Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: www.paganinisberlin.de

Wegen anderer Projekte kann das Blog zur Zeit leider nur unregelmäßig "bespielt" werden!

Donnerstag, 21. November 2019

Aus der wunderbaren Kladde...

...der Paganini´s - Redaktion!


"Der Totentanz. Er ist vorprogrammiert gewesen. Es ging diesmal ins Nichts hinein.
Das Nichts ist ein Gedicht. Ein fallendes Steigen. Ein züngelndes Geigen. Natürlich ohne Orchester und ohne Gesang. Man stellt sich das Nichts als umhüllendes Schwarz vor. Ein Schwarz, aus dem die Schatten gleiten. So ein saugendes Schwarz. Dem sich die Farbe widersetzt. Aus der es geboren wurde. Dieses Nichts. Das um Alles weiß. Bevor sich das Ganze als Irrtum beweist. In diesem einen, vielleicht nicht einzigen, Totentanz."
(Notizen zu Menchenlichter im Tollhaus)





Boncuk, der Kater, in der Redaktionskonferenz:

Meine geliebten, weltabgewandten Mitarbeiter. Meine blödsinnigen Täubchen.
Meine Kreativen dieser völlig desolaten Redaktion.
Ist das Nihilismus? Nihilismus bringen wir nicht!
Ist das etwa Esoterik? Schande über Euch!
Ist das einfach aus der Kladde herausgefallen?
Na, was soll ich dagegen tun...

Und ein herzzerreißendes Schnurren breitet sich aus, in den Räumen der Paganini´s-Redaktion...

P.S.: Wegen  diverser Dringlichkeiten pausieren wir bis Mitte/Ende Dezember und melden uns spätestens mit "Die wunderbare Mythologie" zum Jahreswechsel zurück!

Mittwoch, 20. November 2019

Social Media - Synonym für Allerlei...


...und Nichts...




Katerchen "Petit Pati" ganz privat!


Das Besondere, das Reizvolle, das Verhängnisvolle und das Verführende der Social Media- Plattformen ist sicher die untrennbare Verknüpfung von einem Privatem mit der Öffentlichkeit. Auf einmal kann all das, was ein Ich bis dato z. B. der besten Freundin offenbarte oder per Web-Cam zeigte, in einer Art "Fernsehen" sein.

 Fernsehen ist immer auch ein Synonym für Prominenz gewesen. Dieser Effekt fließt ganz eindeutig in die Beliebtheit der Social Media hinein. An dieser Stelle kommt die Energie des "Hype" ins Spiel.

Uijuijui. Tausend Followers!

Die in den herkömmlichen Medien professionell vom "subjektivem Wunsch" getrennt gehaltene "Meinung", hat (tradiert) einen informativen und recherchierten Hintergrund, weit weniger aber eine persönliche Färbung im individuellen oder gar sich selbst verwirklichendem Sinn.

Im Print wird ein Relotius zum  Skandal!

(Und Jeder ist entsetzt, dass solch ein ungeprüftes Material im Spiegel sein konnte. Aber immerhin ist Jeder entsetzt, dass Relotius sich da vergaloppieren durfte).

In den Social Media gibt es diesbezüglich (noch) keine ungeschriebenen oder festgelegten "Gesetze" oder einen vebindlichen Ehren-Kodex, die gemeinsam eine Individualität und ihre Meinung tendenziell und wertend begrenzen könnten.

Dafür gibt es eine ausgesprochen riesenhaft anmutende Toleranz für nahezu jede Intimität und jede Meinung.

Applaus und Kritik sind ebenfalls von Trends und Launen abhängig. Aber natürlich auch von schlichten Sympathien. In gewisser Hinsicht ist das einfach ein Teil der "mehrheitlichen Meinung":

Der Spießbürger und Nachbar, mit seinen Argus-Augen und seinem Gefühl für pluralistsich in der Luft liegendender Skepsis für das "Abnorme" kommt ins futuristische Spiel des Internets. Aber auch das Gegenteil. Der Spießer steht ganz öffentlich am Pranger. DER ist ein Arsch.

Ist das gut. Ist das schlecht.

Oder...?

Man denke sich nun Toleranz und Intimität gespiegelt in der zwingend dazu gehörigen Polarität von Intoleranz und Öffentlichkeit, oder von "Toleranz ist, wenn ich in der Öffentlichkeit auch unter der Gürtellinie ätzen darf" und "Öffentlichkeit ist, wenn ich mir einen runterhole und gefavt werde".

Keineswegs verwunderlich erscheint so die Verwunderung über Wildwucherndes und Hate und Pain und Fame im Internet. Da ist noch Alles offen.
Da fehlen die "Gerüste", die es bisher immer gab, wenn ein Junior in die Medien-Stapfen der Senioren treten wollte.

Natürlich gibt es längst auch in den Social Media die Special Begabten, die wunderbar auf dem Flow balancieren und Intimität wie Öffentlichkeit genießen und in einer Mitte professionell die Grenze wie das Wagnis zusammen halten können.

Der Profi ist immer ein Stückchen voraus, sagt man so dahin. Der Profi ist vorrangig irgendwann (von Innen oder Außen) gut beraten gewesen. Man wird sehen.

Aber gut hinsehen sollte man auch!





Teil II folgt....

Montag, 21. Oktober 2019

Aus der wunderbaren Kladde...

...der Paganini´s-Redaktion!


Die Schuld ist ein schwarzes Wasser. Ein träge fließender Strom. Ein Ungeheuer von Loch Ness. Ein Saboteur. Ein unterirdisches Aas. Da wo die Füße sich Grund suchen, die Hoffnung auf neue Erde baut. Da ist das Wasser ein Moor. Da tritt der Strom die Füße  mit seinem Hohn. Da zeigt sich die Spur als nicht gangbar. Gelächter aus Tiefen wird begleitet vom klebrigem Lehm  wie Spucke. Es ist aus. Da ist nur Verderben ohne Sonnen. Die Schuld ist ein dunkles Loch. Da hocken die armen Seelen. Da zeigen ihre Finger auf mich. Und ich lasse mich zu ihnen ziehen. Und strecke den Arm aus. Und will ein Gesicht liebkosen. Und greife ins Leere. Die Schuld ist ein Schatten. Sie wird nur sichtbar im Licht. Irgendwann werde ich da sein. Wenn die Füße mich nicht mehr tragen müssen. Und das dunkle Wasser ein Mythos ist.
(Notizen zu Menschenlichter im Tollhaus)




Boncuk, der Kater, in der Redaktionskonferenz:

Meine Täubchen. Ihr meine Darlings. Ihr prächtigen Mitarbeiter unserer herunter gekommenen Redaktion.
Welch herbstliche Gedanken schlafen heute hinter Euren Schläfen?
Was für seltsame Zeilen muten wir uns zu?
Aber da muss eben ein weißes Papier gefüllt werden.
Ach, Firlefanz. Dann nehmen wir eben, was wir haben!

Und ein prächtiges Schnurren breitet sich aus, in den Räumen der Paganini´s-Redaktion...

Dienstag, 15. Oktober 2019

Ein Stern zieht auf, über dem Himmel von Berlin...

...doch davon erst in der Mitte des Textes...!


Was uns so vom Rande her auffällt, zur Zeit, in der Bühnen-Welt-Hauptstadt dieser Erde


Nun, die Volksbühne Berlin hat es weiterhin nicht leicht, aber seit Castorf weg ist, hatte sie es auch niemals leichter als jetzt.
Man könnte auch sagen, dass die Volksbühne Berlin von den Kritikern geradezu mit "plakativen Samthandschuhen" angefasst wird, obwohl die so gerne Keulen schwingen würden.
Aber nach der total missglückten Ära Dercon tut eben ein Jeder ein bisserl jovial, frei nach dem Motto:
 "Wir wissen nun alle, es könnte noch viel schlimmer sein".

Das ist ziemlich doof. Und es wird der  Interims-Ära von Dörr nicht gerecht. Auf der einen Seite sind alle ganz sanft, obwohl ziemlich hart (so als würde man auf die "besondere" Situation dieses "Zwischendurchs" Rücksicht nehmen) und gleichzeitig wird deutlich, dass die Neuanfänge der Nach-Castorf-Volksbühne messerscharf (doch unbenannt) verglichen und vermessen werden. 

Konkret: Die Odysee ist durchgefallen, hätte Arnarsson als Nachfolge seiner umschwärmten Edda diesen schwächeren Abend anderswo inszeniert, so wäre dies genauso aufgenommen worden, wie die schwächeren Abende von Mondtag, Castorf, Pollesch etca.:
Nämlich ungemütlich, aber weit weniger verheerend.

Verheerend empfinden wir gerade diese "Wir üben Nachsicht"-Haltung, die eigentlich an dieser Stelle nicht passt.

(Gar nicht) komischerweise hat die New-York-Times als einzige Zeitung  recht differenziert und einordnend von diesem Abend berichtet.

Auch Voges war doof an der Volksbühne. So lasen wir.
In Dortmund aber fulminant!
Nun also bald Wien.
Man wird sehen.

Was die Volksbühne angeht wissen Alle: Da kommt bald der Pollesch.
(Was es der "Zwischenlösung" wahrlich nicht leichter macht).

Dass der in alle Stapfen passt, auch die allergrößten, gerade weil er fremde Stapfen gar nicht kennt und längst seine eigenen Stapfen gerne erweitert und ausfranst  und souverän von -sagen wir mal - Jemandem wie Hinrichs bestapfen lässt, der ja nun auch schon Schläge ohne Ende bekommen hat, weil er als Schauspieler seinen Mund ganz gerne sehr wunderbar und rhetorisch äußerst begabt nicht hält sondern "auf und zu" macht, auch wenn kein Regisseur das von ihm verlangt hätte, das zeigt der Pollesch gerade in einem (rein räumlich gesehen) weit größerem Theater als es die Volksbühne ist:
Dem Friedrichstadtpalast.

Na klar, Pollesch könnte auch Las Vegas.
Ein Vollidiot, der das bezweifelt hätte.
Nur kann der auch Las Vegas auf richtig künstlerisch.

Hier zieht nun der Stern auf, über dem Himmel von Berlin, der in dem Post-Titel versprochen wurde.
Oder besser: ein (von uns über alles geliebtes) Sternen-Paar zieht seine zu erwartende Bahn, nur etwas verfrüht, da sie wohl nicht länger warten wollten.

Zwei sperrige Gesellen, vereint durch die Kunst, Schwere und Leichtigkeit in einer einzigartigen Balance halten zu können.

Die Kritiker Berlins jubeln endlich einhellig.
Uns geht das  Herz auf.

"Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt ..."!

JA.


Hier mehr zum Sternenpaar:
https://www.palast.berlin/show/glauben-an-die-moeglichkeit-der-voelligen-erneuerung-der-welt/

Und hier zur Odysee der Volksbühne:
https://www.volksbuehne.berlin/de/programm/8581/eine-odyssee

Donnerstag, 12. September 2019

Die unbedingte Film-Empfehlung:

First Reformed von Paul Schrader!


First Reformed ereilte uns zufällig, unempfohlen und unbekannterweise beim "kramen" in der Mediathek. Und First Reformed blieb hängen wie eine traumatisierende Erfahrung mit nachträglichem Glückseligkeitsgefühl.
Kurz: Es war wohl Zeit für uns und diesen Film, denn er sprang uns aus dem Nichts an, kroch unter unsere Haut und erfüllte die Seele mit der Erkenntnis und dem Staunen darüber, dass wir bis dato ohne das Wissen um diesen Film geglaubt hatten, ein (kunst)sinniges Leben zu führen.
Dieser Film ist eine formal-inhaltlich-ästhetische Wucht, die jeden umhaut, der nicht bei 3 aus dem "Kino-Saal" rennt. Oder aber er hat First Reformed nicht verstanden (und nicht geliebt).


Ethan Hawke ist Ernst Toller. Ein Pastor in einer kleinen Kirche der First Reformed Church in einem kleinen Nest im Staat New York. Hier will er zur Ruhe kommen. Hier plant er einen Neuanfang. Oder besser, hier plant er, sich zu sammeln. Und noch besser, hier plant er, sich in Ruhe zu Tode trinken zu können. Ein Neuanfang, der eine Buße sein soll. Ernst Toller ist ein von innen und außen Gequälter. Er kann jedem vergeben, doch nicht sich selbst. Und (vermutlich) nicht Gott. Seinen Sohn hat er in den Irak ziehen lassen. Er ist tot. Die Mutter und damalige Ehefrau hat ihn verlassen. Tollers Werte und sein Vertrauen sind erschüttert.
Seine neue Kirche nennt er "Souvenir-Shop". Sie hat einen gewissen historischen Wert. Ein karges, asketisches Leben ohne nennenswerte Bedeutung erscheint ihm für sich selbst als Wohltat. Um die Gemeinde-Mitglieder kümmert er sich gut. Er hilft mit hoffnungsgebenden Gesprächen. Eine Hoffnung, die ihn selbst zunehmend verlässt. Er schreibt Tagebuch, um die verschiedenen Enden seiner seelischen Regungen zusammen zu halten. Und er trinkt. Allein. Ein Klopfen an der Tür, ein Appell von einer verzweifelten Frau "Mary", reißt ihn aus der Eintönigkeit und hinein in ein verschlingendes Thema: Apokalypse durch Umwelt-Zerstörung.

Die Konsequenz der Inszenierung durch Paul Schrader, die den Ernst und den ritualisierten Überlebens-Versuch einer Psyche zunächst mit statischer Kamera und trister Farbgebung begleitet, akustisch untermalt von einem sich steigernden  "Brummen" wie fernes Donnergrollen, baut eine Dichte auf, lässt einen Sog entstehen, der ahnen lässt, was sich in diesem Mann zusammenbraut. Und dann - auf einmal - visuelle Brüche, die das Auge des Zuschauers wie durch Blitze zucken machen.

Grandios, einzigartig und unverwechselbar im Kino. Viel wäre zu schreiben. Über Tollers Kampf mit dem Teufel zum Beispiel. Oder einen Sprengstoffgürtel. Und auch über einen Engel. Und einen atemberaubenden Kuss. Am Schluss. ANSEHEN!



Mehr zum Film in Wikipedia HIER--->

Mittwoch, 4. September 2019

Der wunderbare Buchanfang: XV. Teil

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"

(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Diesmal ein Buch, lebendig wie ein Leben und doch poetisch wie ein Gedicht:

Leonard Cohen, Das Lieblingsspiel

I

Breavman kennt ein Mädchen namens Shell, das sich Ohrlöcher stechen ließ, weil es lange, filigrane Ohrringe tragen wollte. Die Einstiche entzündeten sich, eiterten und hinterließen winzige Narben, die er entdeckte, als er ihr einmal das Haar nach hinten strich.
Eine Kugel zerfetzte seinem Vater den Arm, als er sich im Schützengraben aufrichtete. Ein Mann, der an Herz-Kranz-Thrombose leidet, findet Trost in einer alten Kriegsverletzung.


Bon Boncuk, der Kater, präsentiert "DAS LIEBLINGSSPIEL"


"Das Lieblingsspiel" ist der erste Roman (von Zweien) von Leonard Cohen, der sich zu dem Zeitpunkt der Erscheinung des Buchs (1963) noch ganz und gar als Schriftsteller identifizierte. Vom Musiker Leonard Cohen war damals weit und breit nichts zu sehen und nichts zu hören. Auch er selbst kannte ihn damals als Endzwanziger noch nicht!

Das Buch beginnt mit der Schilderung von Wunden und Narben und Versehrtheiten, auch von Falten, die der Gang des Wegs namens Leben so mit sich bringen kann, einmal selbst zugefügt und manchmal einfach so eingefangen, wie ein Schicksal oder einen Zufall.

Das Buch endet mit der Erinnerung des Protagonisten "Breavman" an das Lieblingsspiel der Freunde aus Kindheitstagen. Im Winter, wenn es stark geschneit hatte, hielten sie sich an den Händen, wirbelten herum wie ein Kreisel und ließen dann plötzlich los. Jeder fiel ins Weiß hinein, in einer ulkigen Stellung abgespreizter Glieder und stand rasch erneut auf den Füßen, um sich an den Abdrücken im Schnee zu erfreuen. 

Das Leben hinterlässt Spuren. Man nehme sie mit Leichtigkeit!

Ein Buch, prall gefüllt mit Geschichten, sprachlich von einer Frische, einem Spieltrieb und einem sprühenden Witz, der sich immer wieder an der dichterischen Metaphorik bricht.

Wer dies Buch noch nicht kennt: Unbedingt Lesen!







Mehr zum Buch HIER___>


Freitag, 16. August 2019

"Border" und die Larve vom Baum der Erkenntnis...

Nun gibt es den Film "Border" von Ali Abbasi nicht nur im Kino, sondern auch in den Mediatheken



Nach der Flut hymnischer Kritiken ist Anschauen für die Meisten der Cineasten ein Must Do. Auch die Anderen werden irgendwann auf den Trailer stoßen und sich anschließen, bevor sie aus Neugier geplatzt sind. Und einige Wenige nur, werden die filmische Umsetzung und Ausmalung einer Short-Story von John A. Lindqvist nach wenigen Minuten ausknipsen.

Das Menschen-Auge, sofern unflexibel und in Sachen Andersartigkeit nicht trainiert, kann Anstoß an einem ästhetischen Mangel der beiden Protagonisten nehmen, die selbst in dem Glauben "hässliche Menschen mit Chromosom-Fehler" zu sein,  aufgezogen wurden. Gerade dies allerdings ist ein großer Vorzug des Films, denn "schön" erscheinen diese Wesen (Trolle) nur, wenn sie sich in ihrer Welt (dem See, dem Wald, dem Wind) bewegen, balgen und - ja - frei und glücklich sein dürfen. Ansonsten erblickt der Zuschauer (aus seiner gewohnten Perspektive) das, was gemeinhin "verwahrlost aussehender Mitmensch" genannt wird. Ein "Fantasy-Drama", das sehr realistisch daher kommt und gerade deshalb extrem glaubwürdig nach Schuld, Sühne sowie Moral unserer Geschichte als Mensch fragen darf.

Fragen, die sich im Lauf des Plots sehr eindringlich auch "Tina" stellen wird, in ihrer wachsenden Selbst-Erkenntnis als Wesen einer nicht-menschlichen Spezies. Zu ihrem "Erwachen" - aus lügenhaft gesponnenen Identitäten heraus - braucht es den Anderen, den Polaren, der ihr dennoch gleicht und der sie berührt.

Die eigentliche Verführung beginnt mit Larven. Frisch gesammelt vom Baum, streckt seine klobige Hand das sich krümmende Tierlein in den Mund der Frau. "Du weißt, dass Du es willst", sagt der undeutlich artikulierende Mann mit den bräunlich verfärbten Zähnen und schwups, verschwindet die Leckerei im Gaumen der Auserwählten.

Ein Mann und eine Frau naschen vom Baum der Erkenntnis. In diesem Fall stehen der Baum und das Paar bereits außerhalb eines Paradieses.
Und die Erkenntnis besteht im Erkennen des Anderen als des Spiegels des Eigenen.
Die Larven sind als Bonbon für diese Zwei geschaffen worden!
Mit dieser erkannten Wahrheit ist der "Apfel" auch schon vom Baum gefallen und das Erkennen von Gut und von Böse in der Welt...

Ein Film, der sich stringent einer Zuschreibung zu bestimmten Genres, sowohl inhaltlich als auch ästhetisch, völlig verweigert. Selbst die Moral-Keule wird rasch wieder eingepackt bzw. ausgetauscht.
Allein schon wegen seiner Originalität ist "Border" sehenswert. Gestört hat uns allenfalls die anfängliche Verwunderung, dass unsere Erwartungen, getriggert durch die Vielzahl gelesener Rezensionen, allesamt durchkreuzt wurden.

Also: möglichst unvoreingenommen zurücklehnen und wirken lassen!



Mehr zum Film im guten, alten WIKIPEDIA--->