Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"
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Montag, 21. Dezember 2020

Aus der wunderbaren Kladde ...

 ...der Paganini´s


Bild@CC-Pixabay


Schwarze Sonne

Gelegentlich versinkt sie, die schwarze Sonne, 
unbemerkt am Horizont. 
Keiner hat sie gesehen, keiner hat sie vermisst.

Und doch: hat jeder um sie gewusst.
Sie hat keine Bahn, keine vorgegebenen Zeiten.
Sie kommt und sie geht, wie sie will, weil sie muss.

Hey Ho, schwarze Sonne, sei gnädig!



Boncuk, der Kater, in der Redaktions-Konferenz:

Ach, Ihr, meine Lieblinge allererster Wahl.
Das ist doch mal eine Botschaft.
Das ist Weihnachten!

Und der Redaktionschef versinkt in ein tiefes Schnurren, das sein schwarzes Fell beben macht...


Die Paganini´s wünschen hiermit ein schnurrend-schönes Weihnachten.
Bleiben Sie tapfer für
2021!

Samstag, 19. Dezember 2020

Das wunderbare "Woyzeck"...

 ..."Interrupted" als Stream-Uraufführung des DT-Berlin


(von Mahin Sadri und Amir Reza Koohestani nach Georg Büchner)



Lorena Handschin, Enno Trebs
Foto: Arno Declair



Ach Gott, Woyzeck! Der ewige Verlierer, der Looser ohne Chance, die Witzfigur - die gedemütigte -  die nichts hat, als seine Marie und das Kind und sein abhängiges Herz, das ihn antreibt (unter Torturen), den kargen Unterhalt für diese Kleinfamilie aufzutreiben. Ein Job und noch ein Job und noch ein Job müssen her. Dazu verkauft er den Körper samt Seele als menschliches Versuchs-Kaninchen. Für ein paar weitere Münzen.

Es tut weh, immer aufs Neue, diesem Büchnerschen Anti-Helden im Theater zuzuschauen, wie er sich verausgabt, wie er sich hoffnungslos ausnutzen und verspotten lassen muss und wie er keine Kraft und keinen Glauben an sich hat, um zu lernen (mindestens) wie man sich wehren könnte. Ein Stupido gewissermaßen, dabei anrührend, verstörend. Und am Ende zerstörend. Das dann sogar (eiskalt) geplant und mit Vehemenz. Seine inneren Stimmen, seine Eifersucht und seine angestaute Wut (ohne Ventil) treiben ihn. Er tötet seine Marie. Und damit im Grunde sich selbst. Das Opfer als Täter. Der Täter als Opfer.

„Jeder Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man hinabsieht“.


Das lässt Büchner den gehetzten, vergrübelten - indes nicht wirklich selbstreflektierten - Woyzeck sagen, lange bevor sie geschieht. Die grausame Selbstermächtigung einer längst (in Ohnmacht) verstrickten Seele!

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Alle drei Tage tötet im heutigen Deutschland ein Mann seine Frau, seine Freundin oder seine Ex. Wir lesen dies fast täglich als Meldung in der Zeitung. So, wie Büchner es gelesen hat, bevor er sein (Fragment gebliebenes) Stück geschrieben hat. 

"Woyzeck Interrupted" unterbricht sehr gekonnt, glaubwürdig und dennoch vielschichtig die Lesart des Woyzeck als geschundener Kreatur, die sich nicht anders zu helfen weiß. 

Mahin Sadri und Amir Reza Koohestani lesen das Büchnersche Drama  als einen Text, der in einer "Tradition" steht, die sich mit einem (labil) männlichen Merkmal - nämlich der Besitzergreifung der Frau bis in den Tod  - am Beispiel des Woyzeck auseinander setzt. 

Sie befragen das Motiv von Mann und Frau, zeigen die Ängste, verbale Spitzen und Spitzfindigkeiten Beider, bis hin zur Eskalation. Und sie deuten Auswege an. Der "Woyzeck" einmal anders.
Und der "Woyzeck" dennoch teilweise wortgetreu als Büchners Text, immer wieder mittendrin und wie selbstverständlich gleichzeitig aktuell. Der Woyzeck hinein kopiert in eine komplett andere Geschichte. So wie er in viele Geschichten hinein kopiert funktionieren könnte.

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Was sich im heutigen Stream des Deutschen Theaters Berlin mit "Woyzeck Interrupted" ereignet hat, ist allerdings per Text nicht wieder zu geben. Was als Beschreibung (auch auf der Seite des Theaters) sehr pädagogisch, gut gemeint aber eben doch leicht verkrampft und Theorie-schwanger daher kommt, löst sich in dieser Inszenierung schlicht in KUNST auf. 

Das DT-Berlin kann offensichtlich seit Hartmanns "Zauberberg" Theater im Stream par excellence. 
Die Inszenierung ist dicht, beklemmend und sehr nah dran am Zuschauer sowie am komplizierten Thema. Ein großartiges, (in diverse Monitor-Fenster aufgesplittetes) Bühnenbild, eine unglaublich kunstvolle Kameraführung und extrem verstörende und intensive Darsteller sorgen für ein Erlebnis, das ich so unmittelbar tatsächlich bisher nur auf der Bühne erlebt habe.  

Lorena Handschin und Enno Trebs  spielen derart facettenreich, lebendig, glaubwürdig und einfach umwerfend (in ihrem Verzicht auf klare Rollen-Zuschreibungen) alle an die Wand, die denken, 
Theater im Stream (oder auch der "Woyzeck") könnte es sich (in diesen Zeiten von Corona) einfach machen.

Großes Theater und ganz neues Kino!




Mehr zur Inszenierung--->HIER

Montag, 7. Dezember 2020

Aus der wunderbaren Kladde...

 (Unser Weihnachts-Ferien-Pausen-Brot)


Ships at the port of Greifswald@Caspar David Friedrich


HEIMAT

Heimat gefunden im dunklen Fluss,
ein Floß gebaut, darauf zu dümpeln,
wenn mir nach Sonne war.

Und mir war, mir war danach
so oft,
im dunklen Fluss,
den ich liebte.

Heimat gefunden und doch -
ein Floß gebaut.
Der Sonne entgegen.