Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"
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Montag, 27. September 2021

Aus der wunderbaren Kladde ...

...der Paganini´s-Redaktion!



foto@CC


IKARUS SCHUH

Meine Füße wollten fliegen
nur ein bisschen
keine Füße sein
wollten sie
die auf der Erde schreiten
dafür fliegen, fliegen
in den Wolken
in dem Blau
eines Himmels
wollten sie:
Nun stecken sie
im festen Schuh
strecken sich zur Decke
Zeh für Zeh
versinken vor Scham
im Boden!



Samstag, 21. August 2021

Der wunderbare Buchanfang: XXXIII. Teil

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"
(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Heute ein Buch, welches das Große ins Kleine packt.                      
                     "Gelati! Gelati!" von Martin Lechner und Tobias Premper

Im Streichelzoo


Die Hufe sanken in den Sand. Aber das Pferdchen rührte sich nicht. Bloß die Mähne flatterte im Wind. Schon versanken auch die Beine und der Bauch. Und bald sah nur der Kopf noch aus der Erde. (...)

Bon Boncuk, der Kater, präsentiert "Gelati, Gelati"



So beginnt "Gelati, Gelati". Und es endet nicht wesentlich optimistischer und nicht weniger rätselvoll mit "Der Tag" und dem märchenhaft-dunklen Ruf: "Kuwitt! Kuwitt! Kuwitt!"

Diese Miniaturen scheinen allesamt aus einem Niemandsland kommend und in ein Niemandsland hinein führend. Und gerade deshalb sind sie so schön, so sehr dem Leben (in seiner Rätselhaftigkeit) verwandt und ohne Schrecken, auch wenn sie (teilweise) im wahrsten Sinne schrecklich sind. 
"Mit einer merkwürdig heiteren Erwartung, mit einer fast fröhlichen Gier habe ich lesend dem nächsten Hinscheiden entgegengesehen..." schreibt Georg Klein in seinem (wunderbaren) Nachwort 
Wir haben das (als Leser) auch getan. Wir hofften indes,  Lechner/Premper würden auf mehr verweisen.
"... mit jedem Meter, den ich weiter auf den Grund zu sank, sah ich den immer heller strahlenden Mond".
Nein, wir wurden nicht enttäuscht.
Ein großes, literarisches Ereignis. En Miniature!



Mehr zum Buch ->HIER


Wir pausieren. In Twitter sind wir in den kommenden 2 Wochen kaum präsent
 und hier im Blog sowieso...

Freitag, 23. Juli 2021

Das wunderbare TickTackTakTik ...

...nun neu aufgelegt als Print-Book und als E-Book!


(Aus Gründen der  "NEUAUFLAGE IN LEICHT ÜBERARBEITETER VERSION" bringen wir den Post aus 2015 hier nochmals - Dazu die News zur Neuauflage am Ende des Posts)

Es geht um Künstler: und Geld. Um Schöne und Reiche: und Geld.
Um die Verführbarkeit: durch Geld.
Kurz: es geht um Glück, Erfüllung und Liebe. Mit und ohne Geld!


Wir Drei, Luise, wir sind modernes Prekariat! Das weißt du. Das weiß ich. Das weiß Lars Dietrich! Und Luise denkt: TickTackTakTik! Kommt Zeit, kommt Rat! (TickTackTakTik)


TickTackTakTik
Ein Prekariatsroman


Klappentext:
TickTack-TakTik! So nennt Luise die Hoffnung, dass sich das mühsame Geschäft mit ihrer Esoterik- Hotline irgendwann auszahlen wird. Mit ihr hoffen das auch „Lars und Lars“, Kleinkunst-Helden aus Berlin. Auch Luises Background ist kreativ, aber pekuniär erfolglos. 
Das moderne „Prekariat“ kämpft ums Überleben, benutzt fragwürdige Taktiken und streift dabei das Leben der Schönen und Reichen. Und doch erwächst aus dem Chaos verschwimmender Identitäten ein gewisser Sinn! Ein Berliner Schelmen-Roman, aus dem Künstler- und Esoterik-Milieu der Hauptstadt.


Erste Pressestimmen

O-Ton, Paganini, der Kater, in seinem neuen ZDF-Sendeformat Vier Pfoten für die Literatur:

Wahrlich! Ein Prekariatsroman!
Endlich und gar nicht unendlich!
Auf 172 durchaus vergnüglichen Seiten, hypnospeakt (plaudert) die - mir nur allzu gut bekannte - Redakteurin, ääähm, Autorin, über Liebe, Künstler, Esoterik und all den Firlefanz, mit dem Berliner Leben und modernes Leben angeblich einhergehen.
Die Protagonisten sind allesamt aus der Klischee-Schublade herausgezogen, allein die omnipotente Figur des - als  "Strippenzieher" benannten - Literaturkritikers, beeindruckt (im letzten Viertel des Romans) durch Facettenreichtum und Tiefgang.
Dennoch: Ein gewisser Charme ist dem Werk - das sich zwischen Trash und Mainstream bewegt - nicht abzusprechen!

Eine Schmonzette, die Jeder kennen muss!
Kaufen! Unbedingt Kaufen!

P.S.: Paganini, der Kater,  ist auch Herausgeber dieser kleinen Scharlatanerie!
Merke: Die Paganinis lassen das Prekariat nicht allein!

Anmerkung d. Redakteurin: "Ich hatte einfach Lust auf Soap-Opera, aber einmal ein bisserl different!"
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Nochmals erwähnt sei, dass wir nicht zu denen gehören, die bereits die "richtigen" Verlage auf sich aufmerksam gemacht haben. Nein, hatten wir Scheu!
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Nun die NEWS: In der aktuellen Neuauflage wurden ca. sieben Sätze verändert - darunter gleich der erste - sowie eine längere Passage aus dem zweiten Absatz gestrichen. Den Rest haben wir mit allen Eigenwilligkeiten belassen, damit "TickTackTakTik" nicht zu mainstreamig und verwechselbar zum Leser kommt.



BOD-Buchshop ---> "TickTackTakTik"    Amazon-Kindle ----> "TickTackTakTik"
BOD-Buchshop ---> "Sehnsucht"            Amazon-Kindle ----> "Sehnsucht"

Als momentanes 1,99  EUR - Schnäppchen gibt es das E-Book in der neuen Version bereits im BOD-Shop als Epub. Und nun auch im Kindle-Shop für Kindle!

Die leicht überarbeitete Neuauflage als BOD-Printbuch sollte möglichst direkt im BOD-Buchshop gekauft werden: In den Shops ist die Gefahr zu groß, an die alte Version zu geraten. Hier werden zuerst die Lagerbestände verschickt. Nur deshalb wird mit Lieferung am Folgetag geworben. BOD verschickt später, druckt aber garantiert neu!

Auch "Sehnsucht" wurde von uns nochmals minimal nachkorrigiert und ist bereits in der neuen Auflage als Print in den Shops erhältlich. Auch hier gilt, das Printbuch am besten direkt bei BOD bestellen. Als E-Book ist es in den Shops zum download bereit. (Da "Sehnsucht" nur minimale Interpunktions-Korrekturen bekam, wird es nicht sehr ins Gewicht fallen, wenn die ältere Version erwischt wird)

Wir lieben nun endlich unsere Bücher wieder. Vielleicht ist Abstand manchmal ganz gut.

Leid aber tut uns der ganze Aufwand für unsere Leser: BOD ist leider sehr umständlich und langwierig. Korrekturen funktionieren nur mit komplett neuer Auflage. Und bis der Autor überhaupt sinnig korrigieren kann, muss er zunächst sein Buch bestellt haben und darauf warten. Die verbliebenen, kleineren Fehler lassen wir nun so stehen, sonst wird das Ganze mit immer neuen Versionen noch umständlicher und völlig unübersichtlich. Sorry!

Montag, 19. Juli 2021

Das wunderbare Pausenbrot ...

 ...der Paganini`s-Redaktion



@CC
Balancieren
auf einer Rasierklinge. Messerscharf unter den Füßen. Zucken, mit jedem Schritt. Zögern, da niemand weiß, wie das gut enden kann ... (A little Drama and lovely Holidays)



WEITERHIN FERIEN BIS ENDE SEPTEMBER

Samstag, 1. Mai 2021

Der wunderbare "Lear" und die "Politiker" ...

 ...in der Inszenierung von Sebastian Hartmann!

"Live-Stream-Premiere" des Deutschen Theaters Berlin


VORBEMERKUNG
 Eigentlich sollte schon damals die Bühnen-Premiere, vor diesen Ewigkeiten, also in 2019, unter "King Death" firmieren, wohlwissend, dass der Hartmannsche "Lear", hier liegend im Totenbett, nicht wirklich dem Shakespearschen "Lear" neues Leben einhauchen wird. Doch dann, und wen wundert es, blieb es eben bei der Nennung des Ur-Materials, dem "Lear" und dazu, hinten ran gehängt (aber sich im Nachhinein in den Vordergrund des Gesamt-Abends drängend) die "Politiker" von Wolfram Lotz
Heute, keine 2 Jahre später, in diesen Zeiten von Corona, gibt es eine neue Fassung als Live-Übertragung eines zeitgleichen Bühnen-Geschehens und somit die "Stream-Premiere". "King Death" findet in dem Einführungs-Video des Regisseurs zur überarbeiteten Bühnen-Fassung erneut Erwähnung, gehe es doch nun auch gesellschaftlich in besonderem Maße um die Frage, wie man dem Tod einen ihm gemäßen Respekt entgegen bringen könne. ---> siehe Video




Die Kritiken zur Premiere in 2019 waren nahezu durch die Bank so zweigeteilt wie der Titel des Abends. Mehr oder minder ein "Buh" bis "Naja" zum "Lear", dafür ein umso enthusiastischeres "Bravo" bis hin zum "Bravissimo" für die "Politiker". Die Paganini´s-Redaktion, dies sei erwähnt, hat die 2019-Inszenierung nicht gesehen, so dass die Vorfreude auf den heutigen Abend einerseits besonders groß ist, andererseits aber auch die bereits angelesenen "Urteile" im Kopf herum spuken.

Zuletzt total geflasht durch die Live-Stream-Premiere des Hartmannschen "Zauberberg", die durch die "Einladung" zum Theatertreffen allgemeine Anerkennung erhielt, muss dieser Abend nun damit leben, dass er mit diesem extrem berührenden und gelungenen Stream von Hartmann himself verglichen wird.

Außerdem wird heute genau unter die Lupe genommen werden, inwiefern die Neuinszenierung es schaffen kann, aus der aktuellen Situation tatsächlich stimmige Impulse in das Bühnen-Geschehen fließen zu lassen. Nun also "Vorhang hoch" und "Film ab" - es lebe der "Hybrid" aus Kino und Theater!
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NACH DEM STREAM-ERLEBNIS
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Puh! Nun erst einmal aufstehen, eine Runde durch die eigene Wohnung laufen, Katzen kraulen, einen Espresso trinken. Dazu das Fenster öffnen. Tief einatmen und tief ausatmen. Wieder Glieder recken. Nochmals den Pelz schütteln. Wach werden, wach werden. Aus der Bezauberung raus finden, aus der Betäubung raus, raus aus der Trance, weg von der Umklammerung dieses vollständig einzigartigen Abends. 
Wieder einmal hat Sebastian Hartmann und seine Crew es geschafft, sämtliche Erwartungen zu unterminieren und gerade deshalb einen echten Hartmann-Abend zu generieren. Jawohl, "KingDeath", das war der richtige Titel für diese ca. 100 Minuten aus Bildern, aus Rausch, aus Überforderung, aus Grenzgang, aus Sound, aus Überblendung, aus Schnitten, aus Animation (Tilo Baumgärtel-diese geniale Ergänzung des Regisseurs) und aus Film. 

Ähnlich durchwachsen, wie die Reaktionen der Zuschauer bei der Premiere 2019 im Publikum überliefert wurden, so sind sie diesmal im Chat zu lesen. Natürlich Lob für die Perfektion des Zusammenspiels von Dramaturgie, Schauspiel, Musik und Kameraführung. Hier und da eine sich überschlagende Begeisterung. Dazwischen allerdings für Stream-Theater auffallend viel Maulerei über den Sound-Teppich, der Worte schluckt und noch viel ärgeres Gejammer über die Unkenntlichkeit der Shakespearschen "King Lear"-Thematik. 

Und was macht Sebastian Hartmann, dieser Schurke? Er packt nicht mal seinen "Joker" der 2019-Inszenierung aus. Denn die "Politiker" fallen weitgehend wortwörtlich "ins Wasser". Nein, er wagt den "King Death". Es geht um den Tod. Um den Akt des Sterbens. Um die Flüche der Erben am Totenbett der Väter. Um die Verzweiflung und die Trauer eines endenden Lebens. Um den Zustand der Welt. Um den Zustand des Menschen. Um die Sehnsucht. Um das Unentrinnbare. Es geht auch um Politik. Um die Fragen der Verantwortung. Um den Hochmut des Menschen. Diesem Wahn nach Kontrolle. Seinem Verstoß gegen Welt und Natur. Und noch einmal, und noch einmal geht es um den Tod. Den Unbesiegbaren. Den letzthinnig Triumphierenden. Es geht um die Auslöschung. Und es geht um das Leben.
 
Immer wieder gibt es in diesem zweiten Live-Stream des Hartmann-Teams Zitate und Anklänge an den "Zauberberg". Der verzweifelte Schrei: "Wie soll man Leben!" ist hier wie dort zu hören. Auch ein Fatsuit zeigt sich. Ähnlich funktioniert das Zusammenspiel und die Wahl der künstlerischen Mittel, dies "Gesamtkunstwerk" gewissermaßen aus Worten, Musik, Spielern, filmischen Mitteln etca.p.p.

Vermissend vielleicht bei uns die Wahrnehmung, dass das (leere) Theater als Raum diesmal weniger sichtbar mit einbezogen wurde. Ein drehendes Rad (Schicksalsrad, Sonne und Spinnennetz), ein Krankenhaus-Interieur und Gänge, die überall sein könnten, nahmen dem Theater-Saal in diesem Stream sein charakteristisches Gesicht.

Dafür zauberhafter Einfall: Ben Hartmann bringt "Realität" in die Kunst-Bude, indem er auf seiner Gitarre "Ich will bleiben, wo ich nie gewesen bin!" schmettert. 
Am Ende Prozession der Schauspieler (den durchweg grandiosen!). Und wir verneigen uns.
Ganz großes Kino. Ganz großes Theater. Ein sehr würdiger "King Death".
Applaus, Applaus, Applaus!

Doch: Wie nun schlafen?





Mehr zu den Stücken und der Inszenierung --->HIER

Hier nun eine Sommer-Pause - Bis bald!

Mittwoch, 28. April 2021

Ein Hoch auf den Buchstaben ...



 
 
 
 

Tanz 


Tanzt ein Buchstabe auf weißem Papier, tanzt auf der Nase herum,
tanzt den Tanz des Gerechten und den Tanz der Gerächten
und den Tanz der zu Rächenden.
Winselt nie um Gnade und tanzt weiter
auf dem Tisch
 

Tanzt der Buchstabe in einem wild gewordenem Wort,
tanzt das Wort einfach tot und fordert:
Tanz aus Melancholie und durch Mord.
Im Irgendwo durch Irgendwen.
Aber bitte mit Text
 

Tanzen die Worte im Buch, tanzen das Auge entzwei,
tanzen den Tanz aus Sätzen und den Tanz von Texten
und den Tanz eines Buchstabens, der nicht sitzt
oder fehlt oder überflüssig geworden,
zu Grunde geht!







 

Mittwoch, 21. April 2021

Der wunderbare Buchanfang: XXXII. Teil

 

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"
(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Heute ein Buch, das von einer Schönheit ist, die nicht von dieser Welt zu sein scheint:


Cees Nooteboom, "Abschied"
(Gedicht aus der Zeit des Virus)


1

Dies fragte sich der Mann
im Wintergarten,
das Ende vom Ende, was könnte das
sein?
Etwas ganz ohne Kummer, dachte er
sich,
er schaute hinaus, sah eine Wolke, die
aussah

wie eine Wolke, bleigrau, zu schwer
für jede
Waage ...

I

Dit  froeg de man in de wintertuin zich
af,
het einde van het einde, wat kon dat
zijn?
Het leek hem geen enkele vorm van
verdriet,
hij keek naar buiten, zag een wolk die
er uit

zag als een wolk, loodgrijs, te zwaar
voor
elke weegschaal ...



Pati, das Katerchen, präsentiert "Abschied"


Nein, wir können kein Niederländisch. Und nach dem Kauf von "Abschied", diesem kostbaren Lang-Gedicht von Cees Nooteboom, seiner neuesten Publikation also, wollte uns ein inneres Teufelchen einreden, das Buch hätte doch, zum halben Preis und ohne diese Zweisprachigkeit, vollkommen genügt, um zu beglücken. Das wäre dann der goldene Preis-Leistungs-Schnitt gewesen, sozusagen. So dachten wir einen Augenblick nur, den wir nun verwünschen. Und für den wir uns bitter schämen. 

Denn nach der ersten Lektüre, auf deutsch verschlungen, werden wir nicht müde, das Original laut und leise in uns hinein oder vor uns her zu lesen. Endlich, endlich  hören wir den Klang, den Rhythmus, die Melodie des Gedichts, so wie es vom Dichter gedacht und ersonnen, zu Papier gebracht worden ist.

Und ja, auch wenn man, wie wir, kein Niederländisch spricht und auch keines versteht, so glaubt man dann im Lesen, das zuvor (und seit jeher kongenial) von Ard Posthuma in deutsches Wort Übertragene, hätte auf einmal Flügel bekommen. So dass ganz von alleine (einfach kraft des Dichters Kunst) das tiefe Verstehen (auch und gerade) in jener "exotischen"  Ur-Sprache, mit uns wäre.

"Und da erkannten wir die Feinheiten der Übersetzung. Und da erkannten wir die Feinheiten des besonderen Cees-Nooteboom-Klangs ..." (Boncuk, der Kater, vollkommen beseelt, in der Redaktionskonferenz.)

Ach, nun genug der Schwärmerei über den Suhrkamp-Druck in zweierlei Variante.

Hin zum Text, der wahrlich den plakativ angekündigten Untertitel "aus der Zeit des Virus" nicht nötig hat. 

"Die Toten suchen ein Haus". So hieß Nootebooms 1. Gedichtband. Es folgten "Kalte Gedichte" und "Schwarze Gedichte". Es braucht nicht das Virus, um nach dem "Ende vom Ende" zu fragen. Corona gibt darauf keine Antwort. Das Ende vom Ende ist seit jeher Gewissheit.

"Beginnt hier das Jenseits?"
Das liest Nooteboom (angeblich) als Poster auf einer menschenleeren Straße in Zeiten des Lockdowns.
Die Leere der Straße. Diese Frage. Gemalt auf einer Häuserwand. 
Die Atmosphäre von Vakuum.
Alles wirkt, wie Alles IMMER auf Nooteboom wirkt:
Anregend!

In "Abschied" geht es nicht um Corona, sondern es geht um Leben und Tod.
Und dem Tod kommt Nooteboom, mit seinen mittlerweile 88 Jahren, nahe. 
Er bereitet sich vor. Und er hat sich zeitlebens vorbereitet.

"Jetzt ist Stille
der Rest der Strecke,
ohne Erinnerung
kein Leben."

Der Autor wird vor unseren Augen, im Gedicht, 
transparent und löst sich (schreibend) auf.

Er vergeht und wird neu. Zum "Niemand".
Hier zunächst als Dichter.

Und das ist - da niedergeschrieben - ein großes Geschenk!