Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"


Redaktion: www.paganinisberlin.de

Dienstag, 16. Mai 2017

NOCH ZU WARTEN...

...IST WAHNSINN...




Foto@Paganini´s





Ermattet von Alltag und beruflichem Tun, dennoch minimal aufgehübscht und angetan mit Attributen
der Kunst-Interessierten (mit anderen Worten: Schwarz dominiert die Farbe der Kleidung), quälen wir uns durch Rixdorfer Treiben in Richtung U-Bahn, was diesmal gar kein leichtes Unterfangen ist, denn eine sehr kleine Demo - Frieden und Freiheit für Pakistan - und ein Groß-Aufgebot an Polizei, lässt den backsteingepflasterten Weg so holperig und verschlungen erscheinen, wie es das hölzerne Labyrinth vor dem TheaterTreffen-Palast 2017 nicht zu sein vermag. 
Doch eben Dieses gilt es zu erreichen! 
Schwülwarm die Temperatur, diesig und grau der Berliner Himmel, erreichen wir die ebenfalls von Polizisten bewachte U-Bahn-Station Karl-Marx-Straße und verschwinden im Tunnel des Neuköllner Untergrunds. "Wegen eines Polizei-Einsatzes kommt es zu unregelmäßigem Bahn-Verkehr" steht als Fließtext zu lesen. Das erstaunt uns nicht, lesen wir das doch nahezu täglich, seit einigen Monaten, in allen von uns zu betretenden U- und S-Bahnhöfen der Region. Nein, wir nehmen es locker und nicht persönlich. Wir sind Berlin. Die dritte U-Bahn, die anrollt, darf tatsächlich bestiegen werden, gerammelt voll mit buntem Leben, Multi-Kulti ist natürlich Kult - wir sind total politisch korrekt - aber die Fülle, die ist halt doch mehr Multi als Kulti, also eigentlich passen wir da gar nicht mehr rein, in den Waggon. 
Wir sind Berlin und wir sind in der Großstadt, unser tägliches Leben, es ist eben so. 
Und ab rollt der Zug, umsteigen "Berliner Straße" und aussteigen "Spichernstraße". 
Nach fünfzig Minuten Stehen, auf gefühlten 5cm-Privatsphäre-Radius, atmen wir auf. 
Kultur, Großstadt-Kultur, liegt in der Luft! Das jedenfalls imaginieren wir! 
Unser Blick schweift über die gekachelten Wände des endlos erscheinenden Bahnhof-Ganges und bleibt hängen:

NOCH ZU WARTEN IST WAHNSINN

steht da riesenhaft auf einem weißen Plakat in schwarzen Lettern und mit rotem TT-Emblem.

"Ach, wie spannend", denken wir, denn wir sind wohlgemut unterwegs, die Anfahrt muss sich lohnen und wir haben nichts Geringes vor. Nein, nichts Geringeres als die Teilhabe an einer Diskussions-Runde mit dem Titel "Was ist Demokratie" und da wir sie täglich zu leben glauben, ihr aber ebenso täglich eine Krise droht, haben wir uns für solch ein Gespräch, das einer jeden POLIS zu Ehren gereicht, mit freiem Geist und gutem Gewissen entschieden. 
Doch zunächst zupft uns die Zukunft am schwarzen Ärmel: FutureLeaks schickt einen Abgesandten, um uns hineinzulocken, in das Zelt des "Mondiale-Projekt" der Berliner Festspiele und der UdK. 
Oh, nein, darauf fallen wir nicht herein, wir sind vorgewarnt, darüber haben wir in nachtkritik.de gelesen, Mitmachtheater oder so ähnlich, nein, nichts für uns. 
Puh, der Herr lässt gnädig locker und uns ziehen. 
"Noch zu warten ist Wahnsinn" hämmert in uns seinen Takt: war das nun wirklich richtig, die Teilhabe an der "Enthüllungsplattform aus der Zukunft" zu verweigern? 
Nie werden wir das wissen können! 
Doch Ausreden für Unterlassungs-Sünden sind jeweils zahlreich zur Stelle, wir müssen ja hin, zur großen Debatte, hinein ins CAMP, dem Labor und Amphi-Theater-Gestell für das TT-Begleit-Programm, in dem GEDACHT werden soll. Gedacht und Angedacht wird die KRISE (im Singular und im Plural) im LOOP, Jahr für Jahr zum TT! 
Ein wenig wehmütig denken wir an die gemütlichen Stunden, damals, vor vielen Jahren, im Spiegelzelt, in dem der gut gelaunte TT-Flaneur sein Weinchen trinken konnte, zu Musike und Kabarett. 
Nein, das Leben ist Anstrengung, das Theater ist es manchmal auch und die Debatten um Selbiges fordern geradezu Anstrengung als Muss. 
Nein, wir wollen uns da nicht drücken, wir leben in Zeiten der Krisen und denen kommen wir nur bei, wenn wir darüber sprechen. Erst vor wenigen Tagen wurde hier, im Camp des TT, die Krise der Kultur-Kritik beschworen, genauer gesagt, die Krise der Groß-Kritiken und mittlerweile auch der Klein-Kritiken und so weiter. Am Ende dieser Veranstaltung durften dann doch Einige aufatmen, denn resümierend heraus gekommen ist: 
Es gibt gar keine Krise der Kultur-Kritik. Höchstens eine Krise der dazu gehörigen Print-Medien. 

Wie gut, dass davon mal gesprochen war! In diese Richtung also gehen heimlich unser Hoffen und unser Wünschen und suchend schauen wir nach dem Schild, das uns zur Demokratie-Lehr-Stunde weisen will.

NOCH ZU WARTEN IST WAHNSINN

raunen uns Stimmen zu, es ist höchste Zeit, sich dem Thema zu widmen. Doch das CAMP steht verwaist, die geschlossene Glas-Tür bewacht ein Host. Wir haben uns, so erfahren wir von diesem Gentleman auf Anfrage, im Tag geirrt. 
Wir sind zu spät gekommen. Alle Mühe umsonst. 
"Noch zu Warten ist Wahnsinn gewesen" denken wir. Doch wir wollen dem Missmut den Raum verweigern, wenn wir die Krise der Demokratie heute nicht verhindern können, dann eben nicht.
Psychisch inzwischen ein wenig lädiert, lockt uns das grelle Pink der zur TT-Bar führenden Treppenstufen in lichte Höhen. Unser schwarzer Stiefel schwebt sekundenlang über einer Ameise, die fleißig ihren Weg zu gehen glaubt - NOCH ZU WARTEN IST WAHNSINN -, doch wir lassen sie ziehen.

"Bringt ja nix, den Frust am schwächsten Glied in der Kette abzulassen" sagt Paganini, der Kater.
"Und darauf ein Prost!" Das sagen wir, die Paganini´s-Redaktion.





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen