Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"

Redaktion: Annette van den Bergh (Freie Autorin, Texterin und Journalistin)



Dienstag, 4. April 2017

Neue Erfahrungswelt: Das wunderbare HörTheater...

...von Deutschlandradio Kultur im Heimathafen Neukölln!



Foto@Paganinis

Stellen Sie sich vor, werte Damen, werte Herren, Sie sitzen in einem kleinen, feinen Studio-Theater, das Licht wird gedimmt bis Sie kaum mehr Ihren Sitz-Nachbarn erkennen können. Sie starren - ein Reflex der Gewohnheit - gebannt auf die Bühne, doch auch diese bleibt dunkel und leer. Dafür, wir halten es für Dolby Stereo Surround, pfeffern plötzlich die Lautsprecher Stimmen, Polizei-Sirenen, Telefon-Gebimmel, Schritte, Schnaufen und wieder gesprochene Sätze um Ihre Ohren.

Wenn Ihnen das so ums Gehör fliegt, bis sich auf einmal Alles in Ihnen zu sammeln scheint und Ihnen das Ganze gar sinnhaft wird, dann sitzen Sie mit Sicherheit zum ersten Mal im HörTheater!

Jener Sonntag, an dem uns, der Paganini´s -Redaktion, der freie Wille namens Langeweile zur Hörspiel-Aufführung von Deutschlandradio Kultur in den Heimathafen Neukölln trieb, jener Sonntag sei gesegnet.

Wir wissen nun, es gibt doch immer neue Erfahrungswelten, die es zu entdecken gilt. Selbst wenn man diffus zu wissen glaubte, was ein Hörtheater sei. Schließlich haben auch wir schon szenischen Lesungen beigewohnt und Hörbücher im Schrank. Wer kennt nicht mittlerweile die Hörfassungen vom guten, alten "Tatort", die in den Mediatheken zum Anklicken bereit stehen.

Doch nun, im HörTheater sitzend, müssen wir uns zunächst von all diesen Vorstellungen verabschieden, die unsere Aufnahmefähigkeit des akustisch Dargebotenen blockieren:

1. Nein, es sitzen oder stehen keine Sprecher auf der Bühne. Alles kommt vom Band.
2. Nein, mit der Hörfassung von Fernsehfilmen hat das nichts gemein. Es gibt keinen "Erzähler" aus dem Off, der (für die visuelle Vorstellungskraft) stimulierende Erklärungen oder Beschreibungen hinzugibt.

Es gibt nur gesprochene Sprache, Geräusche und dann und wann Musik und Töne.

An diesem Sonntag hat uns der Zufall (als Komplize von freiem Willen und Langeweile) in ein knapp 60minütiges Kriminal-Hör-Spiel von Dirk Josczok geführt. Ein typischer, professionell aufgezogener Krimi, wie man ihn sich qualitativ vom Öffentlich Rechtlichen erwartet. Psychologisch nachvollziehbar entwickeln differenzierte Charaktere vor unseren Ohren eine Geschichte. Diese beginnt mit einem tödlichen Geschehen und endet mit dessen Auflösung.

Das, was uns zunächst als Manko erscheint, wird im Laufe des Erlebnisses zum großen Plus:
Die Beschränkung auf den einen Sinn, das Ohr, zwingt zur Konzentration und bringt eine  Aufmerksamkeit mit sich, die in diesen Zeiten wohltuend als Entschleunigung und Entschlackung (von Überflutung) empfunden wird.

Die abschließende Podiums-Diskussion unter der Leitung von Vito Pinto, Autor und FU-Dozent in Sachen "Hörspielkunst", bringt es auf den Punkt:

"Im gut gemachten HörTheater fehlt nichts!"
Für ihn steht das Hörspiel als eigenständige Kunstform zwischen szenischer Inszenierung und Literatur.

Wir sind zu diesem Zeitpunkt des Abends sowieso schon angefixt...




...und gehen irgendwann wieder...zum Heimathafen Neukölln ins Hörtheater ---> 


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