Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: www.paganinisberlin.de

Wegen anderer Projekte kann das Blog zur Zeit leider nur unregelmäßig "bespielt" werden!

Sonntag, 10. Dezember 2017

Die wunderbare Mythologie! XI. Teil:

Der Kugelmensch...




Ja, die wunderbare Mythologie!

In loser Folge will Paganini´s ein Streiflicht darauf werfen, so wie die
Mythologie von jeher das Dunkel unserer (Menschen-)Welt durchleuchtet hat.
Sie fand die Chiffren für das Prinzip, das uns bewegt:
Das Schicksal des Menschen, ein Mensch zu sein!

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Göttlich ist sie, die Macht des Eros. Durch die Sehnsucht schenkt sie Erinnerung.
An den Urzustand. An die verloren gegangene Hälfte. An diese eine, andere Seite.

Bis diese erblickt, muss ein Mensch als Halbheit in der großen Unzulänglichkeit wandeln.
Einmal gefunden, können Halb und Halb neu auferstehen und fühlen, was sie einst gewesen sind:
Kugelmensch!

 Zwei Gesichter, vier Beine und vier Arme lassen das menschliche Ur-Volk in Übermut die Purzelbäume schlagen.

Nie sind sie allein.
Nicht wissen sie von Einsamkeit.
Allzeit sind sie sich selbst genug.

In der Ganzheit des durch Zweisamkeit verschmolzenen Wesens, trifft ein Weibliches auf das zweite Weibliche, ein Weibliches auf das zweite Männliche oder ein Männliches auf das zweite Männliche.

Drei Geschlechter also, von Geburt an durch Liebe und Körper vereint, beleben die Welt!

Wie unbesiegbar müssen sie sich gefühlt haben. Wie genial kreiert in ihrer Perfektion!

 Der Götter benötigen sie nicht. So glauben sie. Der Himmel scheint Ihnen für sie allein bestimmt zu sein! Oh weh!
Des Menschen Unheil ist von Anbeginn der Mangel an Demut.


Zeus beginnt zu zürnen. Zeus beginnt zu überlegen:
Soll er die Kugelmenschen vernichten? Dies Erdenvolk, durch dessen Opfergaben und deren Anbetung der Olymp noch vor Kurzem Reichtum und Aufmerksamkeit erhalten hat?

Nein, weise entscheidet der oberste Gott sich für Schwächung und Verdoppelung der einzelnen Geschöpfe:
"Doppelt so Viele sind doppelte Opfergabe"!

 In der Leibesmitte durch Blitz und Donner geteilt, erinnert der Nabel nun an die Narbe noch.

Der Vereinzelte irrt seither durch seine verödete Welt.
Auf der Suche nach seinem verloren gegangenen Teil, inspiziert er die Anderen.

Eros lässt irgendwann finden. Manchmal.



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 ...und was lernen wir aus dieser uralten Geschichte?
Nichts, aber auch wirklich Nichts hat sich verändert!
Seit Ur, das der Anfang war !




Als Bonus zur wunderbaren Weihnacht, das "wunderbare Liedgut" zum Thema:




Und wir, die Paganini´s-Redaktion, wünschen nun allseits

eine schöne Adventszeit und
"Merry Christmas"!

Wir melden uns wieder im neuen Jahr 2018...

Montag, 4. Dezember 2017

Tod und Ritual:

Der wunderbare Katalog zur wunderbaren Weih-Nacht!


Foto@smac/Karla Mohr

Eine ganze Weile tobt nun in Berlin -ein durchaus Lebendigkeit schenkender- Sturm.
Es geht um Was, es geht ums Ganze. Es geht um die Frage der Fragen:
Tod oder Leben, Mensch oder Nicht-Mensch. Volksbühne oder Un-Bühne.
Und um Vieles mehr. Und noch mehr.
Was seit dieser Weile in diesem Berliner Feuersturm schwelte und manchmal "Mord und Zeter" spieh, ist in diesen Tagen zum lodernden "High-Noon" geworden:
Premiere von Susanne Kennedy mit "Women in Trouble" in der neuen Volksbühne sowie Premiere des vergrätzten Alt-Heroen Castorf in der neuen Spielstätte: "Les Miserables" im BE.
Menschentheater, mit Schweiß und Spucke und Blut und Strapsen und Schaum vor dem Mund. Bildgewaltig, Voll (wie Fülle) und weitschweifend GEGEN Kunst-Performance mit künstlichen Menschen mit künstlicher Intelligenz im durchästhetisierten, futuristischem Interieur.

Nach diesen Theater-Sensationen dann endlich auch der eingschaltete Geist in Form einer reflektiert und pragmatisch nachvollziehbaren Groß-Reflektion, initiiert durch die Akademie der Künste, die endlich die Erhellung bringt, dass zumindest das "Ensemble-Theater" für die neue Volksbühne nie wirklich als künstlerischer Mittelpunkt angestrebt und angedacht wurde. (Worüber die Politik von Anfang an hätte im Bilde sein sollen).
So weit so gut oder so gut wie schlecht und doch kann es in der Vorweihnachtszeit versöhnlich stimmen, dass es immerhin immer einen gemeinsamen Nenner gibt, den Alle anerkennen:
Das Diktat der Zeit.
Der Mensch wird geboren und der Mensch stirbt. Dargestellt, immer neu, im Menschen-Theater, meist anhand eines exemplarisch auftretenden Individuums. Aber auch dargestellt im museal anmutendem Ausstellen von vergangenen und postpostmodernen Theater-Formen.

Am Ende lacht immer die Zeit!

Die Zeit fühlt sich in der Regel linear an, wird manchmal parallel (an)gedacht und oft als Kreislauf geglaubt, doch am Tod des Individuums führt kein gelebter Weg vorbei.
Der zumindest, ist von Anfang an im Vertrag garantiert.

Wir schluchzen im Kino und bibbern im Theater mit den Protagonisten und sind erbost, wenn das KunstKunstTheater uns dieses Dramas beraubt.
Ach, der Tod ist so schön, wenn er auf der Bühne passiert!

Sehr, wirklich wunderbar sehr, ist die Ausstellung "Ritual und Tod" des smac (staatliches Museum für archäologie chemnitz) in, natürlich, Chemnitz.

Ausgehend von dem prähistorischem  Gräberfeld von Niederkaina bei Bautzen wird in dieser Schau, magisch und mysthisch anmutend und unmittelbar ins Thema hineinziehend, ein Bogen aus tiefster Vergangenheit in unsere Gegenwart hinein geschlagen, der nicht nur den jeweiligen Tod und das zur jeweiligen Zeit gehörende Ritual verlebendigt, sondern ungewöhnlich frei und untabuisiert, die Frage an jeden Einzelnen der jetztzeitigen Besucher stellt, wie er mit seiner ureigenen Todeserfahrung und Todeserwartung umgeht und umzugehen gedenkt.

Ein wunderschöner, erhellender, sensibler und spartenübergreifender Katalog ist dabei entstanden, der Archäologie, Psychologie, Soziologie, Geschichte, Bilder und Kunstgeschichte zum Thema nutzt und die Furcht nimmt, den Tod als das Unausweichliche (zu seiner Zeit zumindest) willkommen zu heißen.

Ein großes und wertiges Geschenk, finden wir, zum bevorstehenden Weihnachtsfest!





Alles Weitere zu Ausstellung und Katalog HIER------------>

Freitag, 1. Dezember 2017

Aus der wunderbaren Kladde...

...der Paganini´s-Redaktion, II. Teil:



…Ich fühle mich klein und unbedeutend. Hat sie gesagt. Ich fühle mich wie ein Nichts, hilflos und nahezu ohnmächtig ausgeliefert. Hat sie gesagt. Ich fühle mich nur gut, hat sie gesagt, wenn ich Allen um mich herum beweisen kann, dass sie ebenfalls klein und unbedeutend sind. Das hat sie alles gesagt, meine Psychotherapeutin. Und sie hat natürlich recht. Recht hat sie,  aus ihrer Perspektive und recht hat sie, weil Das Recht auf ihrer Seite ist.
Und das Recht hat immer recht.
Und der/die PsychotherapeutIn hat sowieso auch immer recht.
Ich behaupte nicht das Gegenteil. Aber meine Therapeutin  sieht nur die Fakten, sie zieht nur Schlussfolgerungen und sie erkennt nicht an, dass in meiner Welt das Recht der ihrigen Welt nicht vorkommt und dass es in meiner Welt nicht um Unzulänglichkeitsgefühle geht, sondern eindeutig um das Recht, das ich mir herausnehme, als einziges Recht anzuerkennen, also das Ur-Recht des Stärkeren.
In diesen Zeiten gilt dieses Recht als Unrecht und doch ist es immerwährend. Mit dem neuzeitlichen Recht im Nacken, sitzt meine Psychotherapeutin auf ihrem ureigenen Thron und genießt ihre All-Überlegenheit. Und missbraucht ihre All-Überlegenheit und damit auch mich, der um Verständnis wimmert. Ja, wimmert, denn ich habe kein Problem damit, mich klein und unbedeutend zu fühlen, selbst wenn ich das nicht bin, aber ich habe ein Problem mit diesem kalten Konsens, der nichts wahrzunehmen versteht von mir, der als anerkannter Konsens im Grunde gar nichts versteht, von meinem Tun und von einer Existenz, wie der Meinen. Und der nicht  zurecht kommt mit diesem vielgepredigtem „Ganz Anderen“, das ich zu sein scheine.
Anders anders als das, was Freud predigt und Jung und Zizek und der Feuilleton und die Fachzeitschrift für Psychologie oder Coaching.
Coaching: In drei Tagen zur Erfolgsbestie, kann man da lernen. Hahaha!
Ich habe mir Alles selbst beigebracht und ich leide nicht unter mir.
Die Hölle, das ist der Andere. Ich bin zu einer Psychotherapeutin gegangen, weil ich weiß, dass ich aus der Masse herausfalle und das macht mich einsam, dieses Herausfallen und da habe ich eine Psychotherapie beantragt, weil ich eine Natur bin und als Natur dieser Art dem/der PsychotherapeutIn einen Zugang zu mir öffnen möchte. Damit Eine/r mich sieht!...(Notiz zu dem noch unfertigen Buch „Die Wollust des Tötens“)



 


Paganini, der Kater, in der Redaktionskonferenz:

Kladde hin, Kladde her, sollte das nicht sensibel gestreut werden?
Nicht so platt hintereinander weg!
Wir könnten ja gleich schreiben: Da ist unsere Kladde, Winkewinke, wir wollen ein Buch daraus machen...

Chefredakteurin:

Ach, Firlefanz, so weit denkt doch Keiner...

Und ein Schnurren breitet sich aus, in der Paganini´s-Redaktion! 

Donnerstag, 23. November 2017

Das wunderbare "Pausenbrot" der Paganini´s...

 

„Mondlicht trinken, setzt Seele frei!“  

 
Sie fährt mit der S-Bahn von Neukölln nach Prenzlauer Berg.
Ihr Blick, müde, bleibt kaum hängen an diesem Graffity.
Ihr ist, als ob es tausend S-Bahn-Fenster gäbe
und hinter tausend Fenstern keinen Mond. 
 
„Mondlicht trinken, setzt Seele frei!“
Ihr Kichern plätschert um die Wette,
mit dem Wringen des Tuchs, das über Parkett-Boden
zur Spiegel-Wand sich hin bemüht, in dessen Lauge das Erinnern stirbt. 
 
„Ohne Mond doch keine Seele“ sagt der Schmerz
In ihrer Brust - . Und es geht kein Ton hinein, summt
nicht im abgehärmten Herzens-Takt – und als ihr Aug den
Spiegel streift, hört (K)ein Leben mit dem Schlagen auf. 
 
 
  
P.S. An manchen Tagen gibt es keinen Ort auf der Welt, der so eintönig im eigenen Grau schmort, wie dieses Neukölln! 

Mittwoch, 15. November 2017

Aus der wunderbaren Kladde...

...der Paganini´s-Redaktion:


So, im Tollhaus ist also die Hölle los und ich bin ungewollt dabei. Der Zufall hat mich hinein geschleudert, an diesem sonnigen Herbsttag und ich weiß mich vor glücklichem Unglück oder unglücklichem Glück nicht recht zu retten. Das Leben klingelt wie ein entlassener Strafgefangener an meiner Tür und bittet um Einlass und ich scheine seit Jahren mit diesem Ex-Gefährten nichts zu tun haben zu wollen. Verpflichtet fühlt man sich ja dennoch, also habe ich die Tür geöffnet und war gleich wieder mittendrin. Ja, so schnell kanns gehen. Das Leben findet mich, wie das Kind die Jungfrau und ich reibe mir die Augen. Hehe! So bin ich also mittenmang reingeschleudert und alles jubelt mir zu und ich will wieder raus. Nur weil das Leben geklingelt hat, muss ich ja nicht gleich vor Freude aus dem Häuschen sein. Nee, muss ich nicht. MERKE: Leben ist nicht in jedem Fall nur Freude. Aha! Wieder was gelernt, fein, liebes Leben, dass es Dich gibt, ohne Dich könnt ich nicht soviel lernen und dafür  bin ich ja schließlich, so sagen die Weisen der Esoterik, also auch die Heiligen, auf der Welt. Ich bin geraume Zeit auf der Welt, aber umgehe gern das Leben, so ab und an und ich verstehe mich heute wieder sehr gut diesbezüglich. Warum das Leben heute geklingelt hat? Und was dann so im Tollhaus los war? Ach, lasst mich zufrieden damit, ich will die Tür schließen und geh ins Bett. Träume sind Schäume und sind sehr wahr. Arrivederci! (Notiz zu Menschenlichter im Tollhaus, 2009)




Freitag, 10. November 2017

Die wunderbare Medea:

"Doch mächtger als die Einsicht ist die Leidenschaft:
Sie ist die Ursach jedes größten Fluchs der Welt!"(Euripides)



BE-Plakat-Foto@Paganinis

Ja, Kater,
denke ich, die neu ernannte Chefin dieses Blogs,

ja, natürlich mache ich mich sofort auf den Weg, den Du bestimmt hast:
Medea, Thalheimer, Berliner Premiere im neuen Berliner Ensemble!

Ich kenne den Text der "Medea", ich liebe ihn und der Autor, also Euripides, der ist Einer von Denen, die scheinbar das Wort "universell" erfunden haben.

Die Welt ist wie sie ist, steht da drin, in dem Text, und willigst Du nicht ein, in deren Gesetze, dann sieht es zappenduster aus.

Und da, in diesen Kontext hinein, kommt diese Frau, diese Königin, diese Mutter:
"Medea".

Und die ist nicht ohne.
Sondern mit.

Mit allen weiblichen Wassern gewaschen und dennoch "speziell".
Aber nachvollziehbar.

Giftmischerin und Hexe hin oder her.
Empathiefrei her oder hin.
Zu intensiv, zu emotional, viel zu wenig rational.
Alles für die Katz. Sicher!
Medea. Unergründlich.
Aber als Medea der "Medea", fast schon eindimensional.

Paganini, der Kater. zur Chefredaktion:

Mädchen, ich habe Dir hier und heute wirklich gar nichts mehr zu sagen.
Aber was soll der Bullshit, der falsche Zinnober.
Bin ich etwa tot?
Schreib was Du willst, wenn ich tot bin, aber schreib es nur, wenn ich auch IN DIR tot bin.
Du musst Farbe bekennen, Mädchen, sei Du selbst, halt die Leute nicht auf, mit Deinen Phrasen, sei stark und authentisch, sonst...

Text/AMME (Prolog)
"Oh, wäre durch die schwarzen Wunderfelsen nie
Das Schiff geflogen, steuernd nach dem Kolcherland,..
Wär auf den Waldhöhn Pelions nie der Fichtenstamm
Durchs Beil gefallen, hätte nie ...
Medea, meine Herrin, dann zur Griechenstadt,
Von Jasons Liebe hingerissen und betört,
Und hätte Pelias' Töchter nie zum Vatermord
Verführt und wohnte nicht im Land Korinthos hier
Mit Mann und Kindern – bei den Bürgern zwar beliebt,
In deren Land sich niederließ die Fliehende,
Und treu zur Seite Jason stehend überall...
Und sie, das unglückselige, frech verschmähte Weib,
Medea, ruft die Eide, ruft der Treue Pfand,
Die Kinder haßt sie, freut an ihrem Blick sich nicht –
Sie brütet, fürcht ich, über etwas Schrecklichem!"(Euripides)

Chefredaktion:
Ja, Kater, sie brütet über dem Mord an ihren eigenen Kindern. Sie brütet von Anfang an.
Fragen wirft das Ganze nicht auf.
Die Spannung und das Drama bleiben.
Weil Medea eben Medea ist.

Und dennoch gibt es kaum einen Presse-Artikel zu einer Medea-Adaption in Film oder Theater, die nicht immer wieder diese Frage an den Anfang stellt:

"Wie kann eine Frau das tun, diese Monströsität, das Morden der eigenen, geliebten Kinder".

Völlig missachtet wird dabei die Tatsache, dass Euripides die Antwort auf diese Frage als Gegebenes an den Anfang seines Dramas stellt.

Der Inhalt des Stücks ist nicht eine langsame Entwicklung zum Kindsmord hin.
Der Wunsch des Mordes steht (mit und trotz aller Skrupel) am (und als) Beginn.
Am Ende steht nur der Triumph der Durchführung.

Euripides bleibt vollständig Medea-immanent.
Er erklärt nichts.
Er versteht das Nicht-zu-Verstehende.
Weil Medea so ist.


Paganini, der Kater:

Aha, aha, aha! Blablabla!

Text/MEDEA
"Mich wähne niemand feig und ohne Kraft zur Tat
Noch auch geduldig, sondern jener andern Art,
Den Feinden furchtbar und den Freunden wohlgesinnt;
Denn solcher Menschen Ruf und Ruhm erfüllt die Welt!"(Euripides)

Chefredaktion:
Und da sind wir nun, an dieser Stelle,  bei Thalheimer!
(Hören Sie mir überhaupt zu, Herr Paganini...?)

Das Unfassbare seiner Inszenierung liegt darin, dass er den Text nimmt und sich Diesem fraglos ergibt.

Es geht hier nur um "Medea" und um deren Sicht auf das Geschehen.

Sie sieht sich als Liebende. Sie sieht sich als Opfer dieser Liebe. 
Sie sieht ihre große lebens-Schuld in dieser Liebe zu Jason.

Und eben diese, ihre Schuld (an sich selbst) will sie ausradieren. Weiß machen.
Es soll nicht gewesen sein.

Das geht nur, wenn sie Alles vernichtet, was als Folge dieser folgenschweren Liebe passiert ist. 
Und so tötet sie. Sie tötet Alles, was Jason liebt und Alles, was sie ihm gegeben hat und damit tötet sie auch posthum ihre Liebe zu Jason. 
So denkt sie.
Sie reißt sich die Kinder aus dem Herz, weil sie dieses Herz hasst. Und deshalb hasst sie ihre Kinder. Und kann nicht nur (sondern muss) sie dem Tod übergeben.

Es gibt nicht eine relevante Entschuldigung für diese Frau. Außer der Beschaffenheit ihres Charakters.

Thalheimer reißt wie Keiner die Haut runter. Es bleibt nur das Skelett des Stoffs und der Personen übrig. Und ein Herz. Das pocht. Und das zum Wahnsinn treibt. Und das Rot ist, wie Blut.
Doch am Ende steht Medea in blütenweißer Robe aufrecht auf der Bühne.
Das war kein Sonnengott. Das war sie selbst.
Ausradiert: Ihre "Schuld"


Ich war hier: Berliner Premiere/Medea


Karg, dicht, schmerzend und wieder ganz anders, die Verfilmung von Lars von Trier.


  
Unser/Mein Liebling nach Thalheimer und Theater!


Eine wesentlich sinnlichere Version der MEDEA gibt es bei Pasolini.
Maria Callas ist eine Medea, die sehr "italienisch", als dominante Mamma, Diva und Divina brilliert, weniger "Monster" und weniger "Archaik", als durch Constanze Becker verkörpert:

4x "Medea": Euripides, Thalheimer, Pasolini und von Trier.

Wir garantieren: 4x großes Kunsterlebnis mit viel "Bumms"!






Paganini, der Kater, in der abschließenden Redaktionskonferenz:

Kindchen, Katastrophen im Feuilleton dürfen sein! 

Sonntag, 29. Oktober 2017

Die wunderbare Endlichkeit...

...ist nicht immer Vanitas!


Dennoch: Die Paganini´s-Redaktion hat eine Presse-Notiz herausgegeben, der zufolge
der Chefredakteur, Paganini, der Kater, sein Amt an seine langjährige, erprobte Mitarbeiterin der ersten Stunden, die Redakteurin, abgegeben hat.

Das Ableben seines tierischen Zwillings, Paganini, dem Kater, soll ihn in tiefe Konflikte und "in einen Zustand tiefster Nachdenklichkeit"(Pressemitteilung PaganinisBerlin v. 28.10.2017) versetzt haben, an dessen Ende diese Entscheidung zur Neuerung der Redaktion gestanden ist.


"Besser frühes Altenteil und Ruhestand als früher Tod durch raschen Verschleiß von 7 Leben"
(O-Ton, Chefredakteur, Paganini, der Kater, in der Pressekonferenz v. 28.10.2107)




Paganini, der Kater, Chefredakteur der Paganini´s, macht es sich in Zukunft auf der Couch gemütlich


In Zukunft übernimmt nun eine Frau mutig das Steuer in diesen stürmischen Zeiten der Paganini´s-Redaktion:

Die Redakteurin

                                                  Noch herrscht Freude bei der neu ernannten "Chefredakteurin"



"Nein, ich habe mich als Frau niemals benachteiligt gefühlt. Ganz im Gegenteil.
Der Chef hat mich an diese verantwortungsvolle Aufgabe geduldig herangeführt und wachsen lassen", beteuert sie in der Presse-Mitteilung zur aktuellen Situation.


Paganini, der Kater und ehemaliger Chefredakteur dieser Berliner Kultur-Seite, bleibt als stiller Teilhaber, "Einflüsterer" (Pressekonferenz v. PaganinisBerlin, 28.10.17) und kompetenter Berater "aus dem Off" (Pressekonferenz v. PaganinisBerlin, 28.10.17) selbstverständlich präsent und aktiv involviert.





Ab Mitte November geht es hier also neu und dennoch weitgehend unverändert weiter.
 
P.S. Großartig schon jetzt die Chefredaktion, unterbezahlt, aber "Mein"!


Dienstag, 10. Oktober 2017

Zwei Variationen...

...eines Typs!




Paganini´s hat es sich zur Aufgabe gemacht, immer wieder nach Variationen von Ein- und Demselben zu suchen.
So Manches musste unter die Lupe genommen werden, doch nun wurden wir erneut fündig.

Fündig im Sinne von:
Nicht auf den allerersten Blick offenbart sich die Zwei der Variation einer Eins, auf den zweiten Blick aber sehr wohl!
Wenn man sich dem öffnen möchte!

Ob Menasse von Hader weiß oder umgekehrt, ob hier Parallelwelten oder das kollektive Unbewusste am Werke sind, soll nicht zur Diskussion stehen.
Es gibt gar keine Diskussion.

Nur: Zwei Variationen eines Typs!



Variation 1: Robert Menasse



und


Variation 2: Josef Hader



Wir, die Paganini´s, gratulieren Herrn Menasse zum deutschen Buchpreis!




Chefredakteur Paganini, der Kater, ist noch immer über das Ableben seines tierischen Zwillings, Paganini, den Kater, untröstlich und so konnte dieser Beitrag als kecke Eigenmächtigkeit von Redakteurin und Redaktion unkommentiert und ohne Redaktions-Konferenz  und ohne Veto des Chefs durchrutschen...

 
 
 

Wir machen Pause (bis ca. Mitte November) für den Abschied von diesem Tier, das viel mehr als (Vor-) u. (Ab-) Bild oder Maskottchen für unsere
Redaktion gewesen ist! 

Freitag, 22. September 2017

Das Berliner Ensemble hebt den Vorhang...

...und spielt Drama: Camus "Caligula"


Es hebt sich der Vorhang, ein Paukenschlag tut sich in uns, der Paganini´s- Redaktion,  wir erleben die Auferstehung des Berliner Ensembles, nein, nicht wirklich aus der Asche, aber: NEU!


Foto@Paganinis

NEU! Das ist eines der Schlagworte der Intendanz und ein anderes heißt: DRAMA.

So flimmert es in den Social Media-Kanälen des NEUEN Berliner Emsembles in den Videos und so liest man es auf Plakat-Wänden. Der Überbegriff von Neu und  Drama ist GEGENWART!

Nun also Vorhang auf für "Drama, Baby, Drama", Caligula darf als Tyrann tun und lassen, wie er will! Das Stück erfuhr  bereits von Albert Camus unterschiedliche Lesarten. Mal als Teil einer Trilogie des Absurden angekündigt, mal als "nicht philosophisches Stück" benannt, sorgte schon der Schöpfer für Diskussionen.
Der dramatische Text entstand 1938, vor dem Roman "Der Fremde" und dem philosophischen Essay "Der Mythos des Sissyphos" und wurde bereits 1936 von Camus als Teil der großen Drei angedacht.
"Philosophisches Werk: das Absurde. Literarisches Werk: Kraft, Liebe und Tod im Zeichen der Eroberung."Albert Camus, Tagebuch (1936) 
Jahrzehnte später distanzierte Camus sich von dem direkten  Bezug des "Caligula" zu seiner Philosophie des Absurden.
Caligula ist also eine Tragödie der Erkenntnis. Und daraus wurde mit schöner Selbstverständlichkeit der Schluss gezogen, es handle sich um ein intellektuelles Drama. [...] ich suche umsonst nach der in diesen vier Akten angeblich zum Ausdruck kommenden Philosophie.“ Albert Camus: Vorwort zu Dramen (1959)
Den einzigen Anflug einer Philosophie vermochte Camus in dem Satz „Die Menschen sterben und sie sind nicht glücklich“ zu sehen. Dies allerdings sei „eine der ganzen Menschheit vertraute Binsenweisheit“.

Zur Zeit erlebt "Caligula" eine Mini-Renaissance an den Theatern und im aktuellen Newsletter des BE wird er ziemlich forsch für die politische Realität der Gegenwart vereinnamt:

"Wohin es führt, wenn Politiker sich wie Schauspieler verhalten? Das erfahren wir am 21. September in Albert Camus' "Caligula". BE-Dramaturgie/Valerie Göhring
Und weiter gipfelt der brandaktuelle Ansatz in der Grundsatzfrage:
"Auf welchen Prinzipien gründen individuelles Leben, Gesellschaft und politische Macht in einer absurd erscheinenden Welt?"www.berliner-ensemble.de/inszenierung/caligula

Umso gespannter sind wir, während sich der Premieren-Vorhang zur doppelten Premiere hebt, mit der Frage beschäftigt, wie der Regisseur, der als verspielt geltende Antu Romero Nunes, das Ding mit Leben füllen will und welchen theatralen Weg die Veranschaulichung einschlagen wird.

Rasch wird klar, Nunes kennt und will tatsächlich nur diesen einen Weg: den, der ins Theater führt und der Theater ist, er schert sich einen Teufel um die Analysen und Aktualisierungen der Dramaturgie und zeigt Camus-Nihilismus, Theater-Effekte, Bilder und Assoziatives. Und er setzt auf seine Schauspieler, die das schaurig-schöne Treiben mit morbider Lust entfalten.

Vermutlich weil es hier, in diesem Stück, um die Umwertung aller Werte geht, wird Caligula von einer Frau, der Tragödin Constanze Becker, verkörpert. Caligulas Geliebte dagegen ist ein Mann.

Alle sehr androgyn, versteht sich, skurril verfremdet sowie augenzwinkernd an filmische Gestalten aus Horror- und Splatter-Genre erinnernd. Glatzköpfig und weiß geschminkt, mit starrenden Augen und blutverschmiertem Mund, ist dieser Caligula eine Schwester des Nosferatu, wie dieser eingehüllt in eisige Einsamkeit. Erlösung könnte hier nur der "Mond" sein, also "Nichts".

So zeigt sich die Sehnsucht dieser versteinerten Seele in einer weiteren Neuerung, einem (für Camus-Texte) ungewöhnlichen Einfall des Regisseurs. Denn dieser/diese Caligula SINGT!
Und zwar Friedrich Holländer.

Von Constanze Becker interpretiert (und über den Abend als roter Faden mehrfach variiert) assoziieren wir mehr "Nachtportier" als Marlene Dietrich.

...Wenn ich mir was wünschen dürfte...


Schön ist es, das anzuhören, einer der wenigen, wirklich berührenden Momente.
Allerdings auch einer der Camus-untypischsten!

Alles in Allem wirken später vorrangig einzelne Bilder in uns nach. Die leere, schwarze Bühne, auf der sich die clownesken Figuren ängstigen und sich peinigen lassen, von einem insektenhaft sich bewegenden Caligula, in seiner Maskerade, verkleidet fast zu einem stilisierten, goldenen Kalb.

Caligula, in die Tasten einer Orgel hauend, deren goldene Pfeifen später in Gitterstäbe verwandelt scheinen.

Oder der peitschende Sturm, das Theater-Gewitter, mit Blitz und Regen und sich darin aufzulösen scheinenden, hin- und her geschleuderten menschlichen Figuren, die so ausgeliefert sind, an sich selbst und an diesen Caligula, der ein Abziehbild sein soll, für dieses Monster, das in uns Allen jederzeit möglich ist!

Weniger Bohei im Vorfeld um die aktuelle politische Dimension (im Sinne humanistischer Demokratie-Lehrstunde) hätte dem Abend und der Inszenierung besser zu Gesicht gestanden!

Das Vertrauen in KUNST kann genügen!




Wir waren zur Premiere Hier ---->

Dienstag, 12. September 2017

Das wunderbare Wort zum Sonntag...

...diesmal schon zum verregneten Mittwoch!



Blixa Bargeld und Teho Teardo: "Come up and see me"




Gar nicht hohepriesterlich, sondern sehr gelassen, konzentriert, professionell und ernst (ohne humorlos zu sein) zeigt sich der Musiker in einem kürzlich ereignetem Radio-Interview:


"Ich lasse zu und es geht durch mich durch oder so"






Ein  wunderbar, gelungenes WE im Sinne von...


...Mittwoch, Donnerstag, Freitag - und schon ist das Wochenende wieder da... 


wünschen die Paganini´s!


Sonntag, 10. September 2017

Fous de danse...

...statt Fous de haine!


Nun ist es soweit. Die zum Sommer verschlossenen Theater-Türen werden wieder geöffnet, den zu erwartenden Premieren wird entgegen gefiebert, das Berliner Ensemble ersteht "NEU" mit bereits jetzt bewunderten, schimmernden Phönix-Federn, Ostermeier´s  Eribon-Adaption dürfte (wie alle seine Produktionen) bald unter Dauer-Ausverkauft laufen, das Deutsche Theater hat den Ferdinand Schmalz auch ohne den Bachmann-Preis längst gefunden und das Maxim Gorki-Theater nimmt sich der Flüchtlingskrise an, wie sie es bereits "vor" der Bewusstwerdung der Flüchtlingskrise getan hat.

Nur die Castorfsche Volksbühne ist weg - trotz Petition, Trauer und Lamento.

Und die Volksbühne Berlin ist da und eröffnet ihre Erst-Saison mit "Fous de danse", dem 10stündigen Tanz-Marathon-Spektakel, das tatsächlich dem "Volk" gewidmet ist, denn ALLE dürfen kommen, um in kollektiven Tanz-Bewegungen zu verschmelzen.

Fous de danse ist von dem Wunsch angetrieben, eine temporäre tanzende Gemeinschaft zu schaffen, die mineralische Oberfläche des Tempelhofer Flugplatzes mit Körpern und verschiedenen Zuständen zu füllen, eine choreografische Form zu erfinden, die sich mit der Zeit verändert, und das Publikum einzuladen, an dieser Metamorphose des Raumes und der von ihm aufgenommenen Gesten teilzunehmen.(Volksbühne Berlin)

Und wir, die Paganinis-Redaktion stehen zerrissen im Vorfeld, wie so Viele, denn ist es nicht unloyal (der altgedienten, geliebten Bühne gegenüber) sich dort einmal umzutun und mitzumischen oder muss der kultivierte (?) Berliner Bürger nicht tapfer dem Mobbing der vergangenen Monate entgegen gehen (tanzen oder tänzeln), denn selten durfte eine breite Öffentlichkeit das "Schauspiel" miterleben, wie einer einzigen Person ein -oh doch- zerstörerischer Hass entgegen geschleudert wurde, der mit "Mobbing" noch zärtlich umschrieben ist.

Oder, so der weise, alte Kater Paganini in der Redaktionskonferenz, geht es heute nicht endlich einmal weder um unloyal noch um jovial, auch nicht um scheißegal sondern um Neugier und Interesse einer neuen kulturellen Institution unserer Stadt gegenüber?

"Kinder, da gehen wir natürlich hin, der Eintritt ist frei, den Schampus lass ich aus der Klimpergeldschatulle springen, das Tempelhofer Feld liegt bei uns um die Ecke und auch der Ersan Mondtag hat in Twitter öffentlich angekündigt, dass er sich das mal anzuschauen traut!

FOUS DE DANSE statt FOUS DE HAINE!"

Zu des Katers Rede zeigen kleine Winke einzelner Sonnenstrahlen just zur Eröffnung dieser Premiere an, dass selbst ein Herr Dercon dieser Tage einen Gott an der Seite zu haben scheint.

Jede wohlüberlegte Entscheidung bringt Erleichterung mit sich. Froh und frei stecken die Paganini´s die Köpfe zusammen und recherchieren zwecks Vorbereitung aufs Event in den Weiten des WWW und auf den Seiten der Volksbühne Berlin.

Boris Charmatz, sehr sympathisch, lockert unsere Glieder allein vom Zusehen der Tutorials (1-6),
in denen wir uns einige Körper-Tanz-Übungen schon vorab in den Redaktionsräumen antrainieren und abschauen dürfen. Die Übung "Crocodile" lässt uns kurz überlegen, ob der Tierschutz informiert werden sollte und auch "Marlene" bringt Fragezeichen auf den Plan, doch der Rest lässt ahnen, wie die konvulsivisch zuckenden Leiber einer Masse etwas Hypnotisches entstehen lassen könnten:


und

(Hier gibt es die Tutorials und Choreographiertes von Anne Teresa De Keersmaeker)


Und wie wir uns so einsehen und eindenken, in diese neuen Volksbühnen-Welten, da wird doch noch einmal das Herz so schwer. Das was wir da sehen, das interessiert uns. Wir werden es uns ansehen. Mit Sicherheit. Und ohne Vorbehalt. Aber nicht Heute. Denn in diesen Stunden erst wurde uns greifbar bewusst, dass die alte Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz tatsächlich auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist.




Mit großer Spannung darf den morgigen Kritiken entgegen gesehen werden.
Wir drücken Dercon die Daumen!

Freitag, 8. September 2017

Liebeserklärung ans Leben und die Literatur:

"Paterson" von Jim Jarmusch


Eine kleine, provinzielle, hübsche Stadt (mit einem Wasserfall!), ein Busfahrer, eine Frau, die der Busfahrer liebt und die ein Faible für "Schwarz-Weiß-Muster" sowie viele, weit buntere Flausen im hübschen Köpfchen hat, Gedichte des Busfahrers, der sich in der Welt der Dichter besser auskennt als mancher Uni-Professor, ein englischer Mops (?) und einige Passanten, Bus-Fahrende und eine winzige Kneipe reichen aus, um den Kosmos "Mensch" so liebenswert, bescheiden und - ja, spannend - abzubilden, dass großes Kino entsteht...

Trailer, deutsch, Youtube:



Jim Jarmusch wird - so scheint fast - mit jedem Film besser, obwohl er von Anfang an  ein ganz Gewaltiger des Arthouse- und Independent-Kinos gewesen ist.

Nach "Dead Man" und seiner überwältigenden Vampir-Love-Story "Only Lovers Left Alive" ist eigentlich nichts Großartigeres im Jarmusch-Kosmos denkbar gewesen, doch mit "Paterson" gelingt ein Anknüpfen an die frühen Arbeiten, kombiniert mit Lebens-Bescheidenheit, Reife und Raffinesse, die ihresgleichen weltweit sucht.

Ein Wunder!

Erneut sei ein "bester Film ever" unserer Redaktions-Herzen an fremde Herzen empfohlen!

Inspiriert ist der Film übrigens von Jarmusch´s Liebe zu den Poems von  William Carlos Williams, den wir (das sei gestanden) bis dato nicht kannten.

Also Bühne frei, für dessen nahezu berühmtestes Gedicht:

This Is Just to Say 

I have eaten
the plums
that were in
the icebox

and which
you were probably
saving
for breakfast

Forgive me
they were delicious
so sweet
and so cold



Wikipedia:
"This is just to say" (1934) is a famous imagist poem by William Carlos Williams

Freitag, 1. September 2017

Der wunderbare Tief-Blick, die Nonchanlance, die Skepsis...

...der Optimismus (zur neuen Saison) sowie der
Wir-holen-Dich-ins-Boot-Ton der Berliner THEATER in ihren  Newslettern:



One letter makes all the difference.


Finger weg!


Ich bin ein Blumenkind.*



Kommt baden, Kinder, baden!


Vor uns liegen viele glänzende Tage...


Das macht mich ganz krank


Wir sind wieder da – you’ll never walk alone


NEUSTART/Achtung: Dies ist der erste Newsletter der Volksbühne Berlin der Spielzeit 2017/18. Sollten Sie unseren Newsletter ab sofort nicht mehr erhalten wollen, haben Sie hier die Möglichkeit, sich auszutragen. Natürlich würden wir uns freuen, Sie an dieser Stelle auch weiterhin regelmäßig mit Infos rund um die Volksbühne zu versorgen!


"Keep it real"

 

Wann kommst du uns besuchen?


Deutsche extrem weniger rechts als andere aber zunehmend extremer rechts...



"Wir sind's: Das neue Berliner Ensemble"


...Auf der Suche nach Sinn im Wahnsinn dieser Tage... 


Lassen Sie sich befreien?!


Keine Angst vor Theater


Express yourself, don’t repress yourself!

 


Tropfen auf heiße Steine



Ich bin wie Geld.*



 



Paganini, der Kater, in der Redaktionskonferenz:


Kinder, da geh´n wir hin...


P.S. Den Zitaten liegen weitgehend einige BETREFF-Zeilen der Newsletter von BE, DT, Schaubühne, Gorki und Volksbühne sowie HAU zugrunde. Fortsetzung der "Sammlung" folgt!


Samstag, 26. August 2017

Die wunderbare Katze...

...namens Michele und Martine: kurz "ELLE"!




Foto@CC


Nein, wir waren noch immer nicht im Kino. Zumindest nicht, um "ELLE" zu sehen.
Der Kino-Gott war uns nicht hold und sorgte für den sprichwörtlichen "Strich durch die Rechnung", sobald die Paganini´s-Redaktion unisono ein "Heute gehen wir in ELLE" beschlossen hatte.

Und nun ist sie ein wenig verschämt da gelegen, auf dem großen Redaktions-Tisch, mittig platziert und doch ein wenig bedeckt durch Konzept-Papier.

Die DVD. "ELLE". Endlich!


Paganini, der Kater in der Redaktionskonferenz:

Kinder, schaut sie Euch an. Diese Augen. Der Blick.
Das Laszive, das Zerbrechliche, das Gefährliche, das Unbesiegbare.
Das kreatürliche "Dennoch", das Überleben-Wollende, das geschmeidig Rätselvolle.

Martine, die Katze!

Sie spielt die wunderbare Isabelle Huppert an die Wand, ganz ohne  Aufwand,

sehr nonchalant sozusagen, auf ihren leisen, grauen, puscheligen Pfoten...

Und ein nahezu herzzerreißendes Schnurren ward laut, in den Räumen der Paganini´s-Redaktion...





P.S. Der Film ist wahrlich umwerfend raffiniert komponiert und gespielt, eigenwillig beklemmend und dennoch befreit und befreiend und (zähneknirschend zwar) auch als DVD und in Laptop-Bilschirm-Größe als eine Herzens-Empfehlung für ein gelungenes Wochen-Ende von uns hiermit anempfohlen!

Eine intensivere Auseinandersetzung mit Stoff u. Film mag, so der Rezensions-Gott gnädig ist, folgen...

Immerhin ist die Vorlage zum Film Philippe Djian´s "OH":

„Es ist kalt, die Tage werden kürzer. Ich lese keine guten Drehbücher. Ich bin vergewaltigt worden. Vom Verhältnis zu meinem Mann und meinem Sohn rede ich gar nicht, ganz zu schweigen von meinen Eltern. Das Schlimmste ist, dass man bald schon über Geschenke nachdenken muss.“

Auch, tatsächlich, ein "wunderbarer Buchanfang"!

Mehr zum Buch Hier:--->

Donnerstag, 24. August 2017

Das wunderbare Zusammenleben...


...Folgendes ist denkbar... 

 
 

Foto@cc


 
Eine Frau sagt: "Ich fahre jetzt zum Großkauf. Ich bin gleich wieder da!"

Mann und 2 Kinder denken nichts.
Die Frau landet mit der Frontseite des Autos an einem Baum.

Zunächst wird ein "verhängnisvoller Unfall" gemunkelt.

Dann stellt sich heraus, dass auf "gerader Straße keine Bremse getreten wurde".
Ein entgegen kommendes Fahrzeug, das involviert gewesen sein könnte, wird nicht gefunden.

Nun ist klar: "Suizid"!

Alle in dieser Kleinstadt wissen, dass der Mann (von Beginn der Beziehung vor 11 Jahren an),
die Frau (mit wechselnden Damen) betrogen hat.

Doch den Suizid konnte Keiner vorher sehen.

Und was wollte Sie?

Bestrafen. Ruhe haben. Dulden. Ohne weiter zu Erdulden.

Oder...



Donnerstag, 10. August 2017

Der wunderbare Buchanfang: XX. Teil

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"

(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet
sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Heute, da aktuell wie immer, die obskure Frage nach dem "Sinn" des Lebens stellend,




Albert Camus, "Der Fremde"





ERSTER TEIL



I


Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß es nicht.

Aus dem Altersheim bekam ich ein Telegramm: «Mutter verschieden. Beisetzung morgen. Vorzügliche Hochachtung.» Das besagt nichts. Vielleicht war es gestern.

Das Altersheim liegt in Marengo, vierzig Kilometer von Algier entfernt. Ich nehme den Zwei-Uhr-Omnibus und komme am Nachmittag an. So kann ich alles erledigen, und morgen abend bin ich wieder zurück. Ich habe meinen Chef um zwei Tage Urlaub gebeten; bei einem solchen Anlaß konnte er ihn mir nicht abschlagen. Aber einverstanden war er nicht, das sah man. Ich sagte sogar: «Ich kann nichts dafür.» Er gab keine Antwort. Da fiel mir ein, daß ich das nicht hätte sagen sollen. Ich brauchte mich ja nicht zu entschuldigen. Vielmehr hätte er mir kondolieren müssen. Aber das tut er sicher erst übermorgen, wenn er mich in Trauer sieht. Einstweilen ist es fast noch so, als wäre Mama nicht tot. Nach der Beerdigung aber wird alles seine Richtigkeit haben und einen offizielleren Anstrich bekommen.

Ich nahm den Zwei-Uhr-Omnibus.





Cover@Rowohlt




Den gesamten Text gibt es übrigens Hier!
Wir haben uns allerdings heute das Buch kommen lassen.
"Buch" ist und bleibt eben Buch und im Bücherschrank der Redaktion fanden wir nur ein zerfleddertes Exemplar von "Die Pest"!


Wikipedia schreibt:

Der Fremde (franz. L’Étranger) ist ein Roman des französischen Schriftstellers und Philosophen Albert Camus. Er erschien 1942 im Pariser Verlagshaus Gallimard und wurde einer der meistgedruckten französischen Romane des 20. Jahrhunderts. Er gilt als eines der Hauptwerke der Philosophie des Existentialismus.






Das Berliner Ensemble beginnt seine neue Zeitrechnung mit dem dramatischen Text  "Caligula" von Albert Camus.
So, mit dieser Inspiration, sind wir auf ihn zurück gestoßen worden.
Ja, er ist aktuell, wie neu.

Und dennoch sind wir nicht mehr die Alten.

Hat er uns in postpubertären Zeiten die Frage nach dem Sinn, in einer scheinbar absurden Welt, mit der "Revolte" (des Sisiphos) beantworten lassen, so sehen wir mittlerweile (ohne Anstrengung) viel lieber eine Transzendenz.

Wie auch immer, ein interessant schillernder Auftakt für eine neue Intendanz und Spielzeit ist dieser
Stoff in jedem Fall!




P.S. "Die Kunst und nichts als die Kunst - wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen"... 
Nietzsche zitierend gelingt Camus ein hinreißendes Essay über den Künstler und sein "absurdes Werk" im "Mythos des Sisyphos".
Einmal wieder auf Camus einlassend, sind wir erneut begeistert!

Donnerstag, 3. August 2017

Beeerlien, Beeerlien...

... so wunderscheen bist Du...




Foto@cc


Berlin

Komma 

Berlin 
Komma 
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Komma

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...Berlin regnet...!




 
 

Heute wollten wir die gute, alte Arche Noah aus dem Keller holen und auf den Wassermassen davon segeln.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Rich makes poor...

...und poor makes rich...: 

"Oh Fortuna velut luna statu variabilis!" (Carmina Burana)


Ein ruhiges "Dorf". Mitten in Neukölln/Berlin. Pferdekutschen, Huf-Getrappel, Pferde-Mist, alte Bäume, Wilhelminismus in der giebelreichen Fassade possierlicher Altbauten, Grün:
Das ist Rixdorf und der Richardplatz, in dem "unser" Haus steht. 

Das sind (in einem Teil unserer Vielheit a la Precht) WIR, die Paganini´s-Redaktion.



Alle Rixdorf-Fotos@Paganini´s


Mit dem Beginn der Gentrifizierung Neuköllns zogen wir Ende 2006 ein, nun sind wir Hier.
Wir genießen es. Wir nerven uns damit herum. Wir spüren das Aufziehen immer neuer Spannungen. Wir leben damit. Nein, wir sagen nicht: Wie ruhig ist es hier einmal gewesen.

Es ist noch immer ziemlich ruhig. Auf den Hörsinn bezogen. Es  ist nur nicht mehr homogen. Und das hat viele Vorteile. Und manchen Nachteil. Vorrangig den einen Nachteil, dass die Spannungen zwischen dem Differenten stärker spürbar und sichtbar werden.






Und es gibt eben Tage, an denen wir der wachsenden Spannung in der Welt und in der immer noch wachsenden WELT-Metropole Berlin, gerne für eine Weile aus dem Weg gehen würden.
Das allerdings ist nicht möglich!

Als wir nach Rixdorf gezogen sind, lockte uns die geräumige Altbau-Wohnung mit Stuck und abgezogenen Dielen, das "Idyll" des dörlich-kleinbürgerlichen Miteinanders und -natürlich- der Mietpreis. 
Alles hier hatte seinen festen Platz. Der Bäcker, der Tante-Emma-Laden, die kleine Kapelle nebenan, aus der am Sonntag-Vormittag die Gesänge der Gemeinde-Mitglieder zu unserem Küchenfenster hinauf wehen. 
Ziemlich wüst endete jedes Mal (und verändert sich auch jetzt noch) der Charakter dieses Wohn-Gefühls durch das Überqueren der nahe gelegenen Karl-Marx-Straße und der Sonnenallee: Döner-Buden, türkische bzw. arabische Männer-Cafe´s, Geiz-ist-Geil-Läden und Woolworth-Filialen reihten sich hier aneinander.

Dazwischen die Altberliner Eck-Kneipen mit Billiard und Dart oder Flipper an der Wand. 
Umso verwunschener erschien -die immer schon große Pracht- des Saalbaus mit dem goldenen Cafe Rix.

Hier saßen die, die es aus anderen, verwöhnteren Bezirken der Stadt nach Neukölln verschlagen hatte.






Inzwischen ist das fest abgegrenzte und sehr friedliche Miteinander, nicht zuletzt durch ratternden Baustellen-Lärm, dauergestört. Auch die Karl-Marx-Straße wird von Amts wegen aufgemöbelt.
Die Anstrengungen der Gentrifizierung breiten sich also aus.

Begonnen haben sie allerdings im Kern. Im echten Rixdorf. Das sich langsam dem (mittlerweile hippen) Kreuzkölln anzugleichen beginnt.

Das Haus, in dem wir nun seit 10 Jahren leben, hat seither zum dritten Mal den Besitzer gewechselt. Mit jedem Wechsel wurde ein wenig saniert, stiegen natürlich auch Mietpreis und Nebenkosten. In der Laden-Wohnung des Hauses, die lange mit dauergeschlossenen Fensterläden als Lager-Raum diente, fand erst ein Bio-Laden seine Heimat. Und inzwischen ist sie zu einem, tatsächlich bezaubernden, Cafe verwandelt, das "Zuckerbaby" heißt.

Hier sitzen nun die Neuankömmlinge beisammen, die es in den letzten Jahren in die sanierten Wohnungen zog. Wir sitzen auch gerne dort. Aber wir kommen nicht umhin, die zunehmend angstvolle Stimmung wahrzunehmen, die aus dem Gefühl des Bedrohtseins entsteht.





  
So mancher Pachtvertrag wird nicht mehr verlängert. In jeder unbebauten Lücke des Bezirks steht ein Bauzaun, bald danach der Bau-Kran und dann ein ganzes, neues Haus-Gerüst:

"HIER ENTSTEHEN EIGENTUMSWOHNUNGEN!"
So steht es dann auf, in die Erde gerammten, Info-Tafeln.

Was dem Einen die "Info-Tafel" vor der Großprojekt-Baustelle, ist dem Anderen die Häuserwand:

 "RICH MAKES POOR!" ist da zu lesen, "YUPPIEH-SCHWEINE RAUS AUS NEUKÖLLN!" und Ähnliches.







Pamphlet mischt sich mit sachlich anmutenden Fragen.
Auch Philosophisches findet Raum.

Die Altberliner Kneipen schwinden und sind mittlerweile in der Unterzahl.





Die Richardstraße ist in der festen Hand (überaus höflicher und wohlerzogener!) junger Studierender, deren gutsituierte Eltern sie (aus den elterlichen Wohnstuben in Prenzlauer Berg) mit gutem Gewissen in den ehemals eher verpönten Bezirk entlassen (und eingemietet) haben.

Inzwischen haben wir die Qual der Wahl, wenn es um die Frage geht, wo wir abends etwas Essen gehen wollen. Das Cafe Rix ist lange nicht mehr die einzig denkbare Anlaufstelle.
In Rixdorf gibt es Bio, gibt es Vegan und gibt es Feinkost, dazu Pizzerien namens "Bohemia" und feinsinnig durchdachte Küche wie im schicken "Hallmann&Klee".





Noch warten geschlossene Läden im Dornröschenschlaf darauf, dass sie wach geküsst werden. 
Sie werden sich im Spiegel ihrer Kundschaft und Betreiber selbst nicht mehr wieder erkennen können.

Irgendwann werden auch die besagten Eltern aus Prenzlauer Berg sich in Rixdorf eingekauft haben.
Die GENTRIFIZIERUNG muss dann weiter suchen, nach einem neuen Kiez, den sie verschönern darf.
Bis dahin gilt es die Spannung auszuhalten, die eine jede Umbruch-Situation mit sich bringt.
Und die Frage:
"Wie endet die Gentrifizierung in Rixdorf eines Tages für uns?"

Denn wir wissen seit langem: 

"Oh Fortuna velut luna statu variabilis!"