Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: www.paganinisberlin.de

Wegen anderer Projekte kann das Blog zur Zeit leider nur unregelmäßig "bespielt" werden!

Samstag, 15. September 2018

Die wunderbare "Parallelwelt"...

...des Kay Voges


Nicht gesehen im Berliner Ensemble von der Chefredakteurin....

 
 
In jedem Leben zeigt sich zumindest 1 Mal ein Mysterium. Und gerade mit diesem Blick darauf, hebt sich kurz der Schleier. Oder hebt sich zuerst ein Schleier und dann erscheint uns das Mysterium?
 
Ich erinnere mich, dass ich als Kind, in einer wachen Nacht, in der ich mich fremd und einsam und unverstanden fühlte, plötzlich den Umriss einer Frau zu sehen glaubte, die sich liebend über mich beugte. Irgendwann, wusste ich in diesem Augenblick, bin ich ganz. Ganz bei mir, ganz frei, ganz warm. Und Jahrzehnte später, es ist noch gar nicht so lange her, da war so ein Tag, an dem mir Alles richtig schien. Alles leicht und gut, weil genau so, wie es sein soll. Und ich erinnerte mich an diese längst vergessene Nacht meiner Kindheit und glaubte zu wissen, dass ich das damals selbst gewesen wäre, diese Frau, diese Erwachsene, die sich über das Kind gebeugt hatte. Besuch aus einer anderen Dimension als der von uns Gedachten, Besuch aus der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Besuch von mir bei mir.
 
Und nun bin ich ungewollt nicht zu Besuch in der Theater gewordenen Parallelwelt von Kay Voges und Aexander Kerlin gewesen, da schlicht zu spät. Die schnöden Gesetze der Materie halten mich diesmal fest. Das Taxi oder besser die Taxen, scheiterten am Thema Pünktlichkeit und sie scheiterten am Thema Verkehr in Zeiten des Berlin-Marathon und ich war, genau genommen, nicht dabei.
 
Dennoch behaupte ich, in einer Parallelwelt natürlich existent gewesen zu sein, und in der Nicht-Anwesenheit auf das Event bezogen gelebt zu haben, wie es sich vielleicht nicht einmal die Macher der "Parallelwelt" umständlicher gedacht haben können. 
 
Nicht anwesend und doch dabei, das kann sehr wütend machen.
So wütend, wie das Leben selbst und das macht ja bekanntlich nicht immer Spaß!
 
 
  
@Birgit Hupfeld
 

Ich habe mich wütend gefühlt, weil ich geboren wurde, und ich habe mich wütend gefühlt, dass ich nicht richtig krabbeln konnte (mit 2 Monaten) und ich bin wütend, noch immer, weil ich nie geheiratet habe und keine Kinder bekommen wollte und dennoch selbst irgendwann nur noch krabbeln werde und obendrein auch sterbe.

All diese Stationen eines durchschnittlichen Menschenlebens sind in mir lebendig, als ich den Taxifahrer bitte, mich wieder nach Hause zurück zu fahren, obwohl das Berliner Ensemble in schwarz-gelb mit "Die Parallelwelt" nahezu hämisch zu mir winkt. Die Zeit des Einlass in die Vorstellung allerdings ist verronnen und meine physische Abwesenheit vom Schicksal beschlossen.

"Doch was ist wirklich? Alles was sich messen lässt? Welche anderen Wirklichkeitsräume gibt es und welchen Einfluss haben sie auf unser Leben? Was ist mit Traum und Fantasie? Welche Rolle spielen Gedanken und Vorstellungen? Erschaffen wir die Welt in unserer Vorstellung oder können wir uns nur vorstellen, was der Fall ist? Was aber ist der Fall? "(BE zum Stück)

Ich werde es nun nicht erfahren. Mir schwirrt der Kopf, von all den vorbereitend gelesenen, nahezu existentiell erscheinenden Überlegungen. Nichts wie zurück. Zurück ins überschaubare Rixdorf.

Diese dummen "Parallelwelten" konnte ich nicht sehen (obwohl ich eine PREMIEREN-KARTE ergattert hatte) und nun feiern alle diese Premiere und ich weiß, da ist mir wirklich was entgangen oder vielleicht hätte mir das alles nur weh getan oder mich nur begeistert oder mich fertig gemacht.

Aber ich kann das nicht mehr frei entscheiden und nicht beurteilen.
Denn ich war Hier, aber nicht DORT!
Und das ist Shit.

Und wahrlich nicht beneidenswert!
 
