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Samstag, 19. Februar 2022

Der wunderbare Buchanfang: XXXVI. Teil

 

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"
(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Heute ein Buch, das rätselvoll und tiefgreifend, dunkle Aspekte der Liebe umkreist. 


Per Olov Enquist, "Gestürzter Engel"

Bewahre noch einen der kleinen seltsamen Zettel des Jungen auf. Auf diesem stehen nur vier Wörter:
"Hauche mein Gesicht hervor."
Ein Gebet?

Erwachte 03:45, der Traum noch immer ganz gegenwärtig. Strich unwillkürlich mit dem Finger übers Gesicht, über die Haut der Wange.
War der Antwort sehr nahe gewesen.
Stand auf.


Pati, das Katerchen, präsentiert Enquists "Gestürzter Engel"


Drei Liebesgeschichten (bei genauem Hinsehen sind es noch mehr) finden sich in diesem dünnen, 110 Seiten umfassenden Buch. Und doch ist das kein Buch, geeignet zum Verschenken an frisch Verliebte. Und es ist auch kein Buch, das sich nacherzählen ließe, indem man von den Protagonisten berichtet. Die da wären das "Monster" Pinon, aus dessen Stirn das Gesicht von Maria gewachsen ist, deren Lippen stumm, dennoch in seinem Inneren sowohl betörenden als auch zu Tode quälenden Gesang anstimmen können. Und der Psychiater, dessen Frau den Mörder (den "Jungen") der gemeinsamen, kleinen Tochter in ihre Wohnung lockt. Oder die verlassene, psychisch gebrochene Ruth Berlau, die den Ton-Kopf des Liebsten (Bert Brecht) in einer Schachtel aufbewahrt und in seinem Innern die tröstende Whiskeyflasche. 

Nein, was so berichtet, als flaches Sammelsurium grenzwertiger, unglücklicher Beziehungs-Verstrickungen daher kommt, wird von Per Olov Enquist zu einer einzigen, großen Beschwörung des "Menschlichen", das sich an dessen "Grenze" offenbart. So sind es die sich wiederholenden Beschwörungs-Formeln und Symbol-Bilder, die dies Buch zu einem Ereignis werden lassen. 
"Hauche mein Gesicht hervor" und schaue mich in der Tiefe. So lautet die Formel der Sehnsucht. Enquist folgt diesem Wunsch, sucht im Kreisen über dem Abgrund nach der Liebe:
"Man kann Liebe nicht erklären" schrie sie. 
Aber wenn man es nicht versucht, wenn man es nicht versuchte, wo ständen wir dann?"

Ein tief greifendes und ergreifendes Buch, das einen zunehmenden Sog entwickelt, dem man sich überlassen sollte. Lesenswert!



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