Paganini´s...

Motto von Paganini, dem Kater:
"Es lebe die totale Subjektivität des Feuilleton!"


Redaktion: www.paganinisberlin.de

Freitag, 23. Dezember 2016

"Lippen abwischen und lächeln"...

...so geht Weihnachten in Berlin dann eben doch:

 

Mit Max Goldt im Heimathafen Neukölln


Er sagt so ein einfaches Wort wie "prachtvoll" und es klingt dann wie aus fernen Zeiten herüberwehend und exotisch, als sei es irgendwann ausschließlich für ihn erfunden worden.

"Max Goldt liest" und ist sein einzig möglicher Interpret:

Märchenonkel, Wolf mit Kreide, Wolf ohne Kreide, Großmutter, Rotkäppchen, scheinheiliger Zwerg mit üblen Hintergedanken, dazu Gottvater und über Allem beobachtend Wohnender.

Der Mann hat Gold und etliche weitere Metalle in der kräftigen Kehle. 


Klick auf Foto@Paganini führt zur virtuellen Lesung

Vor der diesjährigen Auswahl des künstlerischen Weihnachtsevents ist natürlich wie eh und je in den
Räumen der Paganini´s-Redaktion heftig diskutiert und analysiert worden. 

Zu Max Goldt´s Lesung sahen wir allerdings keine echte Alternative. 

Seine Definition von Weihnachten als einer der drei großen "Volksschwächen" war uns einmal sehr nahe und ist uns noch ziemlich nahe, trotz einer (mit dem Alter des Katers) zunehmenden Tendenz zu Traditionen und Sentimentalität.

"Weihnachten ist eine der drei grossen Volksschwächen. Die anderen beiden sind Autos und Fussball. Wer bevorzugt, sich seinen persönlichen Defekten zu widmen und daher schon terminlich Schwierigkeiten hat, an Massenschwächen teilzunehmen, sollte sich aber mit ihnen arrangieren, denn politische Systeme, die die Macht hätten, die Volksschwächen auszurotten, haben den Nachteil, dass sie mit rauchenden Ruinen und Leichenbergen zu enden pflegen. Wir wollen also gar nicht erst damit anfange, leise tickende Taschen auf Weihnachtsmärkten abzustellen, sondern gehen kühl lächelnd geführt von ruhigem, friedlichem Desinteresse, seitlich an ihnen vorbei - und dank der guten baupolizeilichen Bestimmungen in Deutschland ist es ja möglich, seitlich an so ziemlich allem, was hässlich ist, vorbeizugehen!..." 
Aus: Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens
Prosa und Szenen 2002 - 2004 / Rowohlt


Foto@Paganini, Hof des Heimathafen Neukölln


Zur Zeit ist es nicht mehr so leicht, an Allem, was hässlich ist, vorbei zu kommen. 
Das zeigt sich auch auf dem traumverloren schön beleuchteten Pausenhof des Heimathafen Neukölln

Hier trifft sich auch diesmal das Häuflein wartender Raucher zum solidarischen Qualmen (wie gut, dass wir nun e-cigarette dampfen und so -OHNE böse Konsequenz- dennoch dazu gehören!) und Austausch des einen, aktuellen, in der Berliner Luft liegenden Kollektiv-Themas. 


Jeder kennt Jemanden der Jemanden kennt, der auf DEM Weihnachtsmarkt gewesen ist, genau zu DER Zeit, als DAS passiert ist, was DA passiert ist. 


Satzfetzen werden laut und leise in den Wind geblasen. 


Es kann Jeden treffen und es hätte Jeden treffen können.
Das erscheint uns Hier und Heute, ganz kurz vor Weihnachten bei Max Goldt im Heimathafen Berlin, fast tröstlich. 


"Lippen abwischen und lächeln!"


Und dann geht´s wieder rein zur Lesung:



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