Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: www.paganinisberlin.de

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Donnerstag, 23. November 2017

Das wunderbare "Pausenbrot" der Paganini´s...

 

„Mondlicht trinken, setzt Seele frei!“  

 
Sie fährt mit der S-Bahn von Neukölln nach Prenzlauer Berg.
Ihr Blick, müde, bleibt kaum hängen an diesem Graffity.
Ihr ist, als ob es tausend S-Bahn-Fenster gäbe
und hinter tausend Fenstern keinen Mond. 
 
„Mondlicht trinken, setzt Seele frei!“
Ihr Kichern plätschert um die Wette,
mit dem Wringen des Tuchs, das über Parkett-Boden
zur Spiegel-Wand sich hin bemüht, in dessen Lauge das Erinnern stirbt. 
 
„Ohne Mond doch keine Seele“ sagt der Schmerz
In ihrer Brust - . Und es geht kein Ton hinein, summt
nicht im abgehärmten Herzens-Takt – und als ihr Aug den
Spiegel streift, hört (K)ein Leben mit dem Schlagen auf. 
 
 
  
P.S. An manchen Tagen gibt es keinen Ort auf der Welt, der so eintönig im eigenen Grau schmort, wie dieses Neukölln! 

Mittwoch, 15. November 2017

Aus der wunderbaren Kladde...

...der Paganini´s-Redaktion:


So, im Tollhaus ist also die Hölle los und ich bin ungewollt dabei. Der Zufall hat mich hinein geschleudert, an diesem sonnigen Herbsttag und ich weiß mich vor glücklichem Unglück oder unglücklichem Glück nicht recht zu retten. Das Leben klingelt wie ein entlassener Strafgefangener an meiner Tür und bittet um Einlass und ich scheine seit Jahren mit diesem Ex-Gefährten nichts zu tun haben zu wollen. Verpflichtet fühlt man sich ja dennoch, also habe ich die Tür geöffnet und war gleich wieder mittendrin. Ja, so schnell kanns gehen. Das Leben findet mich, wie das Kind die Jungfrau und ich reibe mir die Augen. Hehe! So bin ich also mittenmang reingeschleudert und alles jubelt mir zu und ich will wieder raus. Nur weil das Leben geklingelt hat, muss ich ja nicht gleich vor Freude aus dem Häuschen sein. Nee, muss ich nicht. MERKE: Leben ist nicht in jedem Fall nur Freude. Aha! Wieder was gelernt, fein, liebes Leben, dass es Dich gibt, ohne Dich könnt ich nicht soviel lernen und dafür  bin ich ja schließlich, so sagen die Weisen der Esoterik, also auch die Heiligen, auf der Welt. Ich bin geraume Zeit auf der Welt, aber umgehe gern das Leben, so ab und an und ich verstehe mich heute wieder sehr gut diesbezüglich. Warum das Leben heute geklingelt hat? Und was dann so im Tollhaus los war? Ach, lasst mich zufrieden damit, ich will die Tür schließen und geh ins Bett. Träume sind Schäume und sind sehr wahr. Arrivederci! (Notiz zu Menschenlichter im Tollhaus, 2009)




Freitag, 10. November 2017

Die wunderbare Medea:

"Doch mächtger als die Einsicht ist die Leidenschaft:
Sie ist die Ursach jedes größten Fluchs der Welt!"(Euripides)



BE-Plakat-Foto@Paganinis

Ja, Kater,
denke ich, die neu ernannte Chefin dieses Blogs,

ja, natürlich mache ich mich sofort auf den Weg, den Du bestimmt hast:
Medea, Thalheimer, Berliner Premiere im neuen Berliner Ensemble!

Ich kenne den Text der "Medea", ich liebe ihn und der Autor, also Euripides, der ist Einer von Denen, die scheinbar das Wort "universell" erfunden haben.

Die Welt ist wie sie ist, steht da drin, in dem Text, und willigst Du nicht ein, in deren Gesetze, dann sieht es zappenduster aus.

Und da, in diesen Kontext hinein, kommt diese Frau, diese Königin, diese Mutter:
"Medea".

Und die ist nicht ohne.
Sondern mit.

Mit allen weiblichen Wassern gewaschen und dennoch "speziell".
Aber nachvollziehbar.

Giftmischerin und Hexe hin oder her.
Empathiefrei her oder hin.
Zu intensiv, zu emotional, viel zu wenig rational.
Alles für die Katz. Sicher!
Medea. Unergründlich.
Aber als Medea der "Medea", fast schon eindimensional.

Paganini, der Kater. zur Chefredaktion:

Mädchen, ich habe Dir hier und heute wirklich gar nichts mehr zu sagen.
Aber was soll der Bullshit, der falsche Zinnober.
Bin ich etwa tot?
Schreib was Du willst, wenn ich tot bin, aber schreib es nur, wenn ich auch IN DIR tot bin.
Du musst Farbe bekennen, Mädchen, sei Du selbst, halt die Leute nicht auf, mit Deinen Phrasen, sei stark und authentisch, sonst...

