Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"
Flipcard zum Stöbern im Blog-->Hier

Wegen anderer Projekte kann das Blog zur Zeit leider nur unregelmäßig "bespielt" werden!

Sonntag, 23. Januar 2022

Der wunderbare Buchanfang: XXXV. Teil

 

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"
(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Diesmal ein Buch, das dicht und atmosphärisch, eine besondere Kindheit und deren Folgen beschreibt. 


Alex Schulman, "Die Überlebenden"

Ein Polizeiauto pflügt langsam durch das blaue Grün, die Traktorspur zum Hof  hinunter. Da steht das Sommerhaus, einsam auf einer Landzunge, in der nie ganz schwarzen Juninacht. Es ist ein einfaches Holzhaus mit seltsamen Proportionen, etwas höher, als es sein sollte. Die Farbe an den weißen Giebeln ist abgeblättert, das rote Holz an der Südseite sonnengebleicht. Die Dachpfannen sind zusammengewachsen, ein Dach wie die Haut eines Urtiers.


Bon Boncuk und Petite Pati präsentieren "Die Überlebenden"


"Polizeiauto" - "blaue Grün" - "einsam" - "nie ganz schwarze Juninacht" - "Haut eines Urtiers". Irritierende Bilder entstehen in den ersten fünf Zeilen des Buchs "Die Überlebenden". Bilder, die den Vorstellungen eines "Sommerhaus" entgegen gesetzt zu sein scheinen. Dennoch fehlt auch im gesamten 1. Kapitel des Romans von Alex Schulman ein konkreter Hinweis darauf, weshalb ein Polizist in diese nahezu idyllisch anmutende Landschaft mit See gerufen wurde. 
Alles bleibt Andeutung und in einem merkwürdigen Nebeneinander stehend, seltsam miteinander verwoben und ins Ungefähre verweisend: "Etwas ist mit dem Licht, den blauenden Bergen über dem See und dem Blaulicht des Polizeiautos".

Was das ist, das da geschah und was so eigentümlich, fast verführerisch und dennoch toxisch schillert, kann nur aus dem Reich der Kindheit hinüber reichen. Denn nur in diesem haben die Dinge jenen lebendigen Zauber, der Gut und Böse, Vertrautes und Schrecken als Untrennbares (miteinander Streitendes?) aufscheinen lässt. 

Alex Schulman ist ein dichtes, extrem atmosphärisches Buch gelungen, dessen formale Kreisbewegung 
den Gesetzen der Erinnerung und den Gesetzen von Ursache und Wirkung entspricht. "Das Gewicht all dessen, was in diesem Moment passiert (...), ist nur der letzte Ring auf dem Wasser, der äußerste, der am weitesten vom Einschlagspunkt entfernt ist". 

So schließt sich der Kreis des Erzählten, in dem es den Beginn gegen Ende wiederholt. Der "Einschlagspunkt" ist spürbar geworden. Am Horizont ein neues Licht. Was kommt nach dem "Überleben"?
Vielleicht - ein "Leben"!


Mehr zum Buch ---> HIER

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen