Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: www.paganinisberlin.de

Wegen anderer Projekte kann das Blog zur Zeit leider nur unregelmäßig "bespielt" werden!

Freitag, 4. September 2020

Die wunderbare "Melissa kriegt alles":

Mit Rene Pollesch eröffnet das Deutsche Theater Berlin die neue Spielzeit



Theaterplakat DT-Berlin, Foto@Paganini´s

Es ist schon paradox. Da ordern wir, die Paganini´s-Redaktion, online die Tickets der untersten Preis-Klasse, sitzen im "Olymp" und sehen die -auf Leinwand- projizierten Schauspieler-Götter nur mit abgeschnittenen Köpfen. Dies ganz profan geschuldet, den persönlichen Zeiten des (sagen wir mal) eher knappen Geldes. Und doch lassen wir uns per Taxi zum Deutschen Theater Berlin sowohl hin- als auch zurück kutschieren und finden nichts dabei. Dies, wiederum sehr profan, geschuldet der Bequemlichkeit die eine gute Ausrede kennt, nämlich die U-Bahn in ihrem aktuellen Gefahren-Zustand. Und später dann, während des eigentlichen Ereignisses, dem wiederum dies ganze Drum und Dran geschuldet wurde, erfahren wir, dass dies Verhalten nichts anderes als Kommunismus ist. Denn der besteht, so hören wir, aus dem Paradoxon des Zweifelns bei gleichzeitiger Akzeptanz von ALLEM. Ob diese Behauptung, heraus gefiltert aus Rene Polleschs jüngstem Stück "Melissa kriegt alles", stimmt oder nicht stimmt oder ob wir (in Trance versunken) dies alles einfach falsch verstanden haben, ist uns (Pollesch sei Dank) schnurzpiepegal. Vollkommen schnuppe!
Und das tut richtig, richtig gut!

Oh, was sind wir froh und dankbar, dass wir keine Kritik oder Rezension über diesen ersten echten(!) Theaterabend (nach gefühlt unendlich vielen Online-Darbietungen) schreiben müssen. Da würden wir schwitzen und ächzen müssen und am Ende jämmerlich versagen. Wie kann man, wie soll man dieses Stück in Worte fassen, wie erklärlich machen, was da auf der Bühne passiert und was gleichzeitig nicht passiert.
Denn Kritik zu üben bedeutet doch auch, darüber zu schreiben, was als fehlend empfunden wird. Gerade in diesen, unseren Zeiten des "Leben mit dem Corona-Virus". Da fehlt ja doch wahrlich so unbeschreiblich viel! (Oder?)

Doch nur nicht verplappern. Straight Eins nach dem Anderen. Wie es diese 6 Schauspieler auf der Bühne zumindest gar nicht tun. Denn die verplappern sich vehement und da führt dann Eins zum Anderen und ergibt dennoch so gar keinen rechten Sinn. Am Beginn kriegt "Melissa alles" und am Ende steht das Entsetzen (oder besser: die Wehmut), dass der Verlust (von etwas Kostbarem/Geliebten) durch einen Ersatz kompensiert zu werden üblich ist.
Und dennoch lässt sich beschreibend so gar kein Bogen fassen.

Springen wir also ganz an den Anfang unseres Theater-Abends. Da konnte man schon unwirsch werden. Im Feuilleton nennt sich das "fehlender Resonanzraum". Wir nennen es, wiederum profanisiert, die Abwesenheit von Trauben erwartungsfroher, zeigefreudiger Menschen, die sich in der Theater-Bar schon mal mit Schampus einstimmen können.
Im Ernst, ein lauer Alt-Weiber-Sommer, ein ausverkauftes Stück im großen Haus des Deutschen Theaters zu Berlin - und weit und breit kein Service-Stand, an dem man auf die Schnelle zu seinem Glaserl Weißwein käme. Bei diesem ausgedünnten Besucher-Andrang, bewaffnet mit Masken, sollte das möglich sein. (Nein, in der Kantine wurde ausgiebig gekocht, ignoriert und nicht "ausgeschenkt").
Also hieß es -mies gelaunt und gänzlich unbetäubt- den Pfeilen nach, um endlich auf dem Sitz zu landen. Ironisch-symbolisches Hihihi und jede Menge Ersatz für uns, DAS PUBLIKUM, macht teuflische Begrüßungs-Freude, denn "Melissa" hat vorgesorgt. Wir blicken erstaunt in die Gesichter einer erwartungsvollen Besucher-Meute aus Zeiten der eng besetzten Theater-Bestuhlung. Kaum geärgert und kaum amüsiert, dann geht es auch schon auf der Bühne los.

Und: Surprise, surprise, da wird dann tatsächlich - an einem von Rene Pollesch kreierten Abend - ein ziemlich typischer Rene Pollesch gezeigt. Huch??? Und das in diesen, unseren Zeiten, wo bleibt denn da, wo ist denn da, ja, wo findet sich denn da:
 a)DIE RELEVANZ
 b)DER ZEITBEZUG
 c)DER CORONA-BEZUG
 d)DIE NEUERFINDUNG
und
e)DIE METAMORPHOSE VON THEATER???

Uns alles schnuppe, uns alles wurst und uns alles obendrein schnurzpiepegal (s.o.)!

Ein Puppenhaus steht auf der Bühne, die Farbe Quietschbuntrot korrespondiert possierlich mit der behaupteten Kommunismus-Tapete in Schwarz-Weiß, eine überragende Kathrin Angerer ruft nach ihrer Katze ("Komm zurück, kleine Shiva des Militärkommunismus") und ein (schon immer zutiefst russischer!?) Martin Wuttke stampft mit dem Fuß, wie ein verschusselt, dementer Möchtegern-Revolutionär. Und alle 6 Schauspieler agieren zusammen wie nur Kinder spielen, selbstvergessen, anrührend und teilweise versunken im Miteinander und Ohneeinander. Und wieder Einer gibt als Autor und Regisseur den roten Faden vor und wir schauen zu.

Das Publikum hat sich scheinbar nach mittlerweile 5 oder 6 (?) Vorstellungen aus der Lethargie befreit. Es nimmt begleitend ziemlich lauten Anteil. Bis zum Schluss.
Dann nämlich donnernder, trampelnder, johlender, grölender (kurz: begeisterter) Applaus.
Und wir klatschen auch. Bis die Hände schmerzen. Mit Gänsehaut.
Das war kein Ersatz. Denn da ist kein Verlust.
Nur THEATER!




Parallel zu dieser Theaterproduktion hat René Pollesch mit dem Ensemble aus Melissa kriegt alles außerdem einen Film gedreht, der am 23. September erstmalig im DT gezeigt wird: 
"Непский проспект – Nepski-Prospekt"

Wir waren HIER ----->
Zur Filmpremiere v. Rene Pollesch HIER---->

Montag, 3. August 2020

Aus der wunderbaren Kladde...

...der Paganini´s





Eltern im Hamsterrad 
(falsch gedeutet)
oder
Eltern 
(aus dem Hamsterrad fehl interpretiert)
oder 
Symptome
(nicht zu deuten)

Falsche Symptome, alles falsch gedeutet, dabei aber: richtig gemacht, schnurgeradeaus ins Verderben gerannt, in dieses  Hamsterrad,  im Hamsterrad,  der/die/das das Hamsterrad, da geht es mir gut, da kann nichts schief gehen, immer in die Pedale, so ein Rad, da ist sicher was sicher und wie alle und so: (Hehe, das bin doch nicht ich. Das bin doch nicht ICH. Der das sagt. Das sagt doch ganz ein Anderer. Irgendwo sagt der das...) ohne Symptome, aber immerzu mit diesen Symptomen, da kommt die Flaute auf, da rennt es sich unkomfortabel, da rennt es sich, rennt es sich rund, rennt einer um die Wurst, rennt und rennt, ohne Puste, so ein Rennen, als ginge es um was, im Hamsterrad, aber es rennt, von ganz alleine rennt das und renne ich, da  kommt das alles ins Rennen, wo auch sonst, als hier. In diesem wunderbaren Hamsterrad. Da sind dann die Symptome, diese vielzähligen Symptome und auch nirgendwo Sinn, gar kein Sinn, im Rennen, mit diesen Symptomen, ist da nicht die Rede, nicht die Rede von diesen Symptomen, nicht die Rede, ohne Sinn, das Ganze, ganz ohne, doch die müssen doch irgendwo her, irgendwie, irgendwo her kommen, die Symptome, da muss man doch laufen oder wenigstens entlaufen, mit diesen Symptomen, die sind doch nicht von schlechten Eltern, sind die...

Oder wo kommen die her?
(Notizen zu Menschenlichter im Tollhaus, II)




Boncuk, der Kater, in der Redaktionskonferenz:
Katze, Kater, Paganini´s und Inkonsequenz.
Alles Synonyme!

Wir versprechen jetzt endlich (weitgehend) die Sommerpause ein- (und somit das Maul) zu halten;

Farewell!


Donnerstag, 23. Juli 2020

Kurzes Poem


GEWIDMET


Düster und schön - will ich vergehn. Wie Du damals, als ich Dich fand.
Schlafend im Leben. 
Kann nie vergessen - will nicht vergeben.

Die grausige Tat. Die Du mir schuldest, lebendig im Tod. 

Wache ich auf. Wache ich. 
Wache über Dich. 

Du wachst nicht mehr auf.
Und bist schön raus.

Wie ein Abzählreim.




Wir, die Paganini´s, machen vermutlich mal wieder Sendepause auf dem Blog bis Ende August.
Auch wir müssen für Geld arbeiten.

Halten Sie bis dahin die Ohren steif und seien Sie glücklich. Miau!

Sonntag, 19. Juli 2020

Der wunderbare Buchanfang: XXIX. Teil!

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"
(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Heute ein Buch, das seinen Titel großzügig diversen Verfilmungen schenkt und gleichsam nach Einmaligkeit schreit.


Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz

Dies Buch berichtet von einem ehemaligen Zement- und Transportarbeiter Franz Biberkopf in Berlin.
Er ist aus dem Gefängnis, wo er wegen älterer Vorfälle saß, entlassen und steht nun in Berlin und will anständig sein. 
Das gelingt ihm auch anfangs. Dann aber wird er, obwohl es ihm wirtschaftlich leidlich geht, in einen regelrechten Kampf verwickelt mit etwas, das von außen kommt, das unberechenbar ist und wie ein Schicksal aussieht.
Dreimal fährt dies gegen den Mann und stört ihn in seinem Lebensplan. Es rennt gegen ihn mit einem Schwindel und Betrug.


Boncuk, der Kater, präsentiert BERLIN ALEXANDERPLATZ


Dreimal schwarzer Kater. Dreimal Berlin Alexanderplatz. Man kann nie genug davon bekommen?
Doch, man kann. Aber man kann auch eine ganze Menge von dieser Wucht - und es ist immer eine - in sich reinschaufeln. Man kann sich ein bisserl den Magen verderben, vielleicht. Aber man wird es (vermutlich) nicht recht bereuen.

Zum Einen und Allerersten die Lektüre: Was Alfred Döblin da vor dem Leser ausbreitet und vor ihn hinschmeißt, das ist ein wahrer Brocken "Welt"-Literatur. Viel Welt und viel Sprache. Ein dicker Schinken (560 Seiten TB), der manchmal schwer verdaulich aber nie ungenießbar ist. Ein derber, frecher, virtuoser und schließlich sprachberauschter und berauschender Genre-Mix aus Bänkel-Gesang, expressionistischem Groß-Gedicht und eigenwilligem Bildungs- sowie Gesellschaft-Roman. 
Kurz, das Menschheits-Buch eines Berserkers. Dazu natürlich, der Titel weist darauf hin, versprachlichte Großstadt-Melodie. Berlin wie es laut ist und grell ist und schnell ist, dass einem schwindlig werden muss. "Die Wagen tobten und klingelten weiter, es rann Häuserfront neben Häuserfront ohne Aufhören hin. Und Dächer waren auf den Häusern, die schwebten auf den Häusern, seine Augen irrten nach oben: Wenn die Dächer nur nicht abrutschten, aber die Häuser standen gerade..." In dieser zischenden, tanzenden, dröhnenden Stadt, das ist der Trick, kann alles jederzeit ins Rutschen kommen. Und Franz Biberkopf rutscht. Und der Abgründe sind gar Viele!

Zum Zweiten, ganz nah und liebend am Buch und dennoch (natürlich) emanzipiert durch die Umsetzung in das Medium Film: Rainer Werner Fassbinder und seine Mammut-Fernseh-Serie "Berlin Alexanderplatz". Auch dies eine brachiale Zumutung, eine Mixtur aus Volkstheater-Style, Stummfilm-Flair und Fassbinder-Künstlichkeit. Günther Lamprecht und Gottfried John. Welt-Klasse!
Die "Mini-TV-Serie" (Wikipedia!) zelebriert 15,5 Stunden lang diese Welt des Berlins der 20er Jahre und diese Welt des Franz Biberkopfs und diese Welt des Fassbinder-Kosmos mit all seinen Getreuen, wie Schygulla, Sukowa, Mira, Hermann und und und natürlich dem unvergleichlichen Peer Raben, dessen Musik seine Dichte, Spannung und Rhythmus zum Bild hinzugibt. Kongenial! 
Dazu die Döblin zitierende, sanfte Stimme des Regisseurs aus dem Off. Eine gewaltige Übersetzungs-Leistung des Romans in adäquate Kino-Kunst. Adäquat, weil wahlverwandt. Döblin und Fassbinder passen naturgemäß gut zusammen. 
Nochmals schwärmerisch aber muss hier die Magie im Zusammenspiel von Lamprecht und John genannt sein. Diese verstrickende, schicksalhafte Beziehung, bestehend aus Anziehung und Abstoßung, aus innerem Zwang geboren scheinend, wie er Planeten miteinander bindet oder das Insekt zur zerstörenden Kerze bringt, das verkörpern diese Schauspieler im Miteinander derart  glaubwürdig, dass sich schwer nur ein neues Couple namens Franz B. und Reinhold im Kino denken lässt. Diese Beiden sind einfach betörend!

Zum Dritten nun: Burhan Qurbanis Neuinterpretation und Aktualisierung des Stoffs. Soeben im Passage-Kino gesehen. Noch immer wackelig auf den Beinen, nach 3 Stunden im dunklen Raum - mit Blick ins grelle Bunt der Schrecknisse hinein. Durchaus viel Wiedererkennungseffekt. Und das ist anerkennend gemeint. Die Unterteilung in Kapitel, eingerahmt von Pro- und Epilog, geben auch hier zu bloßem Plot und Bildern das Parabelhafte hinzu. 
Da die Geschichte des Franz Biberkopf ins Hier und Jetzt der Flüchtlingsunterkünfte verlegt wurde, entzieht sich Qurbani geschickt der Verpflichtung, sich sozusagen im Schatten der gewaltigen Vorlage bewegen zu müssen. "Neu interpretiert von Regisseur Burhan Qurbani", so steht es vorsorglich bereits auf dem Plakat geschrieben, das im Entree zum Kinosaal auf die Verfilmung einstimmt. 
Und doch ist viel Franz Biberkopf geblieben (dagegen wenig Sichtbares von Berlin und Alexanderplatz). Qurbani hat Respekt vor Döblin und er hat Hochachtung vor Fassbinder
Letzteres zeigt sich in kleinen Zitaten, vorrangig dort, wo es um Reinhold geht. Nicht nur Schuch verbeugt sich in Anleihen vor John, auch die stampfenden Bässe der Musik beruhigen sich dann und lassen den Flötenton (des Rattenfängers) hören, dessen sich Peer Raben (allerdings weit exzessiver) bediente. Ja, Reinhold! 
"Wenn Du das Böse siehst, schau hin und geh weiter!" So sagt man doch manchmal. 

3x Reinhold und 3x wird nachvollziehbar, wie schwer es sein kann, einer unguten Verführungskraft zu widerstehen. Albrecht Schuch ist zutiefst glaubwürdig in seinen Facetten und Brüchen. Dagegen hakt es in der sogenannten Psychologie der eigentlichen Front-Figuren Franz-Francis und Mieze. Durch die Übersetzungs-Arbeit des Regisseurs in ein Flüchtlings-Schicksal hinein, werden manche Entwicklungs-Sprünge und Entscheidungen des Protagonisten zu sehr durch "äußere Umstände" erklärt. Der Schuldkomplex des Überlebenden wird als Selbstbestrafungs-Wunsch angeführt, der indes nicht wirklich zu einer Vielschichtigkeit sondern eher zur Verflachung der Figur des Franz führt. Auch die kecke Mieze scheint in dieser modernisierten Fassung durchaus genau zu wissen, was sie will. Und sie ist weit davon entfernt, nur naiv und gut zu sein. Sie wird so in ihren Vorwürfen gegen Francis unglaubwürdig. Hier wirkt manches geglättet und aufgesetzt. Das geht insgesamt auf Kosten der emotionalen Identifizierung des Zuschauers mit den Helden und auch mit dem Held als Antiheld. 

So hält man sich in dieser Fassung der großen Geschichte noch am Leichtesten an Reinhold. Der bleibt  wenigstens klar erkennbar als zutiefst zerstörter und deshalb zerstörender Mensch.



Boncuk, der Kater, in der Redaktionskonferenz:

"Da rollen die Worte auf einen an, man muss sich vorsehen, dass man nicht überfahren wird, passt Du nicht auf auf den Autobus, fährt er Dich zu Appelmus. Und nun weg, mit dem Schmöker, muss auch mal wieder ohne gehen..."

Und ein erleichtertes Schnurren breitet sich aus, in den Räumen der Paganini´s-Redaktion!


Lesenswert: Tom Tykwer in der FAZ zu Fassbinders BERLIN ALEXANDERPLATZ--->

Dienstag, 7. Juli 2020

Die wunderbare Undine...

...schwimmt (und liebt) nun endlich im Kino!


Die Chefredakteurin berichtet


Mit Katzen-Maske im Passage-Kino, Neukölln



Von Christian Petzolds neuem Film, der bereits auf der diesjährigen Berlinale für ziemlich begeistertes Aufsehen sorgte und Paula Beer einen Bären brachte, war viel zu erwarten und die Vorschuss-Lorbeeren, die ich mit ins heimatliche (Rixdorfer) Passage-Kino brachte, ein wahrlich dicker Strauß. Die Berlinale-Kritiken, wenngleich durchaus polarisierend, zweifelten allenfalls auf anerkennend hohem Niveau an der Kraft dieser Undine, sofern sie nicht ausschließlich Lob und Beifall bekundeten. 
Petzold ist, da ist wenig drumherum zu reden, deutsches Kino für Bildungsbürger. Da konnte in der Vergangenheit so manchem Kino-Gänger schon mal das Eine oder Andere im Film zu manieriert, zu intellektuell verbrämt und dadurch leicht anämisch oder zu artifiziell erscheinen. 
Um Liebe ging es gewöhnlich immer, in den Filmen des Regisseurs, um sensible Gefühls-Gewächse, die in politische Verhältnisse verstrickt wurden und gegen menschliche Abgründe (auch im Liebenden selbst) anwachsen mussten. Etwas Poetisches lag dennoch (wie ein guter oder böser Zauber) in der Atmosphäre hinter jedem Plot.

Ich erwartete also durchaus, dass diese Undine mitunter leicht blutleer und verkopft, an mancher Stelle gar verquast wirken könne. Zumal über die (angeblich weit ausholende) Kritik des Filme-Machers an städtebaulichen Verirrungen im modernen Berlin, ausgiebig in den Zeitungen zu lesen stand. Aber insgesamt beherrschte mich eine große Vorfreude, sicher auch, da es nun doch eine gefühlte Ewigkeit her zu sein schien, in einem realen Kino zu sitzen. 
Die Karte wurde online gesichert und ausgedruckt, die Mund-Nase-Schutz-Maske frisch gebügelt angezogen. Klar, da wird natürlich kein auflockernder Drink im plüschigen Foyer hinter die Binde gekippt, da folgt man nur mit Abstand und im Trippel-Schritt den Pfeilen, die in ein Labyrinth von Absperrungen hinein lotsen, vorbei an maskierten Menschen hinter Plexi-Glas-Scheiben, aber immerhin, irgendwann sitzt man im Corona-Kino auf dem, im Ticket als Nummer angegebenen, Samt-Sitz und freut sich, dass man im Kino-Saal drinnen ist. Und der sieht dann gottlob so aus, wie er eben auch vor Corona ausgesehen hat. Nur ziemlich leer ist er geblieben, an diesem Sonntag-Nachmittag. Gezählt habe ich ganze 10 Besucher, einschließlich meiner Person. 

Nun ist es geschehen, das Verplappern setzt ein, hier sollte es doch wahrlich nur um die Begeisterung über diesen Film gehen. 
Und die ist noch immer, mittlerweile 3 Tage nach Erleben, so betörend spürbar und durch die Tage tragend, dass ich eigentlich keine Kritik schreiben wollte. Erstens, weil ich inzwischen ganz wunderbare Rezensionen zu diesem Film gelesen habe (mir erscheinen die Kritiken berauschter, jetzt, zum Kino-Start als während der Berlinale?!) und zweitens, weil es manchmal so ist, dass sich Glück nicht vermitteln lässt und die Worte fehlen. Und echtes Kino-Glück kenne ich weit weniger, als ich großartige Filme gesehen habe. Glück ist, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und Glück ist eine Schwingung, die etwas in Gang setzt. So wie es dann dieser Undine im Film passiert, der damit beginnt, dass sie sich zur falschen Zeit am falschen Ort schnöde verlassen fühlt, um dann durch genau dieses (durch und durch und immer schon) Falsche, genau im Richtigen zu landen, das sich mit großem Sprung und viel Nass über sie ergießt und in die Arme des wahrhaft liebenden Christophs spült. Wasser ist tief und unkontrollierbar. Gott sei Dank. Leider, leider!

Wasser folgt seinen eigenen Gesetzen. Diese sind elementar, archaisch, mythisch. Wir wissen das Alle. Zum Beispiel aus der uralten Weise über "Undine"!

Es ist meisterlich gelungen, wie Petzold die verschiedenen Ebenen miteinander verwebt und in- oder umeinander fließen lässt: Den Mythos mit der modernen Alltags-Realität Berlins. Die Psychologie mit der Unlogik eines Banns, unter dem eine selbstbewusste, ganz heutige Historikerin steht, die eben (ganz selbstverständlich) auch ein, durch Jahrhunderte existierender, Elementar-Geist ist.

Die andere  Seite, das unheimlich Anmutende und dennoch entrückend Berückende findet der Film in seinen Bildern "unter Wasser". Nur ein Kino-Saal kann diesen Zauber tatsächlich vermitteln, die ausgeklügelte, brummende Ton-Spur in der Magengrube des Zuschauers vibrieren lassen. Ach, herrlich. Petzold nimmt den Mythos ernst. Nur so entsteht diese intensive Spannung in der Reibung an der Moderne. Am Ende siegen Beide. Die Legende darf Undine zurück in ihr natürliches Element befehlen. Doch die hat sich inzwischen zeitgemäß emanzipiert und entwickelt. Sie tut zwar, was sie tun muss. Doch sie nutzt auch ihre Freiheit durch die Gnade des Loslassens. Es lebt die Liebe!



Hintergründe zum Film etca. wie immer in Wikipedia--->

Mittwoch, 1. Juli 2020

Aus der wunderbaren Kladde...

...der Paganini´s-Redaktion


Neo Rauch ist das Thema meiner letzten Tage. Wie soll man leben, wenn man weiß, dass Einer existiert und malt und denkt und spricht wie Er und man selbst liegt mit seiner Seele im Kampf darnieder und fühlt sich unwürdig, den Staub zu atmen, der über den Dächern von Berlin liegt. Nur weil es nicht vergönnt sein wird, einen ebenso bunten Strauß großer, schöner Bilder zu malen. Mein Leben ist ein endloses Suchen nach überdimensionalen Farben und Formaten, die Sinn atmen. Ich finde Dies und Jenes und verwerfe alles aus der Not heraus, es besser machen zu können.
Es BESSER MACHEN KÖNNEN zu denken, ist eine Qual. In dem Ahnen von BESSER MACHEN KÖNNEN liegt ein Verhängnis, das zu kennen nur mir vergönnt zu sein scheint, wie mir in manchen, letztlich den meisten und sicherlich den sinnigsten Momenten meines Lebens bewusst wird.
ES BESSER MACHEN KÖNNEN! 
Exquisit ist nicht besser, nur Vollkommen ist Vollendung und genug!
DER WEG IST DAS ZIEL war leider noch nie meine Devise.
Wieso soll ein Weg über das VOLLENDETE gestellt werden. Nur wenn der Weg bedeuten würde, nach dem VOLLENDETEN käme wieder ein neues VOLLENDETES, wäre mir der Weg als Ziel willkommene Ziellinie. Ich bin mir im Weg und manchmal bist Du, wer immer Sie sind, im Weg. ..
(Notizen zu "GOLO, der Maler" aus "Menschenlichter im Tollhaus", 2010)




Hieraus wurde "Golo, der Maler"--->HIER

Donnerstag, 25. Juni 2020

Der wunderbare Buchanfang: XXVIII. Teil

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"

(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Heute ein Buch, das seinen Blick in Abgründe taucht und für diese (nach "Akten-Einsicht") 
Formen der Sprache sucht.


Helga Schubert, JUDASFRAUEN


Ich schreibe dies am 24. November 1989. Vor 20 Tagen, als ich wie Hunderttausende meiner Mitbürger auf dem Alexanderplatz in Berlin für eine politische Veränderung demonstrierte, begann eine Veränderung zu demokratischen Verhältnissen, die lawinenartig erscheint. Die Wahrheit über die Verhältnisse der letzten 4 Jahrzehnte wird ans Tageslicht kommen. Und ich denke, auch ich als Schriftstellerin bin ermutigt, meine Mitteilungen in Zukunft nicht mehr in Parabeln zu verschlüsseln. 

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um eine solche verschlüsselte Botschaft, um Parabeln des Verrats.


Boncuk, der Kater, präsentiert JUDASFRAUEN v. Helga Schubert


Was die Welt im Innersten zusammenhält? Bei Helga Schubert zumindest scheint es der GEGENSATZ zu sein, das Paar, aus dem die Antipode besteht, die Polarität. Nicht aber, das sei betont, das Ganze als Einteilung in Schwarz und Weiß gedacht! Darin liegt die umwerfende Stärke dieser Erzählerin, dass sie den Grauton erkennt, diesen aber nach beiden Seiten hin verdichtet, damit im Grau das lichteste Licht und das dunkelste Dunkel erkennbar wird. Und am Ende (der Betrachtung?), so sehnt sie herbei, zeigt sich: "Alles gut".

Diese (aus tiefster Seele zu kommen scheinende) Herangehensweise an Lebensgeschichte(n), gepaart mit erzählerischem Können und souveränem Umgang mit literarischen Techniken (Montage), hat ihr nun (wie jeder weiß) den begehrten Bachmannpreis gebracht.

"Steh auf, Dir ist kein Knochen gebrochen" (Bachmann, "Das dreißigste Jahr") wurde zum "Vom Aufstehen", der Geschichte einer Tochter und der Geschichte einer Mutter. Letztere, dem Kind fast feindlich gegenüber stehend. Erstere liebend (wie Kinder das tun) und um die Liebe der Mutter buhlend. Erst die Erkenntnis, dass Liebe nur ist, wo sie ist. Und Liebe nicht sein muss, wenn sie nicht ist, lässt den Schmerz überwinden. Liebe ist da. Nur woanders. In den Armen eines Anderen. Das Kind (längst erwachsen) hat überlebt. Die Mutter bekommt, was sie sich von der Tochter schon lange gewünscht hat. Dass diese über sie schreibt. Die Gedanken sind frei. Sie schreibt der Mutter einen Liebes-Text, der auch von Grausamkeit sagt. Eine Ablehnung ist nicht hineingeschrieben. 
Dafür Annahme. Aus dem Grau blühen Blumen. 
Die heißen Gnade und Vergebung.

"Alles gut" kann nicht der letzte Satz sein, der unter den (vor über 30 Jahren publizierten)  "Fallgeschichten" der JUDASFRAUEN steht. Frauen sind nicht immer gut, liebevoll und loyal. 
Und die Frauen, um die es hier geht, sind es ausdrücklich nicht, da sie weibliche Denunziantinnen sind, die die Diktatur des dritten Reichs nutzten, um "ihre privaten Probleme zu lösen". Sei es wegen einer Belohnung durch materielle Erleichterung oder - häufiger - um sich am Liebhaber zu rächen, eine Demütigung zu sublimieren, den Neid nicht mehr spüren zu müssen oder sich endlich einmal mächtig zu fühlen. 

Ein Kapitel heißt "Judasfrauen". In dem Buch, das genau diese Überschrift übernimmt. 
In diesem Kapitel gibt es eine kleine Episode, in der die Autorin Helga Schubert mit ihrer Mutter über eben dieses Herzensprojekt streitet:
"Schreib über die Mütter, die damals mit Euch geflohen sind" sagt die Mutter.
"Warum sprichst Du eigentlich dauernd von Frauen?"

Antwort Helga Schubert:
"Mich stört die Frauenveredelung. ...
Wir sind auch böse und auch gefährlich, auf unsere Weise. Sobald ein Mensch auf einem Sockel steht, möchte ich den Sockel zerschlagen."

Nein, die Mutter wird mit keinem Wort belastet. Helga Schubert spürt hier noch dem Bösen der allgemeinen, weiblichen Seele nach. Die Haltung der Mutter, die sich selbst im Licht eines Klischees sonnt, in sich weder das Grau und erst recht nicht die Möglichkeit des Dunkels zu reflektieren vermag, ist dann auch durchweg (bis auf Eine) die Reaktion der Denunziantinnen auf ihre spätere Anklage vor Gericht.

Schuldig ist immer der Andere: Der Denunzierte, oder der Folterer oder der Henker. Oder die Verstrickung in unglückliche Umstände hinein. Helga Schubert, die sich mehrere Jahre mit den Gerichts-Akten (der, nach dem Krieg wegen "Verbrechens gegen die Menschlichkeit" angeklagten Verräterinnen) akribisch auseinandersetzte, sucht auch hier die Lösung eines Rätsels und findet oft nur die tatsächliche "Banalität des Bösen". Getragen und bestärkt freilich durch das Getriebe der Diktatur. 

Zudem: Kein Verrat ohne Vertrauen. Kein Täter ohne Opfer. 
Auch in diesen Schicksalsgemeinschaften sucht die Autorin nach Sinn. 
Letztlich nach Erlösung von Grauen.
Sie findet es hier(noch) nicht. Und doch schenkt sie Empathie und Verständnis.

"Alles gut"? Nein. 

Aber sie (er)findet selbst für diese Frauen "Die eine Geschichte, die ein jeder Mensch zu erzählen hat. Seinen Kindern, seinen Enkeln. Wenn sie groß genug sind, sie richtig würdigen zu können. Oder auch ganz fremden Menschen. Wenn die nur zuhören. Jeder Mensch hat seine wichtigste Geschichte. 
Die ihn unterscheidet von den andern, die ihn rechtfertigt, entschuldigt, erklärt."

Die Denunzierten sind allerdings, in der Realität und auch in diesem Buch, unwiderruflich zerbrochen und zerstört.
Wenn nicht gemordet, dann als Persönlichkeit erloschen. 

Die letzten Sätze des Buches (geschrieben in Richtung einer Denunziantin, mit der Schubert ein langes Gespräch führt) sind also weitaus gespaltener, als in "Vom Aufstehen":

"Die eine Geschichte.
Vielleicht muss sie die erzählen, bis eine jüngere Frau ihr einmal verzeihen kann, eine, die damals noch nicht lebte.
So eine Frau wie ich."




Mehr zum Buch z. B. HIER------>

Montag, 15. Juni 2020

Die wunderbare Lockerung...

…(der Sitten)...





Oh, wie war das schön! 

In den Zeiten von LOCKDOWN, lang ist es her, ganze 2 Wochen oder Monate, Jahre oder Tage, da kam uns die Welt (erstmalig?) so kostbar vor. 

Die Luft, die wir atmeten, war kostbar. Das Treffen mit (dem) Anderen war kostbar. Die Distanz zu (dem) Anderen war kostbar und die intime Nähe - ein wahrhaftes Gut. 

Wir freuten uns leise, über das (plötzlich) sittsame und angesagte Anstehen in einer wartenden Reihe aus weiteren achtsamen Seelen, sei es vor dem Buchladen um die Ecke oder ganz profan im Supermarkt. 
Es roch nach EINFACHHEIT.

Wir kochten auf einmal Ungewohntes (voll Wonne!) mit LEBENSMITTELN aus der Region und wir sorgten für uns, behutsam, um keinen Schaden durch Isolation und Existenz-Angst zu nehmen.
 
Wir sorgten uns und sorgten vor, nicht zuletzt, indem wir uns an der SORGE beteiligten und labten, die Alle mit Allen verband. 
SORGE kann auch schön sein. 

Wir jedenfalls bekamen Nahrung.
 
Nicht zuletzt, weil  ein Musiker allabendlich DANKE sagte und sich SCHENKTE und uns mit seinem (mittlerweise sicher legendären) Hauskonzert direkt in den eigenen 4 Wänden beehrte. Abend für Abend. Und so wurde das, diese Abendmusik, zu einer neuen Selbstverständlichkeit.

Steinmeier hat sich dann wiederum -im Namen von (uns) Allen- bei Igor Levit bedankt und plötzlich war das gesamte Twitter-Völkchen in Bellevue zu Gast. Uijui. Unvergessen.

Tja, der Lockdown kreierte Sternstunden so mancher Leben (vielleicht)!

Die (Berliner) Theater hielten stoisch mit dem Stream gegen "Live-Show on Air via Twitter"
Kontrovers diskutierte Mitschnitte im Gepäck, bewiesen sie mit Grandezza ihre Existenz!

(Apropos EXISTENZ: Existenzberechtigung durch Systemrelevanz ist auch so eine Sache, über die sicher noch eine Weile nachzudenken lohnt. Wer will nicht nach diesem LOCKDOWN zu den Systemrelevanten gehören. Was aber tun, wenn einem Systemrelevanz nicht zusteht und nie zustehen wird. Wenn da Einer durch alle Rillen und Ritzen des SYSTEMS fällt. Dann fällt das ja doch plötzlich ganz schmerzhaft ins Auge. Autsch. Und so. Ach, herrjeh!)

Jedenfalls zurück zur Botschaft der streamenden THEATER:
"Das Konservierte  ersetzt nicht den RAUM, in den das Theater und seine Zuschauer gehört". 
Aber es erinnerte mit seinen Videos eben durchaus an manche "Kunsterfahrung mit Bumms" und gab jede Menge Ein-Blicke, Aus-Blicke und Rück-Blicke... 

Huhuhu…!
Auch die (von uns ehemals abgöttisch geliebte)  "Baracke" des DT blitzte durch 2 aufgezeichnete Ostermeier-Inszenierungen ins Heute und sorgte in der Paganini´s-Redaktion für große Gefühle aus Nostalgie:
Damals, hinterm Mond...!

Zeit also, Abschied zu nehmen. Jetzt, hier und nun. 
Abschied vom großen Lockdown, weil dem eine große Lockerung folgt.
 
Die Frage ist nur:
Ist das ein Abschied vom LOCKDOWN oder der Abschied von WERT und GEWINN des LOCKDOWNS?

Fein wäre es, wenn die Achtsamkeit und Aufmerksamkeit im Miteinander, die Dankbarkeit für bisherige "Selbstverständlichkeiten" und die Freude über "nicht selbstverständliche Freuden" in die, das altgewohnte weitgehend "kopierende" Lockerung, mit hinein genommen würden. 

So könnten WIR(?) für die Pandemie einen Sinn generieren.

Der Blick aus dem Fenster und der Gang durch die City verweisen allerdings eher auf eine NORMALITÄT, der die Paganini´s so eigentlich gar nicht mehr begegnen wollten:

DAS BRATHENDL DARF WIEDER (ENG AN ENG) GEGRILLT UND GEFRESSEN WERDEN!!!


Darauf ein verzweifelt "MIAU"...
 
 

Samstag, 9. Mai 2020

Das wunderbare Wort zum Sonntag...

Wie (fast) immer mit Blixa Bargeld:

"Nagorny Karabach"



Und mit diesen besinnlichen Worten verabschieden wir uns zu einer dringend erforderlichen Erholungspause vom Feinstaub des Lebens 
bis eventuell Anfang JUNI 2020!

Stay Well!

Freitag, 1. Mai 2020

Das wunderbare Theatertreffen 2020...

...mit blühenden Kastanien in Reality und Hüller-Hamlet im NETZ



Kein TT ohne Kastanien-Blüte


Ein schönes Datum. Besonders in 2020. Der 1. Mai. Da riecht es nach Spargel, imaginierter Mai-Bowle und blühender Kastanien-Pracht. Nun ja, im Hintergrund wütet ein winzig-kleines Virus und zwingt Gewohnheiten in die Knie, aber mittlerweile hat sich doch ein Jeder in dieser - unwirklich erscheinenden - neuen Realität irgendwie ein bisserl eingerichtet, ein Jeder so auf seine Art. Und wenn sich auch Koller und Widerstand regen, so bestehen wir - hier und heute - erst recht auf das Recht auf ein wenig Freude. Oder, wer mag, auch große Freude.
Denn die gute Nachricht ist: Das Theatertreffen trotzt der Pandemie und fällt nicht völlig "ins Wasser" der behindernden Verordnungen sondern (beschnitten) ins NETZ.  Darin versteckt sich nun auch die obligate "schlechte Nachricht" und schon geht es weiter mit dem Erfreulichen. Denn ein so demokratisches Theatertreffen gab es noch nie. 6 Vorstellungen für Lau und für wirklich Jedermann/frau, ohne jeglichen Zwang zu Selbstdarstellung oder exzentrischem Dresscode.
Sei ganz Du selbst, bei Dir zu Hause und öffne Dich von dort (dem sicheren Hafen) der Community und der aktuellen Elite des Theaters!                                                    (Boncuk, der Kater, in der Redaktionskonferenz)
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01.05.20
HAMLET
Nun also zum Einstieg gleich ein theatraler Donnerschlag. Sandra Hüller und Hamlet. Der Dramaturg dieser Regie-Arbeit von Johan Simons, Jeroen Versteele , fasst in seiner Einführung (on Demand) zusammen, welche Lesart des Stücks bei dieser Inszenierung im Vordergrund steht:
 "Wir haben entdeckt, dass wir die Geschichte eines großen Verlangens nach Ehrlichkeit erzählen wollen, nach menschlicher Empathie und Verbindung."

Wo sich ein Mensch in ein Gewebe aus Lug und Trug verstrickt fühlt, da sind Wahn und Isolation nicht weit. Die Authentizität seiner Gefühle und seiner Wahrnehmung rutschen ins Fragile, geraten auf Glatteis. Wem ist hier noch zu trauen, was ist hier noch zu glauben? Und kann er so noch Halt und Festigkeit zu und in sich selbst verspüren? Alles gerät in ein Wanken, ins Manipulierbare. Was ist Ehrlichkeit und Loyalität, wenn Beides beliebig interpretierbar wird?
Hamlets Wunsch nach Wahrheit und Offenlegung wird hier zu einer wortwörtlichen Besessenheit. Der gemordete Vater offenbart sich durch den zuckenden Leib, die geisterhaft verzerrte Stimme des Sohnes. Nicht nur dies, ein grandioser Einfall der Regie.

Diese setzt insgesamt auf Chiffren, auf Andeutungen. Eine weiße, leere Bühne. Eine bewegliche, metallene Scheibe, wie ein riesiger Spiegel. Ein leuchtendes Rund als Mond und silberne Kugeln als Totenköpfe oder Elementarteilchen. Oder was auch immer! Die Musik ist unterschwellig dräuende Klangskulptur. Die Schauspieler verkörpern eher Zustände denn historische Personen. Doch bekommt die Sprache viel Raum. Sie trägt mühelos durch die Inszenierung. Und die Protagonisten haben - trotz des Skizzenhaften - durchaus echtes Leben. Die feine, sensible Psychologisierung des gesamten Geschehens bringt eine Zeitlosigkeit mit sich, die das Stück erstaunlich heutig erscheinen lässt. Maskerade make the world go round. Und wehe dem, der als Einziger zu riechen scheint, was da so "faul" ist im Getriebe.

Hier also steht Sandra Hüller. Verletzt und Verletzbar. Und stellt Hamlets Fragen. Grande Hüller- Hamlet!
Nicht auch nur einen Wimpernschlag lang erscheint die Wahl dieser Schauspielerin als Interpretin des Prinzen Hamlet fragwürdig. Hüller ist Hamlet. Basta. Und brüllt vor Verzweiflung:
"Gott gab Euch ein Gesicht. Und ihr malt Euch ein Anderes"!
Und wirkt ganz unbeholfen und schwankend vor Trauer. Großes Kind. Gedankenschwere. Gebrochener. Ein sehnsüchtiger Prinz, mit dem Wunsch, dass der Spuk ein Ende im Licht der Wahrheit bekommen möge. 
Dieser "Hamlet" macht vergessen, dass man ihn eigentlich schon mal (anders, woanders und doch) gesehen hat.

Eine leuchtende, eine einleuchtende Inszenierung.

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03.05.20
STOPPT DAS STREAMING, oder?
"Streaming ist ein bisschen wie Plastikblumen!".
Das sagt die Regisseurin Anne Lenk im Panel von tt-kontext "Stoppt das Streaming". Die Choreografin Joana Tischkau vermisst im Stream "das Körperliche" und Regisseur Christopher Rüping "das Atmosphärische". Das stimmt Alles. Und doch hauchen die umrahmenden Panels, der Live-Chat und die Nachgespräche dem Streaming-Erlebnis Leben ein. Das Theatertreffen virtuell ist ein bisschen wie das Theatertreffen original: Und das ist ganz schön schön!
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Nochmal am späteren Abend  die Problematik oder auch die Gnade des gestreamten Theaters erlebt. Als Zuschauer wird man unter Umständen nie erfahren, ob es nun am Erlebnis des Stream lag (schlechte Kamera-Führung, fehlende Unmittelbarkeit) oder doch schlicht an der Inszenierung, dass man sich so gar nicht getoucht fühlen mochte/konnte. Jedenfalls ließen uns die "Kränkungen der Menschheit" kalt und ratlos zurück. Die Fragestellung nach Perspektive und Wahrnehmung kam zwar (dick aufgetragen) als Message rüber, entbehrte hier allerdings jeglicher Faszination, um zu interessieren.

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04.05.20
TO STREAM OR NOT TO STREAM
Es wird in absehbarer Zeit neue Formen des Streamings geben, die insgesamt näher an der Theater-Regie orientiert (und dennoch anders, da in 2D- gedacht) produziert werden! Dies formulierte sich u. a. in der Runde von "Technik & Ästhetik" im Netz, die auch dem Wunsch nach Ausweitung in andere digitale Welten als Suchbewegung Raum gab.
Die "Hamlet"-Aufzeichnung zumindest hat gezeigt, dass ein TV-Sender wie 3sat natürlich das TV-geübte Auge des Zuschauers zu fangen weiß. Der Preis dafür ist jedoch eine Projekt-externe Regie, die der Inszenierung ins Handwerk pfuschen muss.
Durch die "Anatomie eines Suizids" wurde sichtbar, dass ein pures "Abfilmen" des Bühnen-Geschehens mit etwas Glück funktionieren kann (aber Glücks-Sache bleibt!).
Konzentration und Ästhetik mussten natürlich Federn lassen. (Dennoch: Auch als Stream eine berührende u. intelligente Darstellung des komplizierten Themas Depression, formal virtuos vermittelt!)
Über Stream-Erlebnis No. 3 schweigen wir. Shit happens!

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05.05.20
SÜßER VOGEL JUGEND
No. 4 der Special Edition des tt 2020 nun also "Süßer Vogel Jugend"
in der Inszenierung von Claudia Bauer. Bei ihr schreit Tennessee Williams "Helau" und das klingt ziemlich gruselig.
Ein Clownsgesicht in einem Totenkopf hämmert auf dem Klavier. "Forever Young" wird von einem Anderen dazu gesungen, gejault, in Richtung Mond geheult, der nicht da ist. Dafür blitzen mehrere Kugeln wie überdimensionale silbrige (Seifen-)Blasen über der Bühne, die erst in Qualm liegt, und später den "Western-Saloon" im schwarzen Mülltüten-Vorhang begräbt.

Längst zerplatzte Träume werden ausgestellt, die Seelen von Chance Wayne und seiner ihn aushaltenden Diva Alexandra del Lago sind längst unrettbar zerstört und verloren. Sie wissen in dieser Inszenierung darum. Auch dann, wenn sie Anderes behaupten.
Bestien treffen auf Kannibalen, der amerikanische Traum ist deformiert. Jeder kämpft mit allen Mitteln für sich selbst und weiß nicht einmal warum: 
"Irgendwann geht alles, wofür man einmal gelebt hat, verloren"!

Überleben in der inneren Hölle, dem längst Gescheitert-Sein. Pendant zum düsteren Innern ist dann auch das Außen. Ein gesellschaftlicher Sumpf, der seine engen Grenzen verteidigt.

Die Vitalität der tollen Spieler vermittelt Spaß und so entsteht aus diesem grellen Nebeneinander von Belustigung und Horror eine Farce, die wirklich zu Recht
"bemerkenswert" genannt werden darf.
Eine sehr besondere Williams-Interpretation!

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06.05.20
CHINCHILLA ARSCHLOCH, WASWAS
Kurz nach dem Abi und vor dem "Umzug" nach Berlin mit Mitte 20, gab es eine aparte, androgyn wirkende, musikalisch begabte junge Frau namens K. in unserem weitläufigen Bekannten-Kreis. Einer von Botticelli gemalten Nymphe ähnelnd, wurde sie im harten Kontrast zu diesem sanften Äußeren von wildesten Tourette-Tics geschüttelt. Ihre Zunge konnte zur Schlange werden, die sich nur außerhalb des Mundes frei zu fühlen schien. Ur-Laute und Schreie explodierten in ihre Rede und kein Bier-Glas in der Stamm-Kneipe stand sicher, vor ihren schlagenden Händen und Armen. 
Zu dieser krankheitsbedingten, exzentrischen Attitude, kam ihr extrem extrovertiert zu nennendes Wesen. Sie wurde geliebt oder sie wurde gemieden. Dazwischen gab es nichts. Nur wenn sie Querflöte spielte, blieb sie vollkommen Tic-frei, was selbstredend ihre "Feinde" in der Annahme stärkte, die "Anfälle" seien nur dazu da, die allgemeine Aufmerksamkeit an sich zu reißen. Wenn heute Abend "Chinchilla Arschloch, waswas" von Rimini Protokoll als Stream No. 5 über unseren Bildschirm flimmert, wird der Wiedererkennungseffekt vermutlich groß sein. Sehr gespannt darauf!

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Der Abend beginnt mit Theater-Zauber: Das musikalische Intro mit "Hands up - Showdown" kreiert Gänsehaut. Die Frage nach Perspektive, Authentizität, Rollen-Verhalten und auch nach Kränkungen funktioniert bei Rimini Protokoll weit besser, als bei den "Kränkungen der Menschheit"! (Zumindest im Stream)
Dennoch erscheint das Ganze nach einiger Zeit als ziemlich pädagogisch. Wir nehmen allerdings gerne die Botschaft mit ins eigene Leben, dass es vermutlich authentischer und "gesünder" ist, angesichts gesellschaftlicher Regeln u. Gebote 1x am Tag (mindestens) "Chinchilla Arschloch, waswas" zu sagen, als permanent erwartungskonform zu funktionieren. Darauf ein "Miau"!

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08.05.20
THE VACUUM CLEANER
Nun also der letzte Abend, an dem im Rahmen des tt-virtuell eine der ausgewählten Inszenierungen als Stream "über die Bühne" geht. "The Vacuum Cleaner" des japanischen Regie-Talents Toshiki Okada könnte "das Stück der Stunde sein" (so Christine Dössel auf SZ.de). Allein der Begriff Vakuum assoziiert Leere. Eine Leere die mit der Unmöglichkeit von Fülle (Materie und Leben) einhergeht. Im Vakuum herrscht Unterdruck. Und mit dessen Hilfe gelingt so manche Reinigung, dann nämlich wenn der "Vacuum Cleaner" den Staub (diese Asche des Lebendigen) im Nichts verschwinden lässt. Der "Vacuum Cleaner" oder Staubsauger ist der Inbegriff von Häuslichkeit. Er ist der heimliche Herrscher in unseren
 "4 Wänden". Er sorgt für ein gepflegtes Wohnen im Privaten. Und er gibt den Sound vor, die Hintergrunds-Melodie für Okadas Inszenierung. 

Ach, was haben wir gesaugt, in den ersten Tagen des Lockdowns. Uns damit bestens vorbereitet gefühlt, für die kommende Periode des social Distancing, des Zurückgeworfenseins in einen Alltag der Beschränkung. Hikikomori wurden wir, von heut auf Morgen allesamt! 
Das stimmt so natürlich nicht. Aber Parallelen der Lebensform im "Wir bleiben Zuhause"-Enthusiasmus mit diesen, durch soziale Phobien in der Wohnung Gefangenen, existieren nun eben doch zur Zeit weit plakativer als damals, am Abend der Premiere, in München. Die liegt (gefühlt) lange zurück, Monate vor der bewussten Ankunft der Corona-Krise in unseren Breiten. Lassen wir uns also ein, auf das Heim dieser Menschen und ihren Alltag im klinisch gesäuberten Nichts. 
Hier wohnen ein alter Vater und seine nicht mehr jungen Kinder, eine Tochter und ein Sohn. Die Tochter hat ihr Zimmer seit langer Zeit nicht mehr verlassen. Dieses Phänomen der sozialen Verweigerung nennt man in Japan Hikikomori. Der Sohn vertreibt sich die Zeit, in dem er durch Einkaufspassagen schlendert. Als weitere Ansprechpartner fungieren ein Freund des Sohnes. Ein "Weitgereister", der von unbeschnittenen Bäumen in Sao Paulo zu berichten weiß sowie ein weiblicher Hybrid. 
Nein, hier nun verweigern wir uns, dies Stück Theater über eine inhaltliche Handlung beschreiben zu wollen. Das können wir nicht und das wird Okadas Kunst nicht gerecht!

Man könnte sagen, 5 Menschen führen Gespräche miteinander. Das stimmt aber nur sehr bedingt. Diese Menschen führen nacheinander Monologe, die sie mit eigentümlich  losgekoppelten Bewegungsabläufen begleiten. Gesprochen wird viel. Gesagt wird sehr wenig. Explizites gibt es allenfalls ganz am Schluss des Stücks. Zu den erzählten Beiläufigkeiten, die zwischen den Zeilen dennoch verräterisch sind, schlenkern die Arme, zappeln die Hände, verrenken sich die Körper, als gäbe es da eine unsichtbare Ballett-Stange oder als würde während gymnastischer Übungen vor sich hin gesprochen. Eine Nähe zum No-Theater liegt nahe. Den hiesigen Zuschauer könnte das allerdings auch an Bewegungen erinnern, die mit psychischen Störungen assoziiert sind. Ein Gegeneinander von  Körper-Sprache und verbaler Äußerung verstärkt den Eindruck einer starken Künstlichkeit, einer Unberührbarkeit und einem Abgeschnitten-sein. Abgeschnitten sowohl von der eigenen Gefühlswelt als auch vom Gegenüber. Gefangen im Haus, aber auch gefangen in sich selbst. Autismus fast, als Ausflucht, als Rückzug vor dem Du, vor der Unkontrollierbarkeit der Welt. 

Das Phänomen der Hikikomori wird als soziale Isolation gezeigt, die ihre Individualität dann behauptet, wenn der Staubsauger den Schrei der Wut und Verzweiflung übertönt. Hier in dieser Familie ist Jeder allein und einsam. Die Familienmitglieder sprechen viel, aber sie sprechen nicht für- und nicht miteinander. Die "Geometrie" des Bühnenbildes wurde heute übrigens perfekt durch die Ästhetik des Streams gedoppelt. Der Zuschauer staunt angesichts dieser vielfach vermittelten Leere, die doch eine große Spannung in sich trägt. Minimalistisch auch die Musik, die den Takt vorgibt und immer wieder auf eine Spitze zutreibt, die sich nicht erlösen lässt. Auch das wieder gegenläufig zu einer Nicht-Handlung. 
So wird das Vakuum bei Okada zu einem sehr eigenen Gesamtkunstwerk, das sich trotz Corona nicht wirklich leicht erschließen lässt. Es lohnt allerdings, sich einfach darauf einzulassen!

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09.05.20
BYE-BYE mit Systemcheck und letzten Worten
Ging es in den begleitenden Panels zum tt-virtuell doch eher um die sich verändernden Formen des Theaters durch Digitalisierung und geschlossene Häuser, so wagten sich Thomas Oberender und der Literaturwissenschaftler und Kurator Ibou Coulibaly Diop in die (Un-)Tiefen einer werte-philosophischen Debatte über die Bedeutung der Kunst mit und nach Corona. "Riesenfragen sind zu stellen und zur Zeit nur fragmentarisch zu beantworten" (Oberender). Beide Gesprächsteilnehmer verband, trotz teilweise unterschiedlicher Ausgangs-Perspektive, der Wunsch, dass durch Corona das Verbindende und Gleichwertige alles Lebendigen unserer Welt in den Vordergrund dringen könnte. Dieser Gedanke verlange auch eine Transformation der KUNST, die traditionell aus einem Verbund herausreißen würde, um z.B. "eine Skulptur auf den Sockel" zu stellen. "So wird die Welt zum Objekt!"( Diop).
Es wäre sehr wünschenswert, wenn dieses vielschichtige und inspirierende Gespräch von den Beiden öffentlich weitergeführt werden könnte.
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Und dann kamen sie noch einmal zur Jury-Besprechung zusammen, die tapferen 7, welche die diesjährige Auswahl der 10 bemerkenswerten Theater-Arbeiten zu verantworten hatten. Resümee und letzte Worte also. Da die Diskussion sicher noch eine ganze Weile als Video abrufbar bleibt, rupfen wir rasch ein besonders schönes Statement heraus und sagen damit Bye-Bye: 
"Das tt-virtuell, geschuldet der Corona-Krise, war trotz der Defizite eine schöne Not-Lösung"!
( Mit (bis jetzt) 120.000 Zugriffen muss es zumindest als quantitativer Publikums-Erfolg bewertet werden.)



Theatertreffen on Demand:
und auf
www.nachtkritik.de

TT-Kontext Programm:
Hier--->

                                                                            Boncuk, der Kater, in der Redaktionskonferenz:

                                                                            Die haben fertig, wir haben fertig. 
                                                                            Es ist, was es ist, sagt die Liebe...
                                                                                                    

Dienstag, 21. April 2020

Die wunderbare Video-Konferenz...

der Paganini´s

Literatur-Freunde, zur Zeit durch Social Distancing getrennt

Boncuk, der Kater (B.d.K.), im Bild zu sehen mit Nasen-Mund-Schutz:

Hallo, Ihr meine Täubchen.
Wir lassen uns von diesem Dingens, diesem virulenten Bakterium, diesem außerirdischen Floh doch keine Flöhe ins Fell setzen, oder wie sieht´s aus bei Euch Beiden? Hehe!

Pati, das Katerchen (P.d.K.), im Bild mit Sonnenbrille:
Alles o.k. Chef, alles Bestens. Paletti ist nichts dagegen!

B.d.K.:

Aha, na super. Das ist doch Klasse. So soll das ja auch sein.
Na, dann doch einfach weiter so.

Nicht wahr? (RÄUSPERN)
Halli Hallo. Madame? Alles Schön, alles im Lot?

Chefredakteurin (CH.R.), im Bild hinten links mit Schal vor Mund und Nase:
Naja, wir halten hier Vorort die Stellung. Der Feind lauscht vielleicht mit. Vielleicht ist der Feind aber auch selbst geschwächt. Meine Recherchen laufen noch, ich will und darf keine abschließenden Ergebnisse verlautbar machen. Hier an der Corona-Front brennt der Bär. Ahoi!

B.d.K:

Aha, aha, Dann bleiben Sie dran. Sie sind unbedingt mein bestes Pferd im Stall. Das schaffen  Sie.
Ach, Meine Darlings.
Ich zitiere nur dieses eine, besondere Mal eine ganz große Freundin unserer Redaktion:

"WIR SCHAFFEN DAS!"

PAUSE-------------------------------------------------------------------


P.d.K.:

Mal ne rein interne Frage. Wie soll das denn jetzt, also, rein finanziell, meine ich, wie könnte das denn in unmittelbarer Zukunft so eventuell mal aussehen?
Nur so, aus reinem Interesse gefragt.
"Immer frei raus". Das sagt doch der Chef.
Nicht wahr, Boss? So ist das doch.
Also, gibt es da schon konkretere Pläne?

B.d.K.:

Aber sicher, mein kleiner Freund. Das schaffen wir. Wir lassen uns von diesem Dingens, diesem virulenten Bakterium, diesem außerirdischen Floh doch keine Flöhe ins Fell setzen.

Ciao, Ciao, meine Lieben. Bis Morgen. Nun aber mal ran an die Arbeit.
Es muss doch irgendwie weiter gehen.
Nicht wahr?
Wir lassen uns doch nicht unter kriegen...
(Video-Chat-Leitung knistert und knastert und fällt zusammen und AUS)




Das war der Live-Mitschnitt der Live-Redaktions-Konferenz der Paganini´s vom heutigen Dienstag.
Mehr von uns kommenden Mittwoch in 3 Wochen, wenn es um weitere Lockerungen in Sachen Redaktion und eventuell auch Themen wie Kurzarbeit gehen wird.


BLEIBEN SIE GESUND ODER AM LEBEN!

Samstag, 18. April 2020

Die Schizophrenie der Pandemie:

Wohl dem, der eine Heimat hat



Chefredakteurin, Profilbild


Der Herausgeber der Paganini´s-Seiten hat mich, die Chefredakteurin, eingeladen, in einem
"kurzen, knappen Feature" einige Worte zu meinen Gefühlen "in dieser Zeit" aufzuschreiben. Ich war nicht glücklich über diese Ehre und bin es auch im Moment nicht, da meine Fingerspitzen nun suchend Buchstaben antippen, um gewünschte Worte zu einem angedachten "Feature" (Puh, Herr Boncuk, Sie Depp von Redaktions-Chef!) entstehen zu lassen.

Was sollte ich sagen, das nicht hundertfach, tausendfach irgendwo gesagt, gefühlt, gedacht und veröffentlich dieser Tage zu lesen steht.

Das TAGEBUCH feiert eindeutig Renaissance, in diesen, unseren Zeiten des Corona-Virus.
Und das mag zu den Tugenden dieser Zeit gehören. Oder auch nicht. Wer weiß das schon.
Zumindest scheint auch diese ZEIT kein Verstummen (vor dem Unaussprechlichen) in sich zu tragen.

Und das gibt Hoffnung. Das macht Mut. Denn hier bleibt doch etwas in seinem gewohnten Wiedererkennungswert unseres modernen Erlebens. Obwohl doch die Besonderheit der Erfahrung einer Pandemie gerade darin liegt, aus der "Gewohnheit" herauszureißen. Was wiederum Anlass zu Bestürzung und Ängsten gibt.

Immer schon übersetzt der Mensch "Gewohnheit" mit "Selbstverständlichkeit".
Im Guten wie im Schlechten.
Und wenn ich nun mit etwas beginne, das ich der Pandemie eventuell als "Gut" gut schreiben wollte, so wäre es die Tatsache, dass rückblickend, vorausblickend und ins Hier und Jetzt hinein blickend, tatsächlich (endlich einmal) ALLES

1.) ...als nicht in "meiner/unserer Hand liegend" erscheint
und
2.)...Gewohnheiten durch diese Aus- und Ausnahme-Zeit erst "bewertbar" werden
und
3.)...damit ein großer Pool an Möglichkeiten sichtbar wird, der sonst gar nicht zur Debatte stünde, da alles wie "gewohnt" (und wie "gottgegeben") immer weiter ginge.

So aber, wie bisher, geht es im Moment nicht mehr weiter!
Ungefragt bleibt, ob wir das wollen oder nicht. 
Das fühlt sich schon irgendwie neu an.
Und dennoch auch irgendwie vertraut.

Zumindest diesen Gedanken, der durch die Greifbarkeit und Sichtbarkeit des pandemischen "Einschnitts" mehr als nur symbolische Realität in meinem (unser aller) Lebensgefühl geworden ist, empfinde ich als interessant und somit auch als Chance.

Dieses "so geht es nicht mehr weiter" kann nun nach individuellen und kollektiven Bedürfnissen gestaffelt,  sowohl global, als auch national oder eben rein privat angeschaut und beantwortet werden. Meine Antworten sind (noch?) nicht da.

Ich warte ab.
Und ich warte überhaupt.
Und ich warte.
Dabei mag ich das Warten nicht und mochte es noch nie.

Doch im Moment ist mir eigentlich ALLES nahezu abgenommen (worden), das ich (schon wieder dieser Begriff) GEWOHNT bin durchzufechten, anzuvisieren und selbstbestimmt und bestimmend aktiv nach Vorne zu bringen.

Selbst am "Scheitern-können" fühle ich mich durch die Umstände gebremst.

Die Zeit, dieser wertvolle Stoff, verrinnt. Ich hatte so vieles vorbereitet, geplant, gewünscht und gehofft.
Nun ist das Meiste völlig für die Katz (Haha, Herr Redaktionschef!) und Keiner weiß so recht, wie es weiter geht. Nicht wirtschaftlich in puncto Job. Schon gar nicht mit der Welt und ihrer Verfassung.

Und das Private?
Na, da weiß es ja Keiner Niemals. Und wusste es noch nie.
Das Private war immer schon mehr oder minder ein Glücksspiel.
Folglich steht es in diesen Zeiten der Pandemie gar nicht zur Debatte.
Oder?

Wohl dem, der eine Heimat hat.
Und Heimat meine ich sehr, sehr umfassend (auch als Wert) gedacht.
Wohl dem, der eine Heimat hat, das ist mein "Gebet" in diesen Tagen.

Daher also die von mir gewählte Überschrift.
Ich empfinde diese Zeit als Qual. Und ich empfinde diese Zeit als Reichtum und Bereicherung.

Und den Rest werde ich, werden wir, noch sehen. Jeder auf seine Art.

Ich wünsche jedenfalls ein donnerndes und sehr optimistisches Glückauf.
Und bleiben Sie auf der Hut!




Samstag, 11. April 2020

Aus der wunderbaren Kladde...

...der Paganini´s


Boncuk, der Kater, beim Spiel mit dem Schokohasen


"Die Wollust des Tötens will gelernt sein. Es war ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt aber war es für mich. Und mit dem kleinen Schritt ist alles zu entschuldigen gewesen.
Ein ganz kleiner Schritt, gemessen an der Geschichte der mordenden, sich metzelnden Menschheit der Jahrhunderte.
Und dennoch: Ein großer, ein wahrhaft gewaltiger Schritt ist es noch immer für mich. 
Es hat Zeiten gedauert, bis ich nicht mehr an mir zweifelte. Und auch da noch wusste ich, dass ich über eine Grenze gegangen bin, die einer Schuld gleich kam. Das Wissen aber hatte keine Berührungs- und Verführungs-Kraft mehr in sich. Das Wissen um Schuld war nichts anderes, als das intellektuell vermittelbare Wissen um die Werte menschlicher Gesellschaften.
Nun bin ich in der Nervenheilanstalt und warte auf meine Entlassung.
Von den Morden weiß hier niemand Bescheid.
Ich wurde eingeliefert, nachdem ich nach fünf schlaflosen Nächten, wach gehalten von einer Mischung aus dröhnender Musik, alkoholischen Getränken und Tabletten, bewusstlos und eingenässt, vor einem Lokal liegend, aufgefunden worden bin. Mein Hemd war verschmiert von dem Erbrochenen meines letzten Fast-Food und ich stank nach meiner eigenen Pisse. 
Mir ist das egal. Nach mir die Sintflut. Hier drinnen ist mir alles wurst.
Hauptsache Keiner weiß um mein Geheimnis. Denn das wäre das Ende. Das Ende meines eigentlichen Seins..."
(Notizen zu einem "Protokoll" aus "Menschenlichter im Tollhaus", Teil II)




Aus der angedachten Geschichte eines Mörders und seiner (nicht mordenden) Frau. 

Frohe Ostern!