Text/AMME (Prolog)
"Oh, wäre durch die schwarzen Wunderfelsen nie
Das Schiff geflogen, steuernd nach dem Kolcherland,..
Wär auf den Waldhöhn Pelions nie der Fichtenstamm
Durchs Beil gefallen, hätte nie ...
Medea, meine Herrin, dann zur Griechenstadt,
Von Jasons Liebe hingerissen und betört,
Und hätte Pelias' Töchter nie zum Vatermord
Verführt und wohnte nicht im Land Korinthos hier
Mit Mann und Kindern – bei den Bürgern zwar beliebt,
In deren Land sich niederließ die Fliehende,
Und treu zur Seite Jason stehend überall...
Und sie, das unglückselige, frech verschmähte Weib,
Medea, ruft die Eide, ruft der Treue Pfand,
Die Kinder haßt sie, freut an ihrem Blick sich nicht –
Sie brütet, fürcht ich, über etwas Schrecklichem!"(Euripides)

Chefredaktion:
Ja, Kater, sie brütet über dem Mord an ihren eigenen Kindern. Sie brütet von Anfang an.
Fragen wirft das Ganze nicht auf.
Die Spannung und das Drama bleiben.
Weil Medea eben Medea ist.

Und dennoch gibt es kaum einen Presse-Artikel zu einer Medea-Adaption in Film oder Theater, die nicht immer wieder diese Frage an den Anfang stellt:

"Wie kann eine Frau das tun, diese Monströsität, das Morden der eigenen, geliebten Kinder".

Völlig missachtet wird dabei die Tatsache, dass Euripides die Antwort auf diese Frage als Gegebenes an den Anfang seines Dramas stellt.

Der Inhalt des Stücks ist nicht eine langsame Entwicklung zum Kindsmord hin.
Der Wunsch des Mordes steht (mit und trotz aller Skrupel) am (und als) Beginn.
Am Ende steht nur der Triumph der Durchführung.

Euripides bleibt vollständig Medea-immanent.
Er erklärt nichts.
Er versteht das Nicht-zu-Verstehende.
Weil Medea so ist.


Paganini, der Kater:

Aha, aha, aha! Blablabla!

Text/MEDEA
"Mich wähne niemand feig und ohne Kraft zur Tat
Noch auch geduldig, sondern jener andern Art,
Den Feinden furchtbar und den Freunden wohlgesinnt;
Denn solcher Menschen Ruf und Ruhm erfüllt die Welt!"(Euripides)

Chefredaktion:
Und da sind wir nun, an dieser Stelle,  bei Thalheimer!
(Hören Sie mir überhaupt zu, Herr Paganini...?)

Das Unfassbare seiner Inszenierung liegt darin, dass er den Text nimmt und sich Diesem fraglos ergibt.

Es geht hier nur um "Medea" und um deren Sicht auf das Geschehen.

Sie sieht sich als Liebende. Sie sieht sich als Opfer dieser Liebe. 
Sie sieht ihre große lebens-Schuld in dieser Liebe zu Jason.

Und eben diese, ihre Schuld (an sich selbst) will sie ausradieren. Weiß machen.
Es soll nicht gewesen sein.

Das geht nur, wenn sie Alles vernichtet, was als Folge dieser folgenschweren Liebe passiert ist. 
Und so tötet sie. Sie tötet Alles, was Jason liebt und Alles, was sie ihm gegeben hat und damit tötet sie auch posthum ihre Liebe zu Jason. 
So denkt sie.
Sie reißt sich die Kinder aus dem Herz, weil sie dieses Herz hasst. Und deshalb hasst sie ihre Kinder. Und kann nicht nur (sondern muss) sie dem Tod übergeben.

Es gibt nicht eine relevante Entschuldigung für diese Frau. Außer der Beschaffenheit ihres Charakters.

Thalheimer reißt wie Keiner die Haut runter. Es bleibt nur das Skelett des Stoffs und der Personen übrig. Und ein Herz. Das pocht. Und das zum Wahnsinn treibt. Und das Rot ist, wie Blut.
Doch am Ende steht Medea in blütenweißer Robe aufrecht auf der Bühne.
Das war kein Sonnengott. Das war sie selbst.
Ausradiert: Ihre "Schuld"


Ich war hier: Berliner Premiere/Medea


Karg, dicht, schmerzend und wieder ganz anders, die Verfilmung von Lars von Trier.


  
Unser/Mein Liebling nach Thalheimer und Theater!


Eine wesentlich sinnlichere Version der MEDEA gibt es bei Pasolini.
Maria Callas ist eine Medea, die sehr "italienisch", als dominante Mamma, Diva und Divina brilliert, weniger "Monster" und weniger "Archaik", als durch Constanze Becker verkörpert:

4x "Medea": Euripides, Thalheimer, Pasolini und von Trier.

Wir garantieren: 4x großes Kunsterlebnis mit viel "Bumms"!






Paganini, der Kater, in der abschließenden Redaktionskonferenz:

Kindchen, Katastrophen im Feuilleton dürfen sein!