Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"
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Da ich gerade ein neues Kurzgeschichten-Buch schreibe (nein, anders als "Sehnsucht"), kann das Blog zur Zeit leider kaum "bespielt" werden!

Sonntag, 28. August 2022

Aus der wunderbaren Kladde ...

 ... der Paganini´s-Redaktion!


Paul Klee, Der Bote des Herbstes @CC

Ein Blatt fällt vor meine Füße. Von ganz weit oben. Kein vergoldetes Blatt. Kein Blatt mit Noten darauf. Ein Blatt wie ein Blatt nur, sonst nichts. Ein Blatt, sanft getragen aus unendlichen Höhen, hinab in meine Tiefen. Unselige Tiefen? Immerhin ist da ein Blatt, das vor meine Füße fällt. Ich kann drauftreten, darauf herumtrampeln, einen widerlichen Feixtanz des endlosen Lamentierens veranstalten, das Blatt verfluchen, weil ich auf dem Blatt hätte ausrutschen können. Ich kann die Fäuste ballen und gen Himmel richten, mich tatsächlich mal so richtig schön in meiner entsetzlichen Wut austoben und doch werde ich das Blatt nicht klein kriegen. Denn kaum ist es pulverisierte Erde unter meinen Schuhsohlen, kaum fühle ich mich mächtig, in meinem gedemütigten Sein, schon fällt ein neues Blatt auf meinen großen Zeh herab. Welch Hohn, welch göttliche Unverschämtheit will mich da foppen? Und doch kann ich das Blatt erkennen, seine zarten Adern im Gelbrot der faltigen Haut schimmern sehen, Adern wie ausgetrocknete Flüsse im brach liegenden Land, wo einst die goldenen Ähren wuchsen. Adern, durch die der Saft floss, der mich selbst durchpulst. Ich stehe wie angewurzelt im Bann eines Blattes, das aus unendlichen Höhen fiel, hinab zu mir, wie Staub zu Staub, wie Leben zu Leben, wie Wetter zur Erde, wie Du zu mir, damals, als ich den Engel sah.



"Vorfreude" der Paganini´s-Redaktion auf den (wievielten?) kommenden, hitzigen Herbst in Deutschland!

Samstag, 13. August 2022

Aus der wunderbaren Kladde ...

 ... der Paganini´s-Redaktion!


Paul Klee, Engel @CC


Dann sagst Du zu mir, als Du Dich im Wind wiegst wie ein dürrer Baum, dass Du nun los müsstest, fliegen, irgendwohin, wo Du neu sein könntest. Und ich rufe, Du kannst ein Windrad werden, das steht fest, das kann bleiben und bewegt sich doch im Himmelsblau, ganz so als habe es Flügel. Er beginnt mit weit ausholenden Bewegungen seine Arme zu kreisen, wie ein Fuchteln sieht das aus, kreisförmig angedacht doch nicht konzentriert umgesetzt, er hebt dazu ein Bein, winkelt es an, der Fuß des Linken am Schienbein des Rechten und wackelt, wackelt, wackelt bis er fast stürzt und die Figur auflöst, um nicht zu fallen. Nur noch hängende Arme an hängenden Schultern, herab hängend an der traurigen Gestalt, die kein Ritter mehr sein möchte. Hängend seine Mundwinkel, hängend seine Augenlider, hängend sein Kopf, hängend und müde mein Liebster, mein Gefährte einer kurzen, flattrigen Zeit und ich fächele ihm Wind zu, blase meine Backen auf und puste, was das Zeug hält, sehe zu, wie ihm ein Flügel wächst und dann noch einer, der zweite nämlich und winke, winke, winke zum kleiner werdenden Punkt am Horizont.




Dienstag, 2. August 2022

Der wunderbare Buchanfang: XXXVII.Teil!

 

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"
(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Diesmal ein Buch, waghalsig und verblüffend, wie die Katze im Sprung. 

Brigitte Kronauer, "Die Tricks der Diva"


Im Gebirg`


Hornochse! Das böse, sehr böse Wort. Immerhin ist Schluß mit der Stolperei. Er hat die tückischen Baumwurzeln hinter sich. Zwischen den Felsbrocken, auf dem steilen, aber sonst ganz braven Weg darf er sich fühlen wie ein Tier, das für seine lauernden Muskeln endlich Auslauf bekommt, der kleine Lackaffe.


2 Diven unter sich: 
Bon Boncuk, der Kater, präsentiert B. Kronauer


Allein der Titel "Die Tricks der Diva" würde uns, der Paganini´s-Redaktion, genügen, um vor Begeisterung das Schnurren im Chor zu beginnen. Und dies kleine Buch, voll mit sehr kurzen Kurzgeschichten, hat wahrlich noch vieles zu bieten, das diese Titel-Entzückung ins Unendliche potenziert. Dazu nämlich ein zweites, kleines Buch, voll mit ebenso kurzen Kurzgeschichten, genannt "Die Kleider der Frauen". 

Darinnen, in diesen beiden Sammlungen kurzer, präziser, unvergesslicher und unglaublich glaubwürdiger Geschichten, finden sich weitere Überschriften, die zum Hinknien schön, schon als Titel wie Miniaturen zu lesen sind: Zum Beispiel "Stille mit finsterer Figur" oder "Wirre Witwen, wissende Witwer" sowie auch "Fräulein Welziehn im Reich der Fische".

Die konkrete, schillernde, Fantasien anregende und gleichsam sich klaren Vorstellungen entziehende Wirkung, findet sich ebenso in der literarischen Ausmalung der dazu gehörigen Short-Story wieder. Nichts scheint gesichert, der Leser oder die Leserin fühlen sich in der ständigen Gefahr, aufs Glatteis geführt zu werden, das eigentlich (bei genauer Betrachtung) überhaupt nicht (und nie) vorhanden war. Ätschbätsch! Freut sich die Kronauer in ihrem Schreiben. Ätschbätsch! Ich bin doch gar nicht so böse (wie IHR denkt!).

Schaurig-schön zeigt sich ein unterschwelliges, nicht zu erklärendes Grummeln in den gesammelten Geschichten der "Tricks der Diva", das wie ein heranziehendes Gewitter eine Spannung in der  Atmosphäre, im Ton der jeweiligen Erzählung entstehen lässt, aus dem sich weder Leser noch Protagonisten befreien können. Auch dieses deutet sich nur an und entlädt sich nicht wirklich. 
So sind sie, die feinen (abgefeimten) "Tricks". Artifiziell wie die Natur (das Leben). Nicht greifbar hinein ziehend in dieses Irgendwas und im Irgendwo ausspuckend, als sei nichts passiert.

Ein Blick in den Spiegel genügt dann manchmal. "Mir würde gefallen, wenn man die Sammlung als sehr lückenhafte Biographie in autobiographischer Form über eine gewisse unzuverlässige Rita lesen würde." "Die Kleider der Frauen" sind mehr als nur Beiwerk. Sie zeugen von Charakter.
Nicht nur von "Ritas" aufsaugenden und wieder ausspuckenden Blicken, sondern auch vom "Charakter" des Angedeuteten, des Erinnerten einer Begebenheit. Alles changiert wie ein seidener Stoff, die Finger gleiten darüber, benommenes Schwelgen setzt ein - schon ist es wieder vorüber - und fast ist nichts gewesen.

Brigitte Kronauer beherrscht die Tricks der Literatur par excellence und weiß um sich. Als Meisterin einer Sprache, die sich was traut und dennoch so lässig bleibt, wie der Kater beim Anblick einer - sich in Sicherheit wähnenden - Maus.

Unbedingte Lese-Empfehlung!


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