Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: www.paganinisberlin.de

Wegen anderer Projekte kann das Blog zur Zeit leider nur unregelmäßig "bespielt" werden!

Dienstag, 23. Juli 2019

Der wunderbare Buchanfang: XV. Teil

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"

(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Diesmal ein Buch, lebendig wie ein Leben und doch poetisch wie ein Gedicht:

Leonard Cohen, Das Lieblingsspiel

I

Breavman kennt ein Mädchen namens Shell, das sich Ohrlöcher stechen ließ, weil es lange, filigrane Ohrringe tragen wollte. Die Einstiche entzündeten sich, eiterten und hinterließen winzige Narben, die er entdeckte, als er ihr einmal das Haar nach hinten strich.
Eine Kugel zerfetzte seinem Vater den Arm, als er sich im Schützengraben aufrichtete. Ein Mann, der an Herz-Kranz-Thrombose leidet, findet Trost in einer alten Kriegsverletzung.


Bon Boncuk, der Kater, präsentiert "DAS LIEBLINGSSPIEL"


"Das Lieblingsspiel" ist der erste Roman (von Zweien) von Leonard Cohen, der sich zu dem Zeitpunkt der Erscheinung des Buchs (1963) noch ganz und gar als Schriftsteller identifizierte. Vom Musiker Leonard Cohen war damals weit und breit nichts zu sehen und nichts zu hören. Auch er selbst kannte ihn damals als Endzwanziger noch nicht!

Das Buch beginnt mit der Schilderung von Wunden und Narben und Versehrtheiten, auch von Falten, die der Gang des Wegs namens Leben so mit sich bringen kann, einmal selbst zugefügt und manchmal einfach so eingefangen, wie ein Schicksal oder einen Zufall.

Das Buch endet mit der Erinnerung des Protagonisten "Breavman" an das Lieblingsspiel der Freunde aus Kindheitstagen. Im Winter, wenn es stark geschneit hatte, hielten sie sich an den Händen, wirbelten herum wie ein Kreisel und ließen dann plötzlich los. Jeder fiel ins Weiß hinein, in einer ulkigen Stellung abgespreizter Glieder und stand rasch erneut auf den Füßen, um sich an den Abdrücken im Schnee zu erfreuen. 

Das Leben hinterlässt Spuren. Man nehme sie mit Leichtigkeit!

Ein Buch, prall gefüllt mit Geschichten, sprachlich von einer Frische, einem Spieltrieb und einem sprühenden Witz, der sich immer wieder an der dichterischen Metaphorik bricht.

Wer dies Buch noch nicht kennt: Unbedingt Lesen!






Mehr zum Buch HIER___>


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen