Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: www.paganinisberlin.de

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Mittwoch, 28. August 2013

Berlins "Bad Boy" ...

...hautnah!


Berlin von unten: Ben Becker liest aus dem Berliner Cliquenroman „Blutsbrüder“ im Babylon!

FNFreiheit@flickr.com


Anfang der 30er Jahre lebten in Berlin infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse Tausende Jugendliche auf der Straße. Zuflucht fanden sie in selbstorganisierten Cliquen. Davon erzählt der 1932 erschienene und 1938 verbotene Roman "Blutsbrüder" von Ernst Haffner. Einiges erinnert daran an heute. Nicht nur deshalb ist dieses Buch eine großartige Wiederentdeckung.

Der Schauspieler Ben Becker liest bei der Buchpremiere aus "Blutsbrüder", der so kraftvoll wie kaum ein zweiter deutschsprachiger Roman aus den 1930er Jahren erzählt.

Babylon, Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin 
Präsentiert von tip Berlin und METROLIT. In Kooperation mit FluxFM und dem internationalen Literaturfestival Berlin. 

Ernst Haffner, Blutsbrüder, Metrolit, € 19,99



Wir, die Paganini´s-Redaktion waren da:


"Ist hier jemand vom Tagesspiegel"? 

Mit dieser Frage beginnt Ben Becker die Lesung von "Blutsbrüder".
Seine Stimme hat den Text bereits als Hörbuch für die Ewigkeit interpretiert.
Nun blickt er vom Podest aus suchend ins Publikum.
Keiner outet sich als Tagesspiegel-Schreiberling.

"Dabei hab ich den tatsächlich abonniert. Das ist schon komisch:
Da geht man morgens zum Briefkasten, holt die Zeitung hoch und 
liest dann zum Frühstück, dass man ein Arschloch ist!"

Gelächter, Geräusper, ein Schluck aus dem Wasser-Glas und los geht´s mit dem Buch.

Ben Becker ist sicher Einer, der zu Berlins beliebtesten Entertain-Begabten gehört.
"Rampensau" nennt man sowas. In diesem Fall liebevoll gemeint. 
Der kann gar nicht anders, als ne Bühne füllen. Und wenn keine da ist, dann kreiert er sie sich!
So gesehen eine Stunde vor Beginn.

Wir, die Paganini`s, sitzen im Starßencafe neben dem Babylon und genießen den Feierabend.
Herr Becker tritt, Bierflasche (?) in der einen und Zigarette in der anderen Hand balancierend, auf den
Vorplatz der Spielstätte. 
Zwei, drei Herren klatschen ihm abwechselnd auf die Schultern, ein Fotograf darf für die Presse ein Foto schießen. 
Ben Becker wirkt "very privat", ganz, ganz lässig und ist dennoch alle-nur-denkbaren-unsichtbaren-Räume-füllend präsent.
So schiebt er seinen Körper, im Anzug mit offenem Hemdkragen steckend, mit leicht parodistischem Zuhäter-Charme, an Passanten vorbei und ins Dunkel der Kneipe hinein.
Nein, er will nicht angesprochen werden. Signalisiert das. Er will noch entspannen.
Aber. Schauspieler und Selbstinszenierer ist er eben dennoch!

Wie könnte da die Lesung etwas Anderes als kurzweilig geworden sein. 
Zumal es ein großartiges Buch ist, aus dem gelesen wurde.
Very Berlin und ganz was Besonderes. 
Aber: Darüber ausführlicher irgendwann an anderer Stelle bei Paganini´s.
Bis dahin bitte selber lesen!

Oder erstmal Ben Becker im O-Ton über "Blutsbrüder":
http://greatest-berlin.de/stadtleben/story/ben_becker_im_interview/110808






Sonntag, 18. August 2013

Nur Glas!

Auf den Dächern der Stadt schlafen Katzen.
Ihr nächtlicher Schrei erkämpfte den Mond.
Liebe errungen gegen Überzahl.
Der Stein ist erklommen, komm Nacht und erweiche.
Das Herz der Häuser im Tod.

Der Wolf schlägt den Ton an und schweigt.
Der Mond ist ein Ball.
Er winkt in der Ferne zum Spiel.
Komm Ball und springe, so wie ich ringe.
Die Zähne in dich zu schlagen.

Ein Mensch steht am Fenster.
Der Schlaf geht zum Teufel.
Kein Stern lockt ein Funkeln ins Auge.
Tot wie ein Holz, leert es die Nacht.
Nichts zu sehen im Spiegel.

Nur Glas!












Freitag, 16. August 2013

Die wunderbare Frage. I. Teil:

...Wie schaffen es Menschen, mit einer blütenweißen Weste,
durch dieses Leben zu kommen?


Wir nehmen uns diese existenzielle Frage vor und halten Ausschau.
Das Ergebnis präsentieren wir, die mittlerweile geschrumpfte Redaktion, in einigen Wochen.

Bis dahin schauen wir einfach intensiv hin!





Schulter an Schulter nach wie vor:

Redakteurin




Paganini, der Kater




und Schattenmann,
allenfalls, 
TOTAL inkognito






Wir wiederholen:

Wie schaffen es Menschen, mit einer blütenweißen Weste, 
durch dieses Leben zu kommen?


Auflösung bald...!











Mittwoch, 7. August 2013

Die wunderbare Neuerscheinung:

Matthias Göritz  "Träumer und Sünder"!



BUCHANFANG (!):


I

"Sehen Sie die Luft? Wie sich das Sonnenlicht in den Fasern, Pollen und Blütensamen bricht – wie in Tausenden von Diamanten? Man hat das Gefühl, durch die Gegend zu schwimmen. Dieses Licht gibt es nur in Italien. Hören Sie? Ein Möbelwagen fährt die Straße hinab, Traslochi, Traslochi steht auf den Türen und an den Seiten. Umzug. Ein scharfes Bremsen, Poltern, zwei Männerstimmen, die sich eher ansingen als anschreien, unverständlich. Für einen kurzen Moment ist die Luft über dem Platz in Bewegung geraten, man sieht, wie kleine Wirbel alles mit unsichtbaren Pinselstrichen verzieren, dann tritt der Staub wieder in seine fast fließende, zähe, stetige Bewegung zurück. Die Luft hat etwas von flockigem Wasser, ruhig und schön, das Licht zittert wie ein noch ganz junger Körper in der morgendlichen Kühle. Der Möbelwagen fährt weiter; das nur von den Vögeln und Handgriffen der Marktbeschicker unterbrochene bedächtige Schweigen nimmt wieder seinen kurzen, aber wichtigen Platz ein im Tagesverlauf. Ach. In so einem kleinen Bild steckt doch das ganze Leben, meinen Sie nicht?


Cover@C.H.BeckVerlag


II


Präsentation des druckfrischen Buches war Heute in Britta Gansebohms „Literatursalon“:


Der Titel „Träumer und Sünder“ ist übrigens einem Zitat von Klopstock entliehen. 
Der Autor hatte ursprünglich an „Das Geschäft mit den Träumen“ gedacht,
Doch das Lektorat des Beck-Verlages bat um Alternativen, die weniger nach „Sachbuch“ klingen.
So kam es zu Klopstock.

„Den ich noch nie richtig mochte!“

Matthias Göritz hat eine große Erzählung geschrieben.
Sie bebildert, versinnlicht, verlebendigt den Plot.

Den wüsste Matthias Göritz sehr gerne baldmöglichst grandios verfilmt.

Genau so, natürlich wie das Leben selbst und dennoch in der Form perfekt, liest Matthias Göritz 
45 Minuten aus seinem Buch. 
Er liebt sein Buch. Er liebt sein Thema. Und er liebt seinen Protagonisten. 
Den alternden Produzenten. 
Er liebt Filme. 
Er liebt das Schreiben.
Recherchiert hat er u.a. in Hollywood. 
Cineast ist er seit dem sechsten Lebensjahr.
Am Ende der Lesung gewinnt die Paganini´s –Redaktion - wie im Märchen, 
nach eines Rätsels Lösung - ein Freiexemplar des druckfrischen Buches.

„Was soll ich hineinschreiben?“ 

„Was immer Sie wollen!“ 

Er schreibt:

Wenn wir glücklich sind, sind wir unsterblich!

„Ab heute“, so schwören wir uns, „geben wir uns ein bisschen mehr Mühe, glücklich zu sein!“

Miau!





III

An´s Herz gelegt sei auch eine Quelle der Inspiration zum Buch:

Gleiwitz! 

Der Film!

Sonntag, 4. August 2013

Ein Wort...

...das uns leid tut: Spiritualität!



http://www.astrotv.de/de/startseite/


Unter das Foto eines Goldfischs im Marmeladenglas schreibt keiner Katze. 
Unter das Foto einer Katze schreibt keiner Goldfisch.
Unter das Bild einer Katze könnte man eventuell "Spiritualität" schreiben.
Unter das Bild eines Goldfischs könnte man eventuell auch "Spiritualität" schreiben.
Allein hier wird die Komplexität des Begriffes deutlich.
Eine Komplexität, die ihm nun hier und da zum Verhängnis zu werden scheint!

Und dennoch dachten wir bisher, dass "Spiritualität" nie und nimmer unter einer Abbildung stehen könnte, die schnäppchenjagende Damen in einem neondurchfluteten Kaufhaus zeigt!

Wir finden: Dies Wort braucht ein Copyright!




Wikipedia bringt Licht ins Dunkel und versucht eine Definition:

Spiritualität (von lat. spiritus ,Geist, Hauch‘ bzw. spiro ,ich atme‘ – wie altgr. ψύχω bzw. ψυχή, siehe Psyche) bedeutet im weitesten Sinne Geistigkeit und kann eine auf Geistiges aller Art oder im engeren Sinn auf Geistliches in spezifisch religiösem Sinn ausgerichtete Haltung meinen. Spiritualität im spezifisch religiösen Sinn steht dann auch immer für die Vorstellung einer geistigen Verbindung zum Transzendenten, dem Jenseits oder der Unendlichkeit.


Paganini, der Kater, in der Redaktionskonferenz:

Er sitzt auf verknoteten Hinterpfoten. Sein Blick ist nach innen gekehrt. 
Er lauscht auf seinen Atem, während er die Vorderpfoten langsam auf der Brust faltet.

Redakteurin und Redaktion:
Aber Herr Paganini, was machen Sie denn da?

Paganini, der Kater:
Ich spare!