Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: www.paganinisberlin.de

Wegen anderer Projekte kann das Blog zur Zeit leider nur unregelmäßig "bespielt" werden!

Montag, 25. März 2019

Der wunderbare Buchanfang: XXIV. Teil


"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"

(Zitat von Paganini, dem Kater)


Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Diesmal ein Buch, wie es melancholischer und skeptischer kaum denkbar ist:

Roger Willemsen, Der Knacks

 Alle wurzeln im Märchen: Ich war einmal. Eine Reihe von Wegmarken später, und alles steht fest und muss nicht mehr erzählt werden: "und wenn sie nicht gestorben sind..." Wie jemand wurde, das erklärt er anhand von Ernstfällen - als sei ein Individuum erklärbar aus der Summe seiner Narben. Doch dann ist da noch eine andere Biographie: "Irgendetwas " hat sich gewandelt, sagt man, "irgendwann" war es da, "irgendwie" von innen heraus, gelöst vom isolierten Anlass, nicht logisch und auch nicht im Gegenteil psychologisch. Man blickt zurück und weiß nicht recht, was es war und wann es geschah und woraus genau es bestand und wohin es führte, aber man sagt: Nie mehr fühlte ich wie damals...


Petit Pati präsentiert den "Knacks"


Das ist der Knacks. Er lässt sich nicht einfach greifen und bearbeiten und dann ist er wieder weg. Der Knacks schleicht sich ein und er nistet sich ein und er breitet sich aus, in der Psyche, in der Betrachtung, im Denken, ja, der Knacks prägt von diesem einen Moment an, in dem er - unmerklich fast - geschieht, das weitere Leben eines jeden Einzelnen. Der Knacks ist individuell und doch universal, in jedem Leben zu finden und doch nicht kollektives Geschick. 

Der Knacks ist nicht mal eben so einzufangen, da braucht es schon 290 Seiten, die zunehmend den Ernst der Lage verbreiten, um von meisterlichem Geiste be- und umschrieben zu werden. Roger Willemsen gewährt in diesem Buch einen Blick in seine melancholische, wenn nicht gar tieftraurige Seelen-Seite, macht aber nie vergessen, dass er auch schreibend ein brillanter Conferencier ist. So reiht sich im Knacks Bonmot an Apercu, dass es eine reine Freude ist, obwohl doch voll der herzzerreißenden Tristesse. 
Vorsicht dennoch: der Knacks  ist hoch ansteckend!

  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen