganini´s



 
 
Paganini, der Kater, aus dem Nirwana:
 
Der Niedergang der Redaktion ist längst beschlossene Sache.
Endlich hat das Elend zwei Namen erhalten.
Hugh, ich habe miaut!
 


Donnerstag, 1. November 2018

Vom Makro im Mikrokosmos:

"In den Gängen" von Clemens Meyer und Thomas Stuber


In den Gängen: Sie sehen von oben aus, wie die Gänge eines klar konzipierten Labyrinths. Nur Eingeweihte kennen sich hier aus. Von oben ist die Ordnung sichtbar. Jeder Gang führt zu einem anderen Gang. So entstehen die Gänge.

Gänge sind das, weil nur Gänge durch meterhohe Mauern zu Gängen werden.
Wege kann man kreuz und quer betreten, doch in einem Gang herrscht der Zwang einer Richtung und der Zwang einer Begrenzung. Ohne Grenze kein Gang und ohne Mauer keine Grenze. Und ohne Mauer und ohne Grenze keine Ordnung.

Nur das Querfeldein, das manch einer Freiheit nennt. Das den Wegen entspricht. Die frei zu gehen wählbar sind. Nicht so der Gang. Aus den Gängen, eingepfercht (strukturiert) zwischen hohen Mauern, werden mehrere Gänge, die wiederum durch beschriftete Schilder ihren Wert bekommen. Ein Labyrinth wie ein Monopoly-Spiel:
Hier ist die „Tiefkühlware“. Da ist der „Drogerieartikel“. Da sind die „Getränke“. Und dort sind die „Süßwaren“.
Von oben ist die Ordnung klar einsehbar.

In den Gängen geht alles seinen gewohnten Gang. Wenn man zu den Eingeweihten der Gänge gehört. Wenn man seine Befugnis kennt. Wenn man seinen blauen Kittel trägt und wenn der blaue Kittel markiert ist. Wenn da ein Name steht und wenn neben dem Namen die Funktion des Namensträgers steht. Dann hat Alles seinen Platz. Dann kehrt Ruhe ein.
Nun kann die Kamera den Vogelblick beenden, von oben herunterzurren und in den Gängen einen vorgezeichneten Weg nehmen. Dann darf sie zuschauen, dem exotischen Schauspiel beiwohnen, das darin besteht, dass die Gabelstapler Walzer tanzen:

1,2,3 und 1,2,3, uuund noch ein-mal 1, 2, 3! Der Tanz, der die vorgegebene Ordnung zur Freude erhebt, hier kommt Spielfreude auf, mitsamt dem Risiko, sich gegenseitig unter misslichen Umständen auf die Füße zu treten. 1,2,3,4 hoppala, 1,2,3, und 1,2,3, und hoppala und 1,2,3,4,5, pardauz.

Den Gabelstaplerführerschein muss der Tänzer, der ein Eingeweihter der Gänge ist, ebenfalls an seinem Revers - wie einen Orden - befestigt haben.

Chaos ist nicht Freiheit. Chaos führt zur bodenlosen Verunsicherung. Aus Chaos wird keine neue Ordnung. Aus Chaos wird Haltlosigkeit. Und Haltlosigkeit ist ein Synonym für „Keine Heimat haben“.

Das Zuhause, das sind die Gänge!
Zumindest für Christian, Marion und Bruno. Und ungefähr so, wie beschrieben, schildert das Clemens Meyer und so zeigt das Thomas Stuber. Und so kann der Lesende und der Zuschauende auf einmal an sich selbst erfahren, was es bedeutet, in den Gängen seine Heimat zu haben.
Und sonst nirgendwo!

Film und Buch führen gleichermaßen mitten hinein: In die Gänge. Und wie sie das tun, ist atemberaubend, neuartig, kompromisslos und dennoch unspektakulär. Und so können im Film dann die Schauspieler zeigen, wie sie das Schweigen mit Seele füllen und die neonbeleuchteten, kalten Gänge mit Sehnsucht.

Das Seufzen des Gabelstaplers. Wie die Welle, aus dem das Mehr aus Meer besteht.
Ganz am Ende ist das zu hören. Da weiß man um das gnadenlose Schicksal der Protagonisten, kennt das Unentrinnbare in ihrem Tun.

Da erinnert sich der Leser/der Zuschauer an das Schnappen der zum Tode verurteilten Karpfen im Becken des Ganges "Frischer Fisch".

Und hofft.





WIKIPEDIA: IN DEN GÄNGEN---->

P.S. In diesem Post steht eindeutig das DREHBUCH von Meyer/Stuber im Vordergrund. Die Kurzgeschichte, die Allem voran geht, steht letztlich an letzter Stelle der Begeisterung. Aber immerhin, sie ist der Anstoß gewesen. Zu dem Weiteren. Diesem filmischen Wunder.