Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"


Redaktion: www.paganinisberlin.de

Sonntag, 15. Januar 2017

Hinter jedem erfolgreichen Mann...

...steckt eine starke Frau!


Wir, die Paganini´s-Redaktion, entscheiden uns am Ende der Inszenierung von Hakan Savas Mican für diese Lesart von "Der Mann der Liberty Valance erschoß" im Maxim Gorki Theater. 

Wir hätten uns auch für viele andere Interpretationen entscheiden können, aber wozu?

Der Zuschauer muss nicht zwingend mehr Tiefgang ins Spiel bringen, als in der Aufführung steckt und die macht - dennoch oder gerade deshalb - absolut Spaß.


Foto@paganinis

Die Erwartungshaltung im Vorfeld war allerdings groß, geweckt durch die politischen Stürme unserer Zeit und die allerorts wachsenden Spannungen, fühlbar auch im alltäglichen Berlin. 

Zudem natürlich genährt durch das Wissen um die grandiose Vorlage des John Ford - Klassikers, der sich vielschichtig und hintersinnig mit dem Mythos Amerika auseinandersetzt. Geflügelt mittlerweile der Satz:

“When the legend becomes fact, print the legend!”

Und nun noch einmal gesteigerte Erwartung angesichts dieser aktualisierten Bearbeitung des Films zum Theater-Stück, wach gekitzelt natürlich auch durch das Gorki selbst:

Das Duell um Macht und Recht hat begonnen. Welcher Held wird gewinnen? Hakan Savaş Mican findet in der Erzählung von Dorothy M. Johnson eine Blaupause für die schmerzliche Frage, die sich derzeit in extremer Dringlichkeit stellt: Auf welchem Fundament ist das, was wir »Demokratie« nennen, aufgebaut? (Auszug Programm-Heft Maxim Gorki Theater)

So verließen wir also mit Neugier unser gar nicht mehr verschlafenes Rixdorf, vorbei an den mit bunten Lettern zum politischen Flugblatt veredelten Haus-Fassaden - Hipster-Schweine raus aus Neukölln!  fordernd -  und hinein in die überfüllte S-Bahn ab Sonnenallee, in der Multikulti vom Berliner Stadtbewohner tagtäglich mal mehr, mal weniger sinnig gelebt und erlebt wird.

Ach, so viele brennende Fragen scheinen uns dieser Tage gestellt zu sein, vielleicht finden wir Antworten im Maxim Gorki. 

Unter den Linden dann können wir raus aus der U-Bahn und mitten hinein in das, vor Historie geradezu berstende, Weltstadt-Berlin.

 Einen geschichtsträchtigeren Platz hätte sich das vielleicht schönste und sicher kleinste Berliner Staatstheater nicht wünschen können. Vorbei an der Neuen Wache, diesem stets ins Mark berührenden Ort, geht es in dies Theater, das von außen in seiner Klarheit geradezu hermetisch geschlossen wirkt und hinter dessen schweren Türen das offenste, bunteste und politischste Theater-Volk der Stadt willkommen heißt.

Erwartungen hin oder her, Niemanden wundert es, dass auf dieser Bühne ein Western bearbeitet wird. Und dann gar DIESER!


foto@paganinis


Das Spiel mit dem Spiel um Lüge und Wahrheit beginnt symbolträchtig. Mehmet Atesci spricht seinen Text, berichtet vom Überfall des Liberty Valance, derweil ihm die geschilderten Blessuren von Maskenbildnern ins Gesicht geschminkt werden. Alles noch in Großaufnahme, projiziert auf Großbild-Leinwand, erst dann geht der Vorhang auf und das Western-Städtchen Two Trees ersteht vor dem erfreuten Publikum.

 Das Spiel mit den Klischees des Westerns funktioniert und macht große Laune. Der verkommene Sheriff, der saufende Zeitungs-Macher, das heruntergekommene Hotel, der gute Cowboy und der etwas naiv wirkende Zugereiste aus der Stadt, dazu die holde Schönheit, um die sich die Männer balgen, das Alles kennt man und freut sich am Wiedererkennungswert. 
Western im Theater, oh, das ist schön! 

Das ist eigentlich die Quintessenz, die wir, die Paganini´s, mit nach Hause nehmen. 

Trotz einer Vielzahl an Aktualisierungen und trivialen, banalen Abarbeitungen in Sachen Demokratie, die in den Stoff hineingeschrieben wurden, bleibt die Feststellung:
Gut gemachtes Theater kann eben auch Western! 

Die größere Tiefe, Dramatik, Vielschichtigkeit und politische Dimension allerdings findet sich diesmal eindeutig im Kino.


"Und, wie war das nun? Das ist ja ein ganz brisantes Thema gewesen, das in dieser Inszenierung verhandelt wurde. Nicht wahr?"

Das fragt uns der Taxi-Fahrer, der uns zurück in die Heimat der Paganini´s-Redaktion fährt.

"Das war eine Gaudi". Sagen wir.




Wir waren zur Premiere hier:
http://www.gorki.de/de/der-mann-der-liberty-valance-erschoss

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