 

Ich war zur Premiere/Uraufführung leider nicht ----->HIER

"Vom Tod bis zur Geburt":
https://www.kulturwest.de/schwerpunkt/detailseite/artikel/kay-voges-theater-und-digitalisierung/
 

Sonntag, 26. August 2018

Aus der wunderbaren Kladde...

…der Paganini´s-Redaktion!



Hörst Du, in den Ästen, das Knarzen der Geister?
Beinhart und blau, in ihrem Schmatzen kieferlos,
kein Zahn kann mahlen, hörst Du?
Kein Zahn in diesem Reißen und in diesem Rascheln,
keine Lippen fürwahr, nur das Purpur der Fäulnis,
im verdorrten Holz.
Siehst Du ihr Gleiten, ihr unruhiges Flattern, blau sind sie,
blau gesoffen vom Saft der Jahrhunderte, der in den Adern fließt,
in den Furchen, unter der Rinde. Hörst Du, wie sie gierig sind,
wie sie schlürfen, hörst Du ihr Saugen, am ewigen Tropfen.
Eng stehen die Bäume. Sie wollen sich stützen. Sie wollen
verjagen, das nächtliche Treiben. Und können nichts richten:
Nur stehen und warten und –
Irgendwann fallen!
(Menschenlichter im Tollhaus, Notiz zur "Weltesche")

Boncuk, der Kater, in der Redaktionskonferenz:

Was würde wohl Paganini, der Kater, dazu sagen. Hätte der das durchgewinkt?
Ach, meine Täubchen, ihr habt ja recht, das ist nicht die Frage, denn dazu gibt´s nur das große Schweigen.
Und wenn uns nichts Besseres einfällt, dann verlängern wir eben unser Päuschen!

Und Boncuk, der Kater, rollt sich umständlich ineinander und fällt sogleich in einen tiefen, schönen Schlaf...

Montag, 16. Juli 2018

Big Somma-Bause der Paganini´s

 
Die Big Mudigkeit brrreidet ihre Schwingen über
den Kopfen der Paganini´s-Reduktion aus!
Bause und Pause sind nödig.
 
 
 
 
Somma-Bäuschen bis Ende August!
Winkawinka!

Sonntag, 8. Juli 2018

Alljährlich lockt der Bachmann-Preis...

…und 14 Tapfere kommen!





 So natürlich auch „Heuer“, wie man zu sagen pflegt und wir waren dabei. Denn wir haben TV geglotzt, als Stream via Internet. Boncuk, der Kater, ist im Vorfeld getrieben von der Devise: 
“Ich bewerbe mich nur dann, wenn ich sicher sein kann, dass ich den Preis bekomme!“ 
Und da die Redaktionsmitglieder, also ME, bedenklich mit dem Kopf mal nach rechts und dann wieder nach links wippten, entschied er weise, dass er seine besten Texte zunächst noch schreiben wolle, bevor er sie vor Publikum und Kritiker-Instanzen einem „allzu erwartbaren Misston“ überlasse.
Zufrieden also begannen für uns die Tage der deutschen Literatur mit einem Glas Schampus in Hand und Pfote und einem Staunen darüber, wie vorhersehbar zumindest so eine Bachmannpreis-Eröffnung zelebriert wird:

 Weiß und heiß ist der Raum des „Theaters“ (der Manege), die stilvolle Askese wird durch zwei Säulen mit der Aufschrift „LITERATUR“ sinnig ästhetisiert. Cool Jazz als auflockerndes Element der notwendigen Rituale, wie sie in der Vorstellung und im Einzug der Jury-Mitglieder bestehen und später im Lose ziehen der, bis auf Eine, eher lässig gekleidet zu nennenden Dichterschar. Die große Dame, die hier durch modischen Schnickschnack aus der Rolle fiel, sorgte auch bei der Lesung Ihres (von Walser und Houellebecq) inspirierten Textes für Aufsehen.


Die Jury wählt alljährlich klug aber diskret durchdachte Mode-Kombinationen aus "leger" und "amtlich" für die Außenwirkung. Allein Gomringer, als Künstler-Kritikerin, darf durch T-Shirt-Aufdrucke a la „Hallo Mama“ ihrer Exotik Ausdruck verleihen. Heißer noch als die Scheinwerfer der Fernseh-Teams, glüht diesmal das Herzblut des Festredners Zaimoglu, verewigt in den (mit selbigem) nieder geschriebenen Worten zur Literatur: „Wir schreiben, wir lesen, wir kämpfen. Wir stehen bei den Verlassenen!“ 
Ob diese Predigt in Leidenschaft den 14 tapferen Gladiatoren eine ruhigere Nacht vor dem Lese-Marathon schenken konnte, bleibt ein Geheimnis.
Und dennoch treten sie tatsächlich alle an, Keine und Keiner scheut, vor dem selbst gewählten Parcours. Wir wollen egoistisch bleiben. Wir wollen genießen und Freude Freude sein lassen, auch wenn sie einmal der Schadenfreude nahe kommen sollte. Ein langes Gesicht, das Grund hat, ein langes Gesicht zu sein, angesichts vielleicht eines tadelnden oder gar verständnislosen Kritiker-Statements, kann auch manchmal Freude bereiten. Muss aber nicht. Jedenfalls nicht zwingend.

Dass ein öffentlich „zur Schau“ gestelltes Wett-Lesen mit anschließendem „Tribunal“ als unmenschlich zu erachten sein mag, da  es sensible Seelen quälen könnte, wird von uns als Gedanke schnöde hinweg gewischt.
Der Mensch ist sowieso ein Guter nicht. Erstens! Und hier winken Preise und Publicity. Zweitens! Und Drittens ist das „Vorlesen“ eine uralte Tradition der Menschheit. Und Viertens: Wann gibt es das  im Fernsehen, so penetrant durchgezogen, 3 Tage TEXT, den es auf sich wirken zu lassen gilt. Und obendrein ein Text-Diskurs, der erlaubt, den Literaturkritikern bei der Arbeit zuzusehen. Und vielleicht kann man auch etwas lernen. Beispielsweise, weil in diesen 3 Tagen ein kleiner, aber vielleicht auch repräsentativer Überblick über gegenwärtiges Schreiben geboten wird. 

Vermittelt durch die Schreibenden in ihrer jeweiligen Lesung. Und weil zu hören ist, dass die Literaturkritik das Präzise und das Radikale will. Und diese Begriffe dann trotzdem sehr unterschiedlich ausgelegt werden, obwohl das doch so klare Begriffe zu sein schienen.
Für uns. Bis zu diesen Tagen in Klagenfurt.


Am letzten Tag der tddl haben auch wir unsere klaren Favoriten heraus gehört und nun wird noch als Zugabe die freudvolle Regung des „Mitfieberns“ möglich. Bov Bjerg und Joshua Groß. Die wollen der Kater und die Redaktion ganz oben auf dem Siegertreppchen sehen. Wir halten den Sieg für aussichtsreich, doch die Jury schlägt noch in den letzten Abstimmungs-Minuten Haken über Haken. 

Groß fliegt aus allen Pokalen raus und Anna Stern bekommt „überraschend“ den 3Sat-Preis. Wiesooo?
Joshua Groß wurde doch in den anderen Wahlgängen viel häufiger genannt und die Jury war doch so gar nicht zimperlich in ihrer Diskussion und sorgte bei Stern für besagtes langes Gesicht. 
Da schlägt´s aber 13, da verstehe Einer die Logik. 
Um Namen zu kurz und um Namen zu lang zuvor auch die Short-List. So will es uns scheinen.

Wallung des Zuschauer-Bluts bis zur letzten Minute. So soll das doch sein. Im gelungenen Fernsehen.
Wir sind also reich beschenkt worden, von diesem (stets im Vorfeld aufs Neue als fragwürdig eingestuften) kulturellen und öffentlichen Event und sagen „Danke“!

Aber nun ist es auch erst einmal wieder gut.




Freitag, 8. Juni 2018

Der wunderbare Buchanfang: XXII. Teil


"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"

(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet
sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Heute ein Buch, wie gemacht für den Sommer, in dessen gleißendem Licht man den Druck der unruhigen Nächte im Nacken spürt:



Javier Marias, "Während die Frauen schlafen"



Für Daniella Pittarello-
mit ihren vielen praktischen Kenntnissen



Drei Wochen lang sah ich sie jeden Tag, und jetzt weiß ich nicht, was aus ihnen geworden ist. Wahrscheinlich werde ich sie nicht mehr wiedersehen, zumindest sie nicht, denke ich, ganz selbstverständlich nimmt man an, daß Unterhaltungen und sogar vertrauliche Mitteilungen während der Sommerzeit keinerlei Bedeutung haben müssen. Niemand hat etwas gegen diese Annahme, nicht einmal ich selbst, jetzt, da ich an sie denke, oder sie gar ein wenig vermisse.
Vage vermisse, wie alles, was verschwindet.



Foto@Paganinis





Nun also der zweite Sommer der Paganini´s-Redaktion mit diesem Büchlein vor der Nase, in der Hand, in der Tasche und auf der Wiese. Über uns der blauste Himmel, den diese Stadt manchmal zu bieten hat, im vergangenen Jahr wäre uns (bei Dauerregen und ohne Arche Noah in Sichtweite) niemals der Sinn nach Marias gestanden. 

Dies Flirren aus Licht braucht diese Lektüre, denn nur in der gleißenden Sonne bildet sich ein Sinn heraus, der Halluzinationen hervorruft, diese illusionären Verkennungen, die mal irrwitzig beglücken und dann wieder das hämische Gelächter einer nicht zu fassenden Macht ertönen machen. 

"Neun geisterhafte Geschichten mit schlafenden Frauen" sorgen für ein "rätselhaft skurriles Lesevergnügen" (Klappentext dtv), das den Meister der brillanten Sätze mit XXL-Überlänge, erneut zu einem unserer erklärten Favoriten der gegenwärtigen Weltliteratur macht. 







Sonntag, 22. April 2018

Die wunderbare "Endstation...

...(namens) Sehnsucht"!


Michael Thalheimer und das Stück von Tennessee Williams im Berliner Ensemble
(Die Chefredakteurin berichtet von der Premiere)


@Matthias Horn
Erwartungen hasst er, der Michael Thalheimer. Er hasst sie ungefähr so sehr wie Requisiten, von denen es dann folgerichtig in seinen Inszenierungen fast keine oder sehr viele gibt. Und weil ich vor der Vorstellung, der Premiere von "Endstation Sehnsucht", diesem Psycho-Spiel von Tennessee Williams, natürlich dann doch noch einmal den Film-Klassiker mit dem Raubtier Brando und der verletzbaren, leicht angestaubten Elfe Vivian Leigh gesehen habe, fällt es mir nun, auf dem Weg zum Berliner Ensemble, ziemlich schwer, mir vorzustellen, wie ich durch willentlichen "Wegwurf" meiner nicht steuerbaren Erwartungen, dem eigenwilligen Wunsch des Regisseurs entgegen kommen könnte, in Richtung "weit weg vom Film" zu denken, so wie er sich das, in Vorgesprächen seiner Umsetzung des Stoffs, gewünscht hat.

Ein Stoff übrigens, der wieder einmal vom Intendanten des Hauses vorgeschlagen worden ist.
Drama, Baby, Drama. Aber zeitgenössisch. Oder so.

Thalheimer und dieser, geradezu psychoanalytische, an Freud geschulte Text, Thalheimer und Kazans Filmvorlage, Thalheimer und massenweise auf ihn einstürmende Erwartungshaltungen, wie zum Beispiel auch diese, dass, wenn er schon weit weg vom Film-Klassiker inszenieren will, er dann doch sich selbst (also den Regisseur M. T.) zitieren müsse, indem, am Ende und am Anfang und zwischendurch, Ströme aus Blut die Bretter der Bühne in Scharlach färben. Denn Blut, diesen besonderen Saft, den mag er, der Thalheimer.
Und Trommeln!

Erwartungen, Erwartungen, wie soll ich Euch entkommen!

In die schaukelnden Sitze der S-Bahn geschmiegt, versinke ich in fast delirierenden Vor-Stellungen, getriggert durch das, was man als Thalheimer-Vorurteil in den tiefsten Tiefen seines Theatergänger-Unterbewusstseins abgespeichert hat:
Ein grandioses Nichts aus Grau, das wird die Bühne sein und hie und da die Farbe ROT.

Im Mittelpunkt, sehr konzentriert (hinter Gittern vielleicht) zwei Box-Kämpfende oder zwei Ringende, die sich umschleichen, umtänzeln und auf den K.O.-Schlag warten. Kowalski und Blanche!
Jeder für sich und jeder für den Anderen.
Zwei wie Archetypen, zwei von unterschiedlicher Coleur, das "Animalische" versus "Dekadenz" beispielsweise oder das "Dionysische" (bereits lädiert) gegen das "Apollinische" (sehr lädiert).
Endstation Sehnsucht entpsychologisiert und entschlackt. Herunter gebrochen auf Archaik.
Hach!

@Matthias Horn
Gelb-Schwarz grüßen die wehenden Fahnen. Good bye, my personal  "streetcar named desire". Ich bin da.
Und auf geht´s, zur Realitätskontrolle, nun in den roten Samt des Sesselchens meiner Tribüne gefläzt. Erwachend aus meinen Träumen, hinein in Jene, aus Thalheimers Vision:

Olaf Altmann, dessen "schlichte und ergreifenden" Bühnenbilder dem System Thalheimer einen originären Stempel aufgedrückt haben, findet für "Endstation Sehnsucht" eine, in die bronzene Metallwand eingelassene "schiefe Bahn", einen beklemmenden Raum der Enge, der von Ferne auch an den Querschnitt eines sinkenden Schiffs erinnert, dessen Rumpf noch einmal in den Himmel ragt, bevor vollständig im Dunkel versinkend.
Dieses Bühnenbild ist bestimmend für die Atmosphäre und Spielweise der Inszenierung. Es raubt mir sofort den Atem, erhöht die Spannung und verdichtet die Handlung im wahren Sinne des Wortes. Nein, Naturalismus ist das natürlich nicht, denn den mag der Regisseur auf der Bühne nicht leiden, dafür aber sinnige Chiffre aus den Labyrinthen der Psychologie, also doch wieder irgendwie verwandt mit Formen der Antike, diesem Ur-Pool des kollektiven Unbewussten.

Sprache und Personenführung erscheinen mir (im Vergleich zu Kazan) entmelodramatisiert, dafür roher, rauer, klarer. Jawohl, der Film ist Film, ab hier hat er in meinem Kopf nichts mehr verloren und die großartigen Theater-Schauspielenden, allen voran Cordelia Wege als Blanche - mit zappelndem Fingerspiel und dennoch auch mit Willenskraft - und Andreas Döhler als Stanley - in seiner Verletzbarkeit noch gefährlicher lauernd der Gewaltausbruch - überrennen mein Gedächtnis und knipsen sie aus, die zuvor neu gespeicherten Film-Bilder, die zum Vergleich herhalten sollten. 
Runtergerissen ist das Stück durch Thalheimer auf die Gewalt des nackten Überleben-Wollens widerstreitender Kräfte, am Ende unterliegt die vollständig zerstörte Blanche, dieser Fremdkörper in Stanleys Welt, von diesem niedergerissen und sadistisch zerspielt. Die Realität des Animalischen (Das Recht des Stärkeren) verbittet sich Schönheit, erst recht jene, die der virtuellen Welt der Fantasie entspringt. Lebenslügen indes blühen, hier wie da, was das Zeugs hält und werden notfalls mit der Faust zum scheinbaren Recht geschlagen.
Ein intensiver Abend!
Nichts für zarte Gemüter. Aber etwas für die (momentan ziemlich aufgewühlte) Berliner Theaterwelt!
Nämlich Theater, für das man hier ist, gerne, trotz Allem, in diesem Moloch Berlin!
Der deutsche Titel "Endstation" ist von statischer Endgültigkeit, sanfter mutet da das englische Original an, Bewegung durch die "Motivation des Verlangens" implizierend.
Mit dem Taxi nach Hause! Endstation!
Keine Sehnsucht mehr. Ich bin satt. Für den Moment!




 
Ich war zur Premiere----> HIER

Und ein schönes Gespräch mit Michael Thalheimer:
"Kunst entsteht aus Schmerz"!
http://www.deutschlandfunkkultur.de/regisseur-michael-thalheimer-theater-das-wehtut.970.de.html?dram:article_id=415176
und hier: "Was heutzutage fehlt, ist Moral"!
https://www.morgenpost.de/incoming/article214058527/Was-heutzutage-fehlt-ist-Moral.html


Boncuk, der Kater, mit grünglasigem Blick in der Redaktionskonferenz:

Einmal den Stanley Kowalski geben, ein einziges Mal.
Ach, meine Täubchen!
Ihr würdet den Brando sowas von aus dem Gedächtnis schmeißen, sowas von rausbrennen würdet ihr den, der hat doch abgekupfert, nur eine lausige Kopie gegeben, mit seinem Schleichen und seinem Fauchen. Er wollte sein, ICH aber BIN!
Gääähhh! Grrr!

Donnerstag, 12. April 2018

Aus der wunderbaren Kladde...

...der Paganini´s!




Boncuk, der Kater by Paganini´s



Und wenn 

Und wenn auch die Nussschale untergeht.
Ich bleibe an Bord, bin mein eigener Kapitän.


Und wenn sie Zimt und Zucker ins Auge streuen.
Ich sehe klar und lass mich nicht beirren. 


Und wenn die Sonne im Westen auf und im Osten unter geht.
Mein Kompass steht bereit und weiß Bescheid. 

Und kennt den Weg, den es nicht gibt,
den abgesoffen und blind, ich dennoch geh.

 
Und wenn?
Dann auch!
(aus unserer Kladde, hier Boncuc´s erste, verschämte Kritzelei, April 2018)