Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: www.paganinisberlin.de

Wegen anderer Projekte kann das Blog zur Zeit leider nur unregelmäßig "bespielt" werden!

Montag, 25. März 2019

Der wunderbare Buchanfang: XXIV. Teil


"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"

(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Diesmal ein Buch, wie es melancholischer und skeptischer kaum denkbar ist:

Roger Willemsen, Der Knacks

 Alle wurzeln im Märchen: Ich war einmal. Eine Reihe von Wegmarken später, und alles steht fest und muss nicht mehr erzählt werden: "und wenn sie nicht gestorben sind..." Wie jemand wurde, das erklärt er anhand von Ernstfällen - als sei ein Individuum erklärbar aus der Summe seiner Narben. Doch dann ist da noch eine andere Biographie: "Irgendetwas " hat sich gewandelt, sagt man, "irgendwann" war es da, "irgendwie" von innen heraus, gelöst vom isolierten Anlass, nicht logisch und auch nicht im Gegenteil psychologisch. Man blickt zurück und weiß nicht recht, was es war und wann es geschah und woraus genau es bestand und wohin es führte, aber man sagt: Nie mehr fühlte ich wie damals...


Petit Pati präsentiert den "Knacks"


Das ist der Knacks. Er lässt sich nicht einfach greifen und bearbeiten und dann ist er wieder weg. Der Knacks schleicht sich ein und er nistet sich ein und er breitet sich aus, in der Psyche, in der Betrachtung, im Denken, ja, der Knacks prägt von diesem einen Moment an, in dem er - unmerklich fast - geschieht, das weitere Leben eines jeden Einzelnen. Der Knacks ist individuell und doch universal, in jedem Leben zu finden und doch nicht kollektives Geschick. 

Der Knacks ist nicht mal eben so einzufangen, da braucht es schon 290 Seiten, die zunehmend den Ernst der Lage verbreiten, um von meisterlichem Geiste be- und umschrieben zu werden. Roger Willemsen gewährt in diesem Buch einen Blick in seine melancholische, wenn nicht gar tieftraurige Seelen-Seite, macht aber nie vergessen, dass er auch schreibend ein brillanter Conferencier ist. So reiht sich im Knacks Bonmot an Apercu, dass es eine reine Freude ist, obwohl doch voll der herzzerreißenden Tristesse. 
Vorsicht dennoch: der Knacks  ist hoch ansteckend!

  

Sonntag, 3. März 2019

das wunderbare erbauungsstück:

der tempelherr von Ferdinand Schmalz

(Die Chefredakteurin berichtet von der Uraufführung in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin)


PlakatDT@Paganini´s

Was sind das für Theaterstücke, was für Inszenierungen, die mich nicht sofort wissen lassen, was ich von Ihnen halte?
Da gibt es doch sonst diese Sachen (und ich nenne das jetzt einfach mal so, bezogen auf Theater-Erfahrungen), die mich mit sich reißen, ob ich will oder nicht und diese Sachen, die mir nichts zu sagen haben, aber dennoch faszinieren und diese Sachen, die mich abstoßen und dennoch auch anziehen und dann, natürlich, diese Geschichten, die mich langweilen und/oder die ich einfach schlecht gemacht finde. Da weiß ich doch, am Ende des Abends, was ich fühle, nachdem ich das gesehen habe, das weiß ich doch meist schon, wenn ich in meinem Theatersitz versinke und mich auf die Bühne konzentriere. Das weiß ich in der Regel (subjektiv für mich selbst) sofort, dieses: Daumen hoch, Daumen runter.
Dieses "Gefällt" oder "Gefällt halt mal nicht".

Hier und Heute weiß ich erst einmal gar nichts. Und später auch nicht.

Nach ungefähr 15 Minuten sehe ich mich an den Gedanken ausgeliefert (das kann passieren, auch im tollsten Stück Theater), dass ich fürchte, unlustig zu werden und mich für den Rest der Aufführung zu mopsen. Dann kommt just in diesem Moment Spannung im Theater-Geschehen dazu.
Der Ferdinand Schmalz hat an diesem Abend einige Spannungs-Steigerungen eingebaut - sprachlich und inhaltlich - und ich langweile mich nicht mehr. Es genügt nur nicht.
Oder besser: Der Abend überzeugt mich nicht.

Mir fehlt absolut jede Einsicht, worin ich dem Ensemble oder der Regie von Philipp Arnold einen Vorwurf machen könnte. Ich denke nur leider während der Vorstellung immer mal wieder, dass ich diesen Text vom Ferdinand Schmalz viel lieber als ein Stück Prosa in einem dünnen, bibliophilen Bändchen lesen würde als zuzusehen, wie dieser Text letztlich krampfhaft versucht, für das Theater gemacht zu sein.

Um es noch profaner auszudrücken: Mir fehlt Heinar, der titelgebende Tempelherr, dieser Außerirdische, dieser Außenseiter oder auch Ausnahmemensch (vielleicht schlicht: dieser Künstler), von dem der ganze Abend durch einen Chorus aus Ehefrau, Schwiegervater, Freunden und Schaulustigen erzählen lässt, der allerdings selbst nicht für Berührung sorgen darf.
Weil Gottvater und Erfinder von Heinar - also der Autor - das so beschlossen hat.

Dieser, natürlich gewollte und reflektierte Kunstkniff, führt wohl zu einem intelligenten Blick auf die Herrschaft der Öffentlichkeit und die Diktatur gesellschaftlicher Erwartungen (im Sinne der Konformität), aber es schmälert gewaltig die dramaturgische Spannung des Ganzen.

Man stelle sich eine antike Tragödie vor, in der außer dem Chor tatsächlich kein Tragöde auftritt.

Diese Leerstelle muss ziemlich fragwürdig und gewollt das "Kind" des "Helden", ein Zwitterwesen aus Mensch und Insekt, füllen. Einerseits verwandt mit Ikarus und Co, ähnelt es gleichsam Gregor Samsa. Allerdings ist auch von Diesem nur in der indirekten Rede zu hören.
Was das für eine Kreatur ist und warum sie ist, wie sie ist, steht nicht zur Debatte.

Und warum kann ich nun keine Kritik schreiben, in der ganz naiv steht, dass mir der Abend nicht gefallen hat?

1.) Weil der Text grandios ist, in seiner Intelligenz, seiner Tiefe, in seiner Vielschichtigkeit und seinem Witz.
Wie bereits gesagt, das wäre als Prosa der 2. Bachmann-Preis für Ferdinand Schmalz.

2.)Weil das Ensemble und der Regisseur das Bestmögliche ermöglichen.
Dass der Heinar fehlt, ist ja nicht deren Schuld!

Und vielleicht fehlt er ja auch nur mir, der Heinar, und sonst Niemandem.
Man wird sehen!
Am Ende des Abends jedenfalls einhellig Jubel von Seiten des Publikums!
(Und ein unsagbar sympathischer F. Schmalz, mit sehr großen Verbeugungen)





Wir waren HIER--->


WIKIPEDIA zum Begriff Erbauungsliteratur. (F. Schmalz spielt mit diesem Begriff und nimmt ihn wörtlich):
Der Begriff Erbauungsliteratur, der erstmals um das 14. Jahrhundert erwähnt wird, beschreibt ursprünglich volksnahe Schriften mit religiöser Motivation. Bei der Erbauungsliteratur handelt es sich nicht um theologische Literatur, da sie keine wissenschaftlichen Diskurse verfolgt und keine dogmatischen Absichten besitzt. Vielmehr war mit den Veränderungen der Neuzeit eine Konzentration auf die Innerlichkeit zu verzeichnen, die sich durch gesteigerte Frömmigkeit hervortat. Es handelte sich um eine Anleitung für ein tugendhaftes Leben, die emotional den Geist erbauen sollte.

Donnerstag, 7. Februar 2019

Alljährlich grüßt der Herr der Bären...

...und gibt sein Motto aus: "Das Private ist politisch!"



Film liegt in der Berliner Luft. Kino. Und das Politische. Beides vereint im grauen Himmel über Berlin. Viele Fragen und Erwartungen rieseln hinunter. Das Kritische sowieso. Es ist die Zeit gekommen, die Zeit der Berlinale. Denn Zeit kommt. Und Zeit (ver)geht. Und dazwischen ist ein Film. In diesem Fall sogar 400 an der Zahl. Darüber schwebt ein Slogan: "Das Private ist politisch"!
 
Gefunden hat ihn Dieter Kosslick, der seit 18 Jahren - alljährlich mit der Vorstellung des Berlinale-Programms - einen (passend zu seinem legendären Schal) roten Faden benennt, der sich thematisch durch die Vielzahl der ausgesuchten Filme zieht. Ein Halt in Zeiten der Unübersichtlichkeit, ein Rahmen für alle Sektionen, Ästhetiken und Stile.

In der aktuellen Jury-Pressekonferenz stürzen sich die Journalisten dankbar auf dieses Stöckchen und löchern zunächst die Jury-Mitglieder und bald darauf auch RegisseurInnen und SchauspielerInnen mit der Frage nach dem Bezug vom Film zum Politischen und umgekehrt. Die Findung des "Berlinale-Mottos" ist unbestreitbar eine der großen (vielen!) Findungen des Berlinale-Chefs.

Juliette Binoche, die diesjährige Jury-Präsidentin, bleibt in der Antwort verhalten und beschwört weniger die aktuelle Weltlage, als das Allgemeine: "Es muss menschlich sein. Und wenn es menschlich ist, dann ist es auch politisch". 

So ist es natürlich eine bewusste Setzung, dass der Eröffnungsfilm des Wettbewerbs von Lone Scherfig einer Botschaft mit therapeutischer Wirkung gleicht. Eine Frau auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann, mitten in der klirrenden Kälte der Großstadt New York, 2 Kinder an den Händen und mittellos, trifft in der Fremde auf Mitgefühl und menschliche Anteilnahme.
So könnte es gehen in der Welt und mit der Welt! Und so kann es gehen im Kino, wenn politische Themen auf intime Weise angesprochen werden!

Denn Kino ist eine Sprache. Das sagt nicht nur Elfriede Jelinek, das sagt auch Juliette Binoche.
Und "Film ist eine transzendente Erfahrung". Das sagt Jury-Mitglied Trudie Styler. Und eine magische, kollektive Erfahrung obendrein. Ach, Kino ist so Vieles!
"Film ist Bewegung, ein Zeitvergehen, das auf genauester Planung beruht. Nur die brutalsten Maßnahmen können die Bilder zwingen, sich in eine bestimmte Aufeinanderfolge zu begeben und dort zu bleiben, in der Bewegung, aber man hat sich vorher genau ausgerechnet, wie das zu geschehen hat. Film suggeriert, daß alles, was ist, berechenbar sei. Aber jedes Leben, auch das eigene, vergeht, während man sich noch diesen oder jenen Film auf der Leinwand anschaut. Das eine Vergehen, das im Film, kann man berechnen, das des eigenen Lebens nicht..." (Elfriede Jelinek) 
"Kino ist auch nichts anderes als ein überhöhter Moment des Widerstands gegen die Vergänglichkeit. Das klingt einfach, ist aber tröstlich." (Juliette Binoche)
Womit wir wieder bei der Zeit wären, die ja ebenfalls stets eine politische ist. Eben eine jeweilig politische. Das Kino kann die Zeit einfangen. Das Theater muss sich mit der Zeit herum schlagen.
Und mit dem Politischen. "Theater und politische Bildung – geht das überhaupt zusammen?" fragt
sich Christian Rakow und mit ihm die Theater und ihr Publikum. Der Film und die Berlinale scheinen leichtfüßiger damit umzugehen.

Irgendwie um Zeit und um das Politische und um das Kino  geht es auch bei Rene Pollesch und seinem jüngsten Streich im Deutschen Theater Berlin. Da erinnert er mit "Black Maria" an das erste kommerzielle Filmstudio der Welt (mehr dazu in Kürze).  
"Beim Film lässt sich beobachten, dass die meisten, die über ihn nachdenken entweder an die Bewegung glauben und das Bild übergehen, oder am Bild festhalten und die Bewegung übergehen. Sie berücksichtigen dann nicht den Film, der zum Beispiel, wie etwa beim Kinematographen 50 Prozent dessen, was beim Schauen vor den Augen liegt, im Unsichtbaren belässt. Und darum müsste es vielleicht gehen..." (Tja, Rene Pollesch)
Hier also hat er das Laufen gelernt, der Film: "Die Filme aus dem Black-Maria-Studio zählen zu den ältesten Aufnahmen der Filmgeschichte. Die meist unter einer Minute langen Filme wurden zunächst in Kinetoskopen vermarktet, ab 1896 wurden die Filme auch auf Leinwand projiziert." (Wikipedia)

Herausgekommen ist ein Erzeugnis wie Dieses. Ein Zeugnis für die These, "dass der Film wohl Vergänglichkeit gleichermaßen verhindert als auch dokumentiert." (Boncuk, der Kater!)
 

  
Die Frauen-Quote hat es zu Zeiten der "Black Maria" eindeutig nicht gegeben.  Der Fortschritt seitdem ist unübersehbar. Da ist die Wettbewerbs-Jury, die von einer wunderbaren Frau angeführt wird. Und von den 17 Filmen des Wettbewerbs, entstanden 7 Filme unter weiblicher Regie. Immerhin. The Future is Female!
 
Und noch einmal die Vergänglichkeit der Zeit. Der Abschied von Dieter Kosslick rückt nahe. Ein Ständchen von Anke Engelke und Max Raabe lassen fast eine Träne sichten, in den Augen des Direktors. Die Kamera hat sie aufgefangen. Auf ewig archivierbar. Dazu Standing Ovations!
 
Alexander Scheer sitzt im Gala-Publikum und sieht aus wie David Bowie.
Wiederauferstehung geht eben auch. Manchmal. Wo auch immer.
 
 
 
 Alles rund um die Berlinale wie immer unter www.berlinale.de


Freitag, 18. Januar 2019

In Stanniolpapier...

…will ich gewickelt sein...


(Die Redakteurin hat sich nun endlich "In Stanniolpapier" im Deutschen Theater Berlin
angesehen. Und sie ist hingerissen.)





Ganz ehrlich? In dem Fall: Sei´s drum!
Gemeint ist der Ur-Text. Also der Grund des Theater-Skandals 2018. Entschuldigung Herr Deigner. Aber die Kunst muss tun, was die Kunst tun muss. Und die Kunst von Herrn Hartmann und auch die Kunst von Frau Pöppel musste GENAU so. Und die Kunst von den Herren Harder und Büttner musste ebenfalls so. Und das ganze "In Stanniolpapier" konnte gar nicht anders, als NUR so. Denn mehr Total-Theater ist nicht denkbar!

Das ist mein Resumee. Nach eineinhalb Stunden eines fordernden, intensiven, dichten Theaterabends.
Ein Theaterabend, vor dem ich mich gescheut -fast geängstigt- habe. Und ein Theaterabend, der sehr viel Aufsehen erregt hat, nachdem er unglückseligerweise im Rahmen der Autorentheatertage 2018 seine Premiere erlebte. Und der diesen eng gesteckten Rahmen sehr eigenwillig aufzusprengen wusste. Ein theatraler Grenzgang eben, ein überbordender Trip, der das umformen und rausschmeißen musste, was eigentlich den Anstoß zu seiner Geburt gegeben hatte: Den Text von Björn SC Deigner!

Dass dies so kommen könnte, ist allerdings vorhersehbar gewesen. Sebastian Hartmann äußert sich in einem auf Youtube zugänglichen Interview zu "Gespenster" bereits 2017 unmissverständlich zu seiner Herangehensweise an Textvorlagen.

In diesen wolle er, so sagt der Regisseur sinngemäß, eine eigene Geschichte finden, die ihn persönlich interessiere. Er fände diese in Sujets, Verdichtungen,  Momenten eines Textes. Mit diesen Bruchstücken könne er viel mehr anfangen, als sich "auf den Zeitstrahl der Narration" zu setzen, hinter dem sich dann auch das Publikum zu bequem verstecken könne.

Der Text als Steinbruch also. Bei dem das unterste zuoberst gekehrt wird. Sebastian Hartmann genügen kleine, sinngebende Sprachfetzen (neben einem etwas längeren Intro) als dehnbare Fassung für einen Psychotrip, einen "Zustand" wie Linda Pöppel es nennt, der das Thema vielgestaltig zu einem fast schon gewaltsamen Übergriff auf den Zuschauer werden lässt.

In einem Meer aus Farben und wummernden Bässen versinken, tanzen, kämpfen und ringen die 3 meist nackten Körper. Die durch Tränen und Schreie und Geilheit verzerrten Gesichter abgefilmt auf Großleinwand. Es gibt kein Entrinnen Hier. Nicht für die Schauspieler, die zu ihren Figuren werden. Nicht für die Zuschauer, denen diese Überwältigungs-Ästhetik die Distanzierung verweigert. Hier bleibt nur: Abwehr oder Hingabe. "Jetzt bitte Schluss", das denke ich 2 Mal in diesem Höllen-Ritt. Jedes Mal zieht mich ein überraschender Kniff dieser Ästhetik erneut in den Bann.

Nein, es gibt kein Entrinnen!

Für diese Quintessenz, diese Lesart des Theater-Textes hat sich Sebastian Hartmann gegen dessen ursprüngliche Intention entschieden. Er glaubt der Prostituierten bei Deigner, genannt Maria, nicht die behauptete Selbstbestimmung.
"In Deigners Text kehrt Maria nicht ihr Innerstes nach außen, sondern es verhält sich gewissermaßen umgekehrt: Sie betrachtet sich selbst, aus großer Distanz. Mit seiner Inszenierung sucht Sebastian Hartmann nach genau diesem Verdrängten: nach dem, was hinter einer Oberfläche bebt, was unter einer Schädeldecke verborgen ist." (DT-Berlin)
Und so setzt er ein, der psychedelische Reigen, bei dem immer auch die psychologischen Facetten zwischen Täter  und Opfer offenbar werden. Gerade hier nochmals ein dreifach Hoch den Schauspielern!

Am Anfang ist der Schmerz. Am Ende ist der Schmerz. Dazwischen ist der Schmerz.
Der Schmerz kommt in und durch Begleitung. Die Symbiose und die Abhängigkeit und die Verzweiflung ist immer im Gepäck. Die (un-)heilige Dreiheit aus Pöppel, Harder, Büttner gerät (und führt)  immer tiefer in den Kreisel.

Am ENDE - endlich - Applaus!


P.S. Sehr gespannt darf man sein, wenn mit der ersten, echten Uraufführung des Deigner-Stücks eine ganz andere Version des vielschichtigen Themas auf die Bühne kommt.

Mehr zu dieser Aufführung im DT-Berlin HIER--->

Dienstag, 25. Dezember 2018

Und der Haifisch, der hat...

...Zähnäh und die trägt er im Gesssicht und Mackeath, der hat ein Messa, doch das Messa sieht man nicht...


(Die Chefredakteurin berichtet über die legendäre Inszenierung von Robert Wilson am Berliner Ensemble)




 Und die Toten erwachen zu Leben. Und es ward Licht. Aber nur im Schatten-Ton.
Ich kenne sie alle auswendig. Jeden Song. Seit ich denken kann. So will mir scheinen. Kanonensong. Jenny-Song. Mackie Messer-Song. Erst kommt das Fressen-Song. Und dann kommt die Moral-Song. Und die Quintessenz, die kannte ich auch schon, seit ich Bert Brecht und Lotte Lenya und Kultur und das Ganze denken kann. Also ewig. Also gefühlt seit Immer.

Am Anfang war die DREIGROSCHENOPER!

Und dann kam lange nichts. Im Sinne von GESAMTKUNSTWERK!

Und nun Ich erstmalig bei der Robert-Wilson-Inszenierung im Berliner Ensemble, das einmal Ort der Uraufführung gewesen ist.

Wie oft habe ich diese Songs bereits gehört?
In wie vielen Versionen betörten sie mch?
Welche Verfilmungen sah ich?

Keine oder Alle?

So gegenwärtig der Stoff, so allgegenwärtig die Songs, so altbekannt das Entertainment - so ewig schon da und so zeitlos alles überdauernd. Keine Ahnung, ich schwöre, ob ich nun zur 10ten oder1ten Theater-Aufführung der Dreigroschenoper hier im Berliner Ensemble sitze. Oder ob ich mir das nur wünsche. Ich habe kein Gefühl dafür.

Es ist, so lehrt mich diese Inszenierung, auch vollkommen wurst, wann immer ich welche Variation und Interpretation der Dreigroschenoper gehört und gesehen haben könnte, denn Wilson inszeniert die Essenz des Ganzen im Gewand der Wiederkommer und Untoten, über alle Zeiten hinweg. Hinein in eine Sublimation des "Besser kann keiner Nie Mehr und konnte Noch Nie"!

Froh und glücklich nun. 
Nichts kann besser werden.
In 2019.

Aber genau so riesenstark.
Das langt!







Samstag, 22. Dezember 2018

Das wunderbare "Welcome Back"...

...zum kommenden Jahr!



animiertes-katze-bild-0269

 

2018

Ein JEDER fragt JEDEN:

Hast Du gesehen, wie es verging, wie es verloschen ist  und hinüberwuchs in ein Anderes, das NEUE gar genannt? Und mittendrin das DU, das ICH, das DING und alles Andere auch. Ganz ungefragt sind wir mitgezogen und haben uns nichts dabei gedacht. Nicht, ob´s schlimmer wird, nicht, ob´s seichter wird, nicht ob´s klarer oder schöner wird. Nur gefreut  haben wir uns, weil´s halt so  ist, dass man sich freut, wenn´s irgendwann zu Ende ist. Mit dem Alten. Denn das Neue soll sein, wie so ein weißes Papier! Nicht wahr?
 

WELCOME 2019!
 
Ein wunderschönes, ganz individuell gestaltetes, Ihnen als unbedingt RICHTIG erscheinendes
Weihnachtsfest sowie ein ebensolches Hinüberwachsen in das neue Jahr
wünschen die ("Heuer" esoterisch angehauchten) PAGANINI´S!
 
 


Dienstag, 11. Dezember 2018

Die wunderbare Mythologie! XII. Teil:

CHEIRON, der aufrechte Gott auf 4 Hufen



Cheiron lehrt den jungen Achilleus das Spiel auf der Kithara: HERCULANEUM


Ja, die wunderbare Mythologie!

In loser Folge will Paganini´s ein Streiflicht darauf werfen, so wie die
Mythologie von jeher das Dunkel unserer (Menschen-)Welt durchleuchtet hat.
Sie fand die Chiffren für das Prinzip, das uns bewegt:
Das Schicksal des Menschen, ein Mensch zu sein!

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Vollkommenheit, Dein Name sei Cheiron nicht!

Die wandelnde Ambivalenz auf 4 Hufen ist Vieles nicht: Nicht Pferd, nicht Mensch, nicht Kentaur, nicht schön.  Und stark und vital ist er auch nicht. Er humpelt.

Was er allerdings besitzt, ist nicht ohne: Weisheit, Bildung, heilerische Fähigkeiten, Hingabefähigkeit und nicht zuletzt UNSTERBLICHKEIT.

Schon seine Zeugung zeugt von Mängeln. Denn von mangelnder Moral und Sittlichkeit getrieben, nähert sich Papa Kronos (an Ehefrau Hera vorbei) in der Gestalt eines Pferdes der lieblichen Nymphe Philyra. Dieser wiederum mangelt es eindrücklich am Ideal der Mütterlichkeit. "Pfui Deibel" denkt sie, nachdem der kleine Cheiron, soeben geboren, auf seinen staksig behuften Beinchen vor ihr steht und mit den Händchen fuchtelt. "Pfui Deibel, das Balg will ich nicht"! Und weg ist sie, die Frau Mama.

Der Kleine scharrt mit den Hufen. Sonnengott Apollon und Mondgöttin Artemis persönlich steigen vom Himmel hinab und adoptieren das eigenartige Kind. "Vergeistigte Triebnatur" wittert das frisch gebackene Elternpaar. Die beste Erziehung wird ihm zuteil, auf dass er der berühmteste Lehrer des gelehrten Athens werden solle. So kommt es. Er unterrichtet den holden Achilleus. Er erfindet ganz en passant die Kunst der Chirurgie. Und er heilt jeden Kranken, der nicht bei 3 auf den Bäumen ist.

Sein Leben könnte gesegnet sein. Doch erneut wird er das Opfer des Mangels eines Anderen. Herakles verschießt den vergifteten Pfeil. Nicht den Feind trifft er an empfindlicher Stelle. Nein, in Cheirons Knie hinein landet der Höllen-Splitter. Nun humpelt dieser auf verkrüppeltem Pferdegestell, kann seine eigene Pein nicht lindern. "Verdammt soll sie sein, diese grausame Unsterblichkeit"!
So wird Cheiron zu einer Wohltat der Zeitgenossen. Für ihn selbst bleibt nur Schmerz ohne Ausweg.

Wären da nicht der Götter perfide Grausamkeiten. Was böse gedacht, kann auch ein Gutes werden!
Zeus treibt sein sadistisches Spielchen mit dem (allzu arrogant auftretenden) Prometheus. Die Geschichte ist allseits bekannt.
Cheiron weiß nun, was zu tun ist. "Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss" sagt er sich. "Und ich muss sterblich werden, will ich mein jämmerliche Los beenden"!
Und so folgen 2 auf 1 Streich!

Cheiron opfert sein Leben für den, an Vollkommenheit kaum zu übertreffenden, Prometheus.
Und Zeus lässt sich nicht lumpen. Er befördert Cheiron aus der Unterwelt in den Olymp. Und den Prometheus begnadigt er auch.
Und so hat auf einmal diese vollkommen unvollkommene Geschichte ein

HAPPY END!
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


...und was lernen wir aus dieser uralten Geschichte?
Nichts, aber auch wirklich Nichts hat sich verändert!
Seit Ur, das der Anfang